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Wednesday, October 7, 2026

KI-Update kompakt: Datennutzung der Chatbots, Kolibri, JEPA-Anything, arXiv

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Alle neun in einer Studie getesteten KI-Chatbots geben Daten ihrer Nutzer an fremde Firmen weiter. Das IMDEA Networks Institute hat alle großen Anbieter untersucht: ChatGPT, Claude, Gemini, Grok, DeepSeek, Perplexity, LeChat, Meta AI und Copilot. Fünf der neun Dienste teilen im Browser feste Links zu ganzen Chatverläufen mit Datentrackern. Ohne Zugangsschutz können diese Firmen die Gespräche lesen. Nur bei 40 Prozent dieser Dienste lässt sich das verhindern, indem Nutzer unnötige Cookies ablehnen. Die Forscher legten digitale Fallen in ihre Chats. Bei mehreren Anbietern schlugen sie an, sobald der Chat geteilt wurde. Bei Grok lösten sie später noch mehrmals aus. Vermutlich haben Fremde den privaten Chat also wiederholt geöffnet.

Ein Drittel der Anbieter schickt Zusammenfassungen der Chats an Werbepartner, etwa Fragen nach frühen Symptomen von Parkinson oder Angaben zum eigenen Gehalt. Teils geht auch der Standort mit. Oft hängen an diesen Daten E-Mail-Adressen und dauerhafte Nutzerkennungen, selbst im Inkognito-Modus des Browsers. Damit sind die Daten nicht mehr anonym. Datenhändler vergeben solche Kennungen und erkennen Nutzer damit auf vielen Plattformen wieder. Lehnen Nutzer unnötige Cookies ab, bleiben trotzdem rund 80 Prozent der Tracker aktiv. Insgesamt fanden die Forscher rund 44 Tracking- und Werbefirmen, die Daten von den KI-Anbietern erhalten.

Eigenwerbung Fachdienst heise KI PRO

Das französische KI-Unternehmen Mistral hat „Mistral Large 4“ vorgestellt. Mit 49 Milliarden aktiven Parametern ist es das größte Modell der Firma und nach eigenen Angaben auch das fähigste. Daher stammt der Spitzname „Le Chonk“. Das Modell soll Europa im KI-Sektor unabhängiger machen. In Sicherheitstests schneidet es gut ab. Es beantwortet zuverlässig Fragen zur Analyse von Schadsoftware und wehrt sich besser gegen Versuche, es zu manipulieren.

Beim Programmieren liefert das Modell ordentliche Ergebnisse, bleibt aber hinter den führenden US-Modellen zurück. Mistral will die Modellgewichte Ende Oktober freigeben. Zuvor prüfen Sicherheitsforscher, Partner und Behörden das System. So will Mistral Schlagzeilen über „KI-Ausbrüche“ vermeiden.

Das deutsche Aleph Alpha hat außerdem das Sprachmodell Kolibri veröffentlicht. Es richtet sich an Firmen und Behörden, die KI auf eigenen Servern betreiben wollen. Kolibri hat 78,1 Milliarden Parameter. Für jedes Token rechnet in der Mixture-of-Experts-Architektur aber nur ein kleiner Teil davon mit, rund 3,46 Milliarden und soll so die Leistung größerer Modelle mit weniger Rechenaufwand erreichen. Kolibri versteht Deutsch und Englisch, ist aber auf deutsche Texte und das Schlussfolgern auf Deutsch zugeschnitten. Es soll lange Dokumente verarbeiten, programmieren und eigenständig mehrstufige Aufgaben erledigen.

Aleph Alpha bewirbt Kolibri als „souverän“. Die Firma kontrolliert die gesamte Entwicklung, und Kunden behalten ihre Daten im eigenen Haus. Entwickelt wurde das Modell in Deutschland, trainiert auf Rechnern in Deutschland und Finnland. Alle Trainingsdaten glich das Start-up mit einer Sperrliste von mehr als 4,5 Millionen Webseiten ab, die unter anderem auf der Piraterie-Liste der EU-Kommission beruht. Für künstlich erzeugte Trainingsdaten nutzte Aleph Alpha allerdings auch fremde Modelle. Die Gewichte liegen unter der freien Apache-2.0-Lizenz auf Hugging Face. Im September 2026 vereinbarte die Firma einen Zusammenschluss mit Cohere, einem kanadischen KI-Unternehmen.

Google hat „Nano Banana 2.1“ freigeschaltet, eine überarbeitete Fassung seines Bildmodells. Es basiert auf Gemini Flash und erzeugt bessere, realistischere Bilder. Es folgt Textvorgaben genauer und stellt Personen über mehrere Bearbeitungsschritte hinweg einheitlicher dar. Das Modell kann mehrere Vorlagenbilder zugleich verarbeiten und nutzt die Websuche, um visuelle Details besser zu erfassen.

Weil das System effizienter arbeitet, senkt Google die Preise für Bilder über die Programmierschnittstelle deutlich. Bei hochauflösenden Bildern fällt der Rabatt kleiner aus. Für den Alltag wird das Werkzeug trotzdem spürbar billiger.

Anthropic baut sein Cyber Verification Program aus. Geprüfte Sicherheitsforscher und Organisationen erhalten über drei Stufen Zugriff auf die Fähigkeiten von Claude in der Cybersicherheit. Je höher die Stufe, desto stärker lockert Anthropic die eingebauten Schutzfilter. Die erste Stufe erlaubt Abwehraufgaben wie die Analyse von Schadsoftware und steht auch Einzelpersonen offen. Die zweite erlaubt Organisationen genehmigte Angriffsübungen. Die dritte ist für kritische Infrastruktur wie Stromnetze oder Banken reserviert. Diese Stufe vergibt Anthropic nur nach einer gemeinsamen Prüfung mit der US-Regierung.

Anthropic reagiert damit auf ein Grundproblem: Dieselben Fähigkeiten helfen Verteidigern wie Angreifern. Deshalb blockieren Filter auch bei genehmigten Angriffstests alles, was Erpressungssoftware verbreiten oder physische Schäden anrichten könnte.

Weltmodelle sollen vorhersagen, wie sich ein System entwickelt, etwa ein Roboter, ein Molekül oder ein kranker Mensch. Bisher braucht meist jedes Fachgebiet sein eigenes Modell. Forscher unter anderem aus Stanford, Oxford und Princeton wollen das mit JEPA-Anything ändern. Das Modell soll in sieben Bereichen funktionieren, von der Physik bis zur Krebsforschung. Es erweitert eine Bauweise von Yann LeCun, dem langjährigen KI-Chefforscher von Meta. Solche Modelle errechnen keine einzelnen Pixel, sondern sagen eine grobe Zusammenfassung des nächsten Zustands vorher. Nebensächliches fällt weg. Bisher landete dabei alles in einer einzigen Vorhersage, und einfache Muster verdrängten schwierige. JEPA-Anything zerlegt den Zustand deshalb in Teile, sagt jeden einzeln vorher und fügt sie danach wieder zusammen.

Am stärksten profitieren physikalische Simulationen. Bei einer gängigen Strömungsgleichung sank der Fehler um fast die Hälfte. Bei simulierten Laufrobotern gewann das Modell nur in zwei von drei Umgebungen, bei Bildern ist der Vorteil gering. Ein Modell, trainiert auf biologischen Messdaten, schlug gegen Leberkrebs einen Botenstoff vor, der Immunzellen weckt, kombiniert mit einem Hemmstoff gegen ein Enzym, mit dem Tumoren die Abwehr bremsen. In Gewebe von drei Patienten und an Mäusen tötete die Kombination mehr Krebszellen als jeder Ansatz allein. Ob daraus eine Therapie wird, lässt die Studie offen. In einem weiteren Versuch fand das Modell aus simulierten Umlaufbahnen fast exakt das dritte Keplersche Gesetz, allerdings nur in einem einzigen Trainingslauf. Code und Modelle sind öffentlich.

BMW baut Führungsebenen ab und setzt stärker auf KI-Agenten. Sie wählen kein Personal aus, sondern übernehmen aufwendige Routinearbeit. Sie helfen beim Einkauf, werten Crashsimulationen aus und erkennen anhand von Kamerabildern Fehler in der Produktion.

Der Autokonzern will so Hierarchien abflachen und Berichtswege verkürzen. Den Stellenabbau regelt ein freiwilliges Abfindungsprogramm. Betriebsbedingte Kündigungen an deutschen Standorten soll es nicht geben.

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Die Deutsche Telekom will mit KI und Automatisierung viel Geld sparen. Die Technik soll vor allem dort arbeiten, wo sich Abläufe oft wiederholen, also im Kundenservice, bei der Netzüberwachung und in der Softwareentwicklung. Sprachmodelle und Textassistenten führen schon heute einen großen Teil der Kundengespräche allein.

KI hilft zudem bei der Wartung der Mobilfunknetze und erkennt früh, wo Engpässe drohen. Neben den Einsparungen will der Konzern mit KI-Diensten und eigener Recheninfrastruktur neue Einnahmen erzielen.

Autonome KI-Modelle haben offenbar unerlaubt auf Wikipedia zugegriffen. Die Wikimedia Foundation, die Stiftung hinter der Enzyklopädie, fand in ihren Serverprotokollen mehrere unbefugte Änderungen in internen Testbereichen und verdächtige Zugriffe auf Werkzeuge der Plattform. KI-Systeme luden außerdem massenhaft Daten herunter. Das könnte zu einem teilweisen Ausfall im Mai beigetragen haben.

Gefährlich waren die Vorfälle laut der Stiftung nicht. Sie warnt aber, dass solche unkontrollierten Aktionen zum Alltag werden könnten. Sie binden Ressourcen und treiben die Kosten für Server in die Höhe.

Seit über 30 Jahren teilen Forscher auf arXiv, einer Plattform für noch nicht begutachtete Fachartikel, ihre Ergebnisse vorab. Nun droht ihr der Kollaps. Vor einigen Jahren gingen monatlich weniger als 10.000 Artikel ein, vor einem Jahr 24.000. Im September waren es über 40.000, fast 10.000 mehr als im August. Die Prüfer kommen mit der Vorkontrolle nicht mehr nach. Ein Mathematiker räumte im New Scientist ein, dass er selbst KI nutzt, um die Einreichungen vorzusortieren. Ein Ende des Wachstums ist nicht in Sicht.

arXiv zieht nun die Grenze: Jeder Forscher darf nur noch zwei Artikel pro Monat einreichen und höchstens drei gleichzeitig in Prüfung haben. In der Informatik gilt eine solche Regel schon seit einem Jahr. Wer gegen Vorgaben verstößt, soll härter bestraft werden. Bisher haben die Maßnahmen wenig bewirkt. KI-Texte verbietet arXiv nicht, verlangt aber eine Kennzeichnung. Beteiligte warnen, die Flut könne das Aus der Plattform bedeuten. Ernsthafte Forschung droht unter der Masse zu verschwinden.

Versicherer prüfen, welche Kosten durch Schäden aus KI auf sie zukommen. Es geht um KI-gestützte Cyberangriffe, Verstöße gegen das Urheberrecht und die Haftung von Managern. Wer für solche Schäden zahlen muss, ist rechtlich noch nicht geklärt.

Zugleich steigt die Branche in das Geschäft mit KI-Infrastruktur ein. Laut Financial Times verhandelt Nvidia mit Versicherern über eine Police gegen Kreditausfälle beim Bau von Rechenzentren. Weitere Angebote drängen auf den Markt: Policen gegen Kreditrisiken, Garantien gegen den Wertverlust von Spezialchips und Schutz bei ausfallenden Kühlsystemen.

Robotikhersteller Boston Dynamics hat seinem humanoiden Roboter Atlas neue Hände gegeben. Sie sind etwas größer als menschliche Hände, haben aber nur vier Finger. Versuche mit Menschen, deren kleiner Finger am Ringfinger festgeklebt war, ergaben, dass kaum eine Aufgabe den fünften Finger braucht. Ohne ihn ist die Hand billiger, leichter zu bauen und zu reparieren. Die Finger einer Hand haben zusammen 13 Bewegungsachsen statt bisher sieben, der Daumen allein vier. Die Antriebe sind kleiner, aber genauso stark und vollständig gekapselt. Jede Hand trägt bis zu 45 Kilogramm.

Ein dichtes Netz aus Drucksensoren in Handflächen und Fingerspitzen meldet genau, was die Hand berührt. Der Daumen kann jeden Finger entlangstreichen. So gelingen feine Pinzettengriffe mit jedem Finger und Griffe mit drei Fingern. Das macht Atlas geschickter im Umgang mit Werkzeug und damit nützlicher für die Industrie. Die Fingerfertigkeit lernt der Roboter zuerst in einer Simulation durch Versuch und Irrtum. Danach überträgt Boston Dynamics die Ergebnisse auf den echten Roboter und verfeinert sie dort.

Südkorea will ein eigenes KI-Spitzenmodell entwickeln lassen und plant dafür 4,7 Billionen Won ein, gut drei Milliarden Euro. Ein zweiter Topf soll koreanische Modelle in die Wirtschaft bringen. Das Geld steht im Haushaltsentwurf für 2027, das Parlament muss noch zustimmen. Die Förderung stiege damit etwa auf das Neunfache.

Mit den US-Konzernen kann Korea trotzdem nicht mithalten. Google, Amazon, Microsoft und Meta investieren allein in diesem Jahr rund 725 Milliarden Dollar. Die Regierung peilt eher das Niveau der offenen Modelle aus China an. Bisher fließt koreanisches Geld für KI vor allem ins Ausland. Im vergangenen Dezember gaben Koreaner mehr für ChatGPT und ähnliche Dienste aus als für Netflix.

Im US-Bundesstaat Utah darf erstmals eine KI bestimmte Medikamente gegen Akne selbst verschreiben. In der App von Nolla Health, einem Medizin-Start-up, fotografieren Patienten ihre Haut und beantworten medizinische Fragen. Ein Sprachmodell wertet die Angaben aus und wählt eine passende Creme oder Salbe. Die Genehmigung läuft ein Jahr. In dieser Zeit lockert die Behörde die ärztliche Aufsicht in drei Schritten. Erst prüfen Fachkräfte jede Verordnung, dann nur noch wöchentlich im Nachhinein, später nur in Stichproben.

Nebenwirkungen, Fehldiagnosen und Softwarefehler muss das Start-up sofort den Behörden melden. Ebenfalls in Utah testet Doctronic, ein weiteres Start-up, seit einigen Monaten einen Chatbot, der Rezepte automatisch verlängert. Dort prüft aber noch medizinisches Personal jede Verlängerung.

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