US-Zwischenwahlen: Trump holen seine Versprechen ein
Stand: 29.10.2026 • 09:21 Uhr
Er werde das Leben in den USA wieder erschwinglich machen, hatte Trump den Wählern 2024 versprochen. Zwei Jahre danach sieht die Wirklichkeit anders aus - nicht zuletzt an den Zapfsäulen. Das wirkt sich auf die Umfragen vor den Midterms aus.
Ein Wort prägt den Wahlkampf für den Kongress: "Affordability", wörtlich übersetzt Erschwinglichkeit. Hohe Lebenshaltungskosten und steigende Preise beschäftigen die US-Amerikaner seit dem Inflationsschub in der Pandemie im Jahr 2021. Donald Trump nutzte sie schon vereinzelt für seine Kampagne bei der Präsidentschaftswahl 2024 - "Make America Affordable Again" stand auf einzelnen Plakaten bei seinen Rallys.
Aber zum klaren Thema Nummer eins sind die Lebenshaltungskosten erst jetzt bei den Kongresswahlen geworden. Trump war angetreten mit dem Versprechen, die Preise in den Griff zu bekommen. Schon seine erste große politische Entscheidung, der Erlass umfangreicher Importzölle, bewirkte das Gegenteil. Aber seit Trump den Krieg gegen Iran begonnen hat, bestimmt die Preisentwicklung an den Tankstellen den Alltag und die politischen Debatten. Die Inflation ist mittlerweile höher als zu seinem Amtsantritt.
Das Wirtschaftswachstum ist solide, aber ...
In einer Ipsos-Befragung nach dem wichtigsten wahlentscheidenden Thema nennen die Befragten zu 49 Prozent die Lebenshaltungskosten, gefolgt von demokratischen Werten und Normen mit 22 Prozent. Migration mit zwölf Prozent und Kriminalität mit vier Prozent haben gegenüber früheren Wahlen an Bedeutung verloren.
Dabei ist die Wirtschaftslage in den USA eigentlich nach objektiven Maßstäben gut. Das Wirtschaftswachstum ist solide, die Arbeitslosigkeit auf niedrigem Niveau stabil. Trotzdem bewerten die Befragten die Wirtschaftslage in verschiedenen Befragungen übereinstimmend schlecht.
In der Siena-Erhebung für die New York Times im Oktober bezeichnen 21 Prozent die Lage als gut oder sehr gut, 79 Prozent als weniger gut oder schlecht. Im Januar vor Beginn des Iran-Kriegs lag die positive Bewertung immerhin bei 29 Prozent.
Bidens Bilanz ist Vergangenheit
Die Wählerinnen und Wähler messen die wirtschaftliche Lage eben vor allem an der Preisentwicklung. Und für die machen sie längst nicht mehr den Demokraten Joe Biden verantwortlich, sondern den Republikaner Trump.
65 Prozent sind nach der aktuellen Pew-Umfrage aus dem Oktober überzeugt, dass Trump seit Amtsantritt der Wirtschaft mehr geschadet habe als genützt, 19 Prozent sehen es umgekehrt. Unter republikanischen Anhängern gibt es noch eine leichte relative Mehrheit von 39 Prozent, für die der Nutzen überwiegt, für 35 Prozent ist auch in dieser Gruppe der Schaden größer.
Fast drei Viertel sehr besorgt - vor allem seit Jahresbeginn
In der Befragung wird auch regelmäßig erhoben, welche Probleme oder Entwicklungen den Amerikanern die größte Sorge bereiten. Ganz oben auf der Sorgenliste stehen aktuell die Energiepreise. 74 Prozent zeigen sich sehr besorgt oder besorgt - ein Wert, der sich seit Jahresbeginn verdoppelt hat. Es folgen die Lebenshaltungskosten mit 73 Prozent, die Kosten für Gesundheit mit 69 Prozent und die Kosten fürs Wohnen mit 66 Prozent.
Wohnkosten sind für die meisten Amerikaner nicht die monatlichen Mietzahlungen, sondern die Zinsen fürs Eigentum. Eine Hypothek über 30 Jahre wird aktuell mit 7,5 Prozent verzinst, der höchste Wert seit Jahren. Viele Paare und Familien schieben den Hauskauf schon seit Langem auf und warten vergeblich auf niedrigere Zinsen.
Jahrzehntelang und noch bis zum Beginn der Pandemie waren US-Amerikaner im Durchschnitt um die 30 Jahre alt, wenn sie ihr erstes eigenen Haus oder ihre erste eine Wohnung kauften. 2025 sprang das Durchschnittsalter der Hauskäufer auf 40 Jahre, ein Allzeitrekord.
Diesel-Deal mit Putin ohne Effekt
Entspannt hat sich nach den Pew-Daten in den letzten Jahren nur der Blick der US-Bürger auf den Aktienmarkt. Da zeigen sich gegenwärtig nur 21 Prozent der Befragten besorgt. Tatsächlich sind ja die Kurse unter Trump weiter deutlich angestiegen. Wohlhabende Amerikaner haben oft einen großen Teil ihrer Altersversorgung in Aktien angelegt, und diese Gruppe wählt ganz überwiegend republikanisch.
Die mehrheitlich schlechte Bewertung der Wirtschaft und die großen Sorgen um das eigene Budget sind die entscheidenden Gründe für den Gegenwind, den die Republikaner in der Schlussphase des Wahlkampfs spüren. Und dieses Problem ist hausgemacht - es ist die Folge von Trumps politischen Entscheidungen.
Die Versuche, die Entwicklung mit umstrittenen Maßnahmen wie dem Diesel-Deal mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin zu beeinflussen, wirken sich weder auf die Energiepreise noch auf die Umfragen aus.
Die Reagan-Formel
Ein Klassiker der US-amerikanischen Politikforschung ist die Frage, wie sich die ganz persönliche wirtschaftliche Lage seit dem Amtsantritt des jeweiligen Präsidenten entwickelt hat. Ronald Reagan hatte das 1980 im TV-Duell gegen Jimmy Carter gefragt: "Are you better off than you were four years ago?" - "Geht es Ihnen besser als vor vier Jahren?"
Nun dauert Trumps zweite Amtszeit erst zwei Jahre. In der Umfrage von Ipsos gaben nur 15 Prozent an, dass es ihnen besser gehe, 48 beklagen, es sei schlechter geworden, 36 Prozent spüren keine Veränderung. Für die Wähler, für die die Lebenshaltungskosten bei ihrer Stimmabgabe ausschlaggebend sind, ist dieses Ergebnis wahrlich kein Argument, republikanisch zu wählen.
Allerdings ist das Zutrauen in einen demokratisch kontrollierten Kongress auch nicht groß. Nur 28 Prozent glauben, dass sich ihre Lage damit verbessern würde, 28 Prozent rechnen sogar mit einer Verschlechterung. An diesen Zahlen erkennt man, warum die Demokraten nicht deutlicher von Trumps Schwäche profitieren. Das Zutrauen in ihre Arbeit ist auch nicht sehr groß.
Der Blick auf die vergangenen zwei Jahre zeigt: Mit dem Ruf nach "Affordability" kann man in den USA Wahlen gewinnen. Aber danach wird man schnell verantwortlich gemacht für die Probleme, die man vor der Wahl selbst beklagt hat.
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