Betrug mit Handy-Verkäufen – Europaweite Grossrazzia stoppt millionenfachen Smartphonebetrug

- Rund 1770 Ermittler durchsuchten im Rahmen einer Grossrazzia über 160 Objekte in 19 Ländern.
- Eine kriminelle Organisation soll über eine Million zusammengebastelte Handys als Neuware im Internet verkauft haben.
- Der Schaden für europäische Verbraucher beträgt mindestens 300 Millionen Euro, hinzu kommen Steuerausfälle von über 30 Millionen Euro.
In der deutschen Stadt Krefeld durchsuchten Zollfahnder und Polizistinnen eine Lagerhalle in einem Gewerbegebiet, in der sich schätzungsweise 10’000 bis 15’000 Mobiltelefone befanden. Die Aktion ist Teil eines gross angelegten Schlags gegen organisierte Wirtschaftskriminalität: Rund 1770 Einsatzkräfte von Steuer-, Zoll- und Polizeibehörden führten am Dienstag über 160 Durchsuchungen in 19 Staaten durch, darunter in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
Im Zentrum der Ermittlungen steht der Vorwurf, dass ein kriminelles Netzwerk seit 2018 mehr als eine Million Mobiltelefone vertrieben hat. Gebrauchte Komponenten wurden in Hongkong und in den Vereinigten Arabischen Emiraten zusammengebaut, gereinigt und als fabrikneue Ware verpackt. Über die Niederlande gelangten die Geräte in deutsche Lagerhäuser und wurden anschliessend auf führenden Online-Marktplätzen in der gesamten Europäischen Union verkauft. Die Differenz zwischen dem bezahlten Neuwertpreis und dem tatsächlichen Wert der Gebrauchtgeräte beläuft sich auf mindestens 300 Millionen Euro.
Zusätzlich nutzten die Täter Briefkastenfirmen in mehreren EU-Ländern und in der Schweiz, um systematisch Steuern zu hinterziehen. Die Unternehmen wendeten unrechtmässig die Differenzbesteuerung an, bei der lediglich die Handelsmarge statt des gesamten Verkaufspreises versteuert wird. Diese Regelung ist ausschliesslich für wiederverkaufte Gebrauchtwaren zulässig, für die bereits eine Mehrwertsteuer entrichtet wurde. Da die Mobiltelefone jedoch als Neuware deklariert wurden, wäre die Steuer auf den vollen Verkaufspreis angefallen. Den europäischen Finanzämtern entgingen dadurch mehr als 30 Millionen Euro, davon mindestens 25 Millionen Euro in Deutschland.
Ermittler fassen mutmassliche Rädelsführer
Bereits am Samstag nahmen Ermittler sieben Tatverdächtige fest, darunter vier Personen in Deutschland, zwei in Österreich und eine in Spanien. Unter den Festgenommenen befinden sich auch die beiden mutmasslichen Rädelsführer.
Diese Länder haben bei der Fahndung mitgemacht
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Insgesamt sind nach Angaben der Europäischen Staatsanwaltschaft (EUStA) etwa 1770 Steuer-, Zoll- und Polizeifahnderinnen und -fahnder an der Aktion beteiligt. Die Massnahmen finden neben Deutschland in Österreich, Belgien, Bulgarien, Kroatien, Zypern, Estland, Finnland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Polen, Portugal, Rumänien, der Slowakei, Spanien, der Schweiz und den Niederlanden statt.
Die Europäische Staatsanwaltschaft koordinierte die Massnahmen gemeinsam mit dem Zollfahndungsamt Essen, dem Landesamt zur Bekämpfung der Finanzkriminalität Nordrhein-Westfalen und der Polizei Düsseldorf. Den Verdächtigen werden gewerbsmässiger Bandenbetrug, Einfuhrschmuggel, Verstösse gegen das Markenrecht sowie die Bildung einer kriminellen Vereinigung vorgeworfen.
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