Legionellen: Mit diesen Tipps schützt du dich besser

- Dass die Ursache der Legionellen-Welle in Wetzikon noch immer unklar ist, bereitet manchen Anwohnenden Sorgen.
- Sie wappnen sich, um einer Ansteckung mit den wasserliebenden Bakterien zu entgehen.
- Eine Frau kocht jetzt sogar ihr Leitungswasser ab. Dabei machen Legionellen nur krank, wenn sie in die Lunge geraten.
- Mit der richtigen Wassertemperatur, gespülten Leitungen und regelmässiger Wartung lässt sich das Infektionsrisiko senken.
Mysteriös, das ist die Legionellen-Welle in Wetzikon ZH. Trotz intensiver Suche hat die interdisziplinäre Taskforce noch keine gemeinsame Infektionsquelle für die bislang 33 Fälle gefunden, die in der Stadt seit Anfang 2025 registriert wurden. 29 Personen mussten hospitalisiert werden. Eine der erkrankten Personen verstarb im September.
Für viele Menschen in Wetzikon sorgt die Kombination aus Infektionen und Rätselraten für Unwohlsein. Aus Angst, sich übers Trinken anzustecken, kocht die 39-jährige Sabina nun sogar das Hahnenwasser ab. Bringen tut das jedoch nichts. Denn krank machen die Bakterien nur, wenn sie eingeatmet werden und in die Lunge gelangen. Dieses Risiko lässt sich deutlich reduzieren.
Hier überall kannst du Legionellen begegnen
Legionellen sind sogenannte wasserassoziierte Bakterien. Sie kommen also in fast allen wässrigen und feuchten Umgebungen vor. Als ideal gelten für sie Wassertemperaturen zwischen 25 und 45 Grad Celsius. Sie vermehren sich besonders in Wasser, das längere Zeit steht (siehe Box).
An diesen Orten fühlen sich Legionellen besonders wohl
Perfekte Bedingungen finden Legionellen unter anderem in Wasserleitungen, Wasserhähnen, Duschköpfen, Whirlpools und lüftungstechnischen Anlagen, schreibt das Bundesamt für Gesundheit BAG. Ebenfalls vermehren können sich Legionellen in Kühltürmen. Sie gelten etwa als Ausgangspunkt für den Ausbruch in Basel im Juli/August 2026 mit am Ende 28 Erkrankten und einem Todesfall. Die US-Gesundheitsbehörde CDC nennt zudem noch dekorative Brunnen und Wasserspiele als mögliche Legionellen-Quelle. Auch im Scheibenwaschflüssigkeitsbehälter von Fahrzeugen seien sie mitunter vorzufinden.
Wie gelangen Legionellen in den Körper?
Gerät Wasser in Bewegung, etwa beim Aufdrehen des Wasserhahns, entstehen feinste Wassertröpfchen, die mit Legionellen kontaminiert sein können. Wenn Menschen diese Aerosole einatmen, kann es zur Ansteckung kommen. Die Infektion wird Legionellose oder auch Legionärskrankheit (siehe Box) genannt.
Wichtig: Eine Infektion durch verunreinigtes Wasser ist nur möglich, wenn es versehentlich in die Atemwege gelangt. Das Trinken von legionellenhaltigem Wasser ist hingegen in der Regel unbedenklich, da die Magensäure die Bakterien abtötet. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist grundsätzlich möglich, kommt aber äusserst selten vor.
Warum Legionärskrankheit?
Die Bezeichnung geht auf das Jahr 1976 zurück. Damals erkrankten während und kurz nach einer Tagung der Kriegsveteranenvereinigung «The American Legion» in Philadelphia, USA, 221 Männer an einer untypischen Lungenentzündung. 34 Personen starben in dem Zusammenhang. Ursache der Erkrankung war das Bakterium Legionella pneumophila in der Klimaanlage des Hotels. In der Folge wurde die Legionärskrankheit erstmals beschrieben.
So kannst du dich vor Legionellen schützen
Wassertemperaturen beachten
Die beste Präventivmassnahme, um bei sanitären Installationen eine Legionellen-Vermehrung zu verhindern, besteht laut BAG darin, «eine Heisswassertemperatur von 60 Grad Celsius am Boilerausgang beziehungsweise 55 Grad Celsius im Leitungssystem sicherzustellen.» Weiter sollte die Kaltwassertemperatur unter 25 Grad Celsius bleiben.
Vorsicht auch beim Gemüsewaschen
Christos Bräunle vom Fachverband für Wasser, Gas und Wärme rät davon ab, zum Waschen von Gemüse und anderen Lebensmitteln warmes Wasser aus dem Hahn zu verwenden. «Generell empfehlen wir, Heisswasser aus dem Boiler nicht direkt zu konsumieren oder für die Zubereitung von Speisen zu verwenden», so Bräunle. (jcg)
Kein Wasser nutzen, das lang gestanden hat
Der Kanton Zürich empfiehlt unter anderem, längere Wasserstagnation (über 72 Stunden) zu vermeiden und Leitungen nach längeren Nutzungspausen gründlich durchzuspülen. Vor allem nach den Ferien ist das sinnvoll. Vor allem vor der Nutzung kopfnaher Wasserquellen wie Duschen. Fachleute der ETH Zürich empfehlen, das Wasser so lange laufen zu lassen, bis die Temperatur konstant und das Wasser klar ist.
Anlagen regelmässig warten lassen
Warmwasserbereiter, Speicher und Leitungen sollten fachgerecht installiert und regelmässig gewartet werden. In grösseren Gebäuden können zudem regelmässige Untersuchungen auf Legionellen erforderlich sein.
Was würdest du nach so einem Ausbruch in deiner Wohnung als Erstes überprüfen?
Wie erkennt man eine Legionellen-Infektion?
Die ersten Anzeichen sind schwer zu deuten: Die ersten Beschwerden treten in den ersten zwei bis zehn Tagen nach der Ansteckung auf, darunter Fieber, Husten, Muskel- und Kopfschmerzen sowie Appetitlosigkeit. Auch Verwirrtheit und Magen-Darm-Beschwerden können auftreten. Im weiteren Verlauf entwickelt sich häufig eine leichte bis schwere Lungenentzündung, die im schlimmsten Fall tödlich enden kann. Trotz einer Behandlung mit Antibiotika liegt die Sterblichkeit bei etwa fünf bis zehn Prozent.
Daneben gibt es mit dem Pontiac-Fieber einen milderen Verlauf der Legionellose. Die Inkubationszeit beträgt nur wenige Stunden bis drei Tage. Es zeigt sich ein grippeähnliches Krankheitsbild mit Fieber, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Konzentrationsschwäche. Patientinnen und Patienten mit Pontiac-Fieber erholen sich in der Regel innerhalb weniger Tage ohne Antibiotika-Therapie von selber.
Manche Personen sind gefährdeter als andere
Das Risiko einer Legionärskrankheit oder Legionellose steigt mit zunehmendem Alter. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen. Personen, die rauchen, eine geschwächte Immunabwehr oder chronische Grunderkrankungen haben, sind besonders anfällig. Auch bei der Person, die vergangene Woche in Wetzikon im Zusammenhang mit Legionellen starb, bestanden mehrere Vorerkrankungen.
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Fee Anabelle Riebeling (fee) arbeitet seit 2014 für 20 Minuten. Sie ist stv. Leiterin Wissen/AI, Data und Leiterin des Fachgremiums Faktencheck & Verifikation.
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