Wawira Njiru - Kenias Frau für Schulessen erhält den Deutschen Afrika-Preis
Sie begann mit einer Spendenaktion für 25 Schulkinder. Heute beschäftigt sie in ihrem Sozialunternehmen Food4Education 6000 Mitarbeitende und versorgt täglich mehr als 600.000 Kinder in Kenia mit Mahlzeiten. Dafür erhält Wawira Njiru den diesjährigen Deutschen Afrika-Preis.
Wie kam es zu dieser rasanten Entwicklung? Die Antwort liegt vielleicht in ihrem Charakter. Hartnäckig und fleißig - so beschreibt sich Njiru selbst: "Es ist schwer, mir weiszumachen, dass etwas nicht möglich ist."
Wenn sie an ihre Anfänge zurückdenkt, wirkt sie selbst überrascht: "Mein Traum damals war es, jeden Tag 100 Kinder zu versorgen. Ich war 21 Jahre alt. Das Ziel, 100 Kinder zu versorgen, kam mir wie eine gewaltige Aufgabe vor. Aber wenn man älter wird, merkt man auch, dass man noch mehr leisten kann. Dann treibt einen die Frage an: 'Wie viel mehr können wir schaffen? Wie viel mehr geht noch?' Das hat mich hierhergeführt."
"Finde Menschen, die an dich glauben"
Wawira Njiru, heute 35 Jahre alt, verließ nach ihrem Schulabschluss ihre Heimat Kenia, um in der südaustralischen Stadt Adelaide zu studieren. Ihr Fachgebiet: Ernährungswissenschaft.
"Damals lernte ich, welchen Einfluss Essen hat, und mir war vorher nicht bewusst, welche Macht die Ernährung tatsächlich hat", erinnert sich Njiru. "Wenn du Ernährungswissenschaften studierst, lernst du erst richtig, welche wissenschaftlichen Zusammenhänge hinter Lebensmitteln stecken. Und du machst dir bewusst, dass nahrhafte Mahlzeiten gerade für Kinder unglaublich wichtig sind."
Als sie herausfand, dass ihre Freunde an der Universität oft ein paar Dollar übrig hatten und nach Möglichkeiten suchten, sich zu engagieren, startete ihre erste Spendenaktion.

Von da an nahm Food4Education seinen Lauf. Für sie als junge Frau sei der Weg manchmal beschwerlich gewesen, erklärt Njiru. Manche Leute nahmen sie nicht ernst - andere schon. Njiru lernte schnell: "Du musst Menschen finden, die an dich glauben." Eine weitere Lehre im kenianischen Kontext: "Du kannst dich nicht einfach auf deinen eigenen Namen verlassen. Du musst jemanden finden, der für dich bürgt, jemanden oder etwas, das dir einen Wert verleiht."
Ihr Studienabschluss verschaffte ihr etwas Anerkennung. Dennoch schienen viele arbeitssuchende Männer einfach nicht davon überzeugt zu sein, dass eine junge Frau sie beschäftigen kann. Deshalb seien heute mehr als 70 Prozent ihrer Mitarbeitenden Frauen, sagt Wawira Njiru.
Schulmahlzeiten für 3 Cent, digital erfasst
Food4Education versorgt mittlerweile 19.000 Schulen täglich mit insgesamt mehr als 600.000 Mahlzeiten. Das System stützt sich auf eine Kombination verschiedener Finanzierungsquellen: Dank Spenden und staatlicher Mittel zahlen Eltern einen geringen Betrag wie etwa 5 kenianische Schilling - umgerechnet gerade einmal 3 Eurocent.
Gezahlt wird über das sogenannte "Tap-to-Eat"-System. Jedes Kind hat ein Armband, mit dem jede Mahlzeit registriert wird. Die Armbänder dienen nicht nur dazu, die Zahlungen der Eltern zu erfassen, sondern sie helfen auch nachzuhalten, wie viele Mahlzeiten tatsächlich ausgegeben werden. Und wenn Kinder ihr Essen nicht abholen, kann das Team vor Ort herausfinden, was los ist.

Das Modell stützt sich, wo immer möglich, auf lokale Bezugsquellen: Etwa 80 Prozent der von der Organisation verteilten Lebensmittel stammen von Kleinbauern. Auf diese Weise werden die Schulmahlzeiten aus frischen Zutaten zubereitet - und die Landwirte haben einen verlässlichen Absatzmarkt für ihre Erzeugnisse.
"Lange Zeit galten Schulmahlzeiten als Wohltätigkeit. Wir haben bewiesen, dass es sich um wirtschaftliche Infrastruktur handelt", sagt Njiru.
Förderung der Aufmerksamkeit und der Motivation bei Schulkindern
Der Plan scheint aufzugehen: Die Zahlen deuten darauf hin, dass Kinder an den teilnehmenden Schulen weniger Unterricht versäumen und besser in der Schule sind. "Essen ist alles", sagt Raphaera Kanya, Direktorin einer Grundschule in Nairobi. "Wenn der Magen leer ist, kann man im Unterricht nichts verstehen."
Für Jane Nyambura, eine Schülerin, fördert die Schulverpflegung die Gleichheit in der Schule. "Es gibt Unterschiede: Für manche Schüler ist der Zugang zu Essen sehr einfach, weil ihre Eltern gut dran sind. Andere können sich kein Essen leisten und haben das Gefühl, dass das ungerecht ist, als ob ihnen etwas fehlen würde. Das demoralisiert sie und untergräbt ihr Selbstvertrauen."
Wawira Njiru hat sich bereits das nächste Ziel vorgenommen: täglich eine Million Schulkinder zu erreichen. Der Blick zurück stimmt sie zuversichtlich: "Von den ersten 25 Kindern bis heute habe ich das Gefühl, dass es keine einzige Herausforderung gibt, die wir nicht gemeistert haben."
Wawira Njiru über den Deutschen Afrika-Preis
Am 4. November wird Wawira Njiru der Deutsche Afrika-Preis von Reem Alabali Radovan, der deutschen Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, überreicht. Der Preis wird von der Deutschen Afrika-Stiftung (DAS) verliehen, einer überparteilichen Stiftung, die sich dafür einsetzt, in politischen Kreisen und in der deutschen Öffentlichkeit ein differenziertes Bild von Afrika zu vermitteln.
Seit 1993 verleiht sie den Deutschen Afrika-Preis an Persönlichkeiten aus afrikanischen Ländern, deren Ideen und Arbeit über ihre Herkunftsländer hinaus zu Lösungen für globale Zukunftsfragen inspirieren. Der Preis wurde in den letzten Jahren an herausragende Persönlichkeiten in Simbabwe, Kamerun und Sierra Leone verliehen.
Afrika: Mit Essen in der Schule zu mehr Bildung in Kenia
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