Streit um Bromo: Europas Satelliten-Fusion auf dem Prüfstand
Unter dem Codenamen „Bromo“ planen Airbus, Leonardo und Thales, ihre Raumfahrt- und Satellitensparten zusammenzulegen. Der neue Großkonzern käme auf rund 6,5 Milliarden Euro Jahresumsatz und etwa 25.000 Beschäftigte. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen sowie Frankreich und Italien unterstützen das Vorhaben. Sie sehen darin einen europäischen Champion für den globalen Satellitenmarkt, berichtet Politico. Die Fusion gelte ihnen als Schritt zu mehr strategischer Autonomie. Wettbewerbshüter und Konkurrenten sind indes alarmiert angesichts der möglichen Folgen für den Markt.
Die Befürworter verweisen auf geopolitische Spannungen und Europas Abhängigkeit von US-Anbietern wie Elon Musks Starlink. Europa brauche eine eigenständige, sichere Kommunikationsinfrastruktur. Berichte, wonach der militärische Starlink-Dienst in der Ukraine zeitweise gedrosselt wurde und ukrainische Operationen gegen Luftangriffe behinderte, unterstrichen die Bedeutung einer eigenen europäischen Satellitenkommunikation.
Neue Hürden für das EU-Satellitenprojekt IRIS²?
Die EU-Wettbewerbsbehörde sei trotzdem skeptisch, schreibt Politico. Mit der Fusion blieben in Europa nur noch zwei große Satellitenanbieter. Besonders heikel sei das mit Blick auf IRIS², das geplante, rund 15,6 Milliarden Euro schwere EU-Satellitennetz für sichere Behördenkommunikation. Der erste Start ist für 2029 geplant. Airbus liefert dafür Plattformen, Thales Alenia Space Kommunikationsnutzlasten. Thales Alenia Space ist ein Gemeinschaftsunternehmen von Thales und Leonardo. Die Fusion würde wichtige Kompetenzen bündeln, was die Verhandlungsposition der Kommission schwächen und alternative Lieferanten verdrängen könnte.
Die Unternehmen sprechen seit fast zwei Jahren informell mit den Wettbewerbshütern. Dabei loten sie offenbar den Verkauf einzelner Produktionsstätten aus. Ein Durchbruch ist aber nicht erkennbar, ein formelles Prüfverfahren steht noch aus. Laut Leonardo wollen die Partner ihre Unterlagen in den kommenden Wochen einreichen, ein Insider rechnet mit dem Start der Prüfung aber womöglich erst Anfang 2027.
OHB erwägt Klage
Gegenwind kommt aus der Industrie. Der Bremer Raumfahrtkonzern OHB droht mit rechtlichen Schritten, sollte die Kommission die Fusion ohne Auflagen genehmigen. Das Bündnis schaffe eine marktbeherrschende Stellung und benachteilige kleinere Wettbewerber, argumentiert der Konkurrent. Andere Kritiker befürchten, die EU sei drauf und dran, ihre Wettbewerbsregeln zugunsten industriepolitischer Ziele aufzuweichen. Wettbewerbskommissarin Teresa Ribera versicherte aber, der potenzielle Zusammenschluss werde keine Sonderbehandlung erhalten.
Auch Regionalpolitiker in Südfrankreich befürworten die Fusion, in Toulouse hängen schätzungsweise 15.000 Arbeitsplätze an der Raumfahrt. Ein Vertreter eines kleineren Branchenakteurs vermutet, der Deal solle vor allem die Aufträge von Airbus stabilisieren. Der Konzern musste 2023 und 2024 erhebliche Belastungen im Raumfahrtgeschäft verkraften, 2025 kehrte das Ergebnis der Sparte aber in den positiven Bereich zurück.
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