Abkommen mit den USA – Die grössten Sieger könnten die Grönländer selbst sein

Grönland ist nicht nur die grösste Insel der Welt, sondern auch sehr begehrt. Gerade das Begehren und Gebaren von US-Präsident Donald Trump hat in den vergangenen Monaten für geopolitische Spannungen gesorgt. Nun haben die USA, Dänemark und Grönland ein Sicherheitsabkommen unterzeichnet. Nordeuropa-Korrespondent Bruno Kaufmann erklärt, was das für die Grönländerinnen und Grönländer bedeutet.
Bruno Kaufmann
Nordeuropa-Korrespondent
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Bruno Kaufmann berichtet seit 1990 regelmässig für SRF über den Norden Europas, von Grönland bis Litauen. Zudem wirkt er als globaler Demokratie-Korrespondent beim internationalen Dienst der SRG mit.
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SRF News: Wie viel hatte Grönland mitzureden bei diesem Vertrag?
Bruno Kaufmann: Sehr viel – und das ist erstaunlich, wenn man die Verhältnisse kennt. Im grönländischen Aussenministerium sind 25 Menschen angestellt. Zum Vergleich: Das Schweizer Aussendepartement hat über 5000 Mitarbeitende. Es ist also ein extrem kleines Team, das sehr gute Arbeit für Grönland geleistet hat.
Viele Grönländerinnen und Grönländer sind erschöpft. Sie konnten nicht mehr schlafen, waren verunsichert.
Unterstützung bekommen haben sie auch vom dänischen Aussenminister Lars Løkke Rasmussen, der eine gewisse Sensibilität für diese Themen entwickelt hat. Seine Frau kommt von den Färöer-Inseln.
Was bringt der Vertrag Grönland konkret?
Zunächst eine Atempause. Viele Grönländerinnen und Grönländer sind erschöpft. Sie konnten nicht mehr schlafen, waren verunsichert. Sie haben aufs Meer hinausgeschaut. Und wenn sie ein Militärschiff gesehen haben, wussten sie nie: Ist das ein Feind oder ein Freund? In den sozialen Medien wurden ständig Karten aus dem Weissen Haus aufgeschaltet, die Grönland unter amerikanischer Flagge zeigen. Diese täglichen «Übergriffe» aus Washington haben die Grönländerinnen und Grönländer sehr gestresst. Vielleicht tritt jetzt ein bisschen Ruhe und Sicherheit ein.
Vielleicht tritt jetzt ein bisschen Ruhe und Sicherheit ein.
Der Vertrag ist eine Riesenchance für Grönland, sich selbstständig als Inuit-Staat weiterzuentwickeln. Grönland ist ein Land voller Möglichkeiten, aber auch ein Land, in dem die Menschen wissen, was es braucht, um zu überleben. Und das können sie selbst am besten. Aber nicht alleine, sondern mit Unterstützung, mit Zusammenarbeit. Man hofft, dass dieser Vertrag jetzt die Grundlage dafür bietet.
Im Vertrag steht auch, dass die USA mehr Einfluss bekommen sollen, wer in Grönland in sicherheitsrelevante Infrastrukturen investieren darf. Was bringt das Grönland?
Die Schweiz ist als neutraler, wohlhabender Staat fähig, selbstständig in der Welt zu bestehen. Das ist für die Grönländerinnen und Grönländer, was die Natur betrifft, eine Selbstverständlichkeit. In der Weltpolitik geht es jedoch nicht ohne Unterstützung. Deshalb ist und war man schon lange an engeren Beziehungen zu Kanada, aber auch zu den USA interessiert, um nicht einseitig abhängig von Dänemark zu sein.
Das wird für Grönland eine Möglichkeit sein, weiterzukommen und als modernes Land in der Welt mitzubestimmen.
Entscheidend ist die völkerrechtliche Absicherung, die im Vertrag formuliert ist. Das wird für Grönland eine Möglichkeit sein, weiterzukommen und als modernes Land in der Welt mitzubestimmen.
Also ist dieser Vertrag eine Art Win-Win-Win-Situation für alle Beteiligten?
Ich denke schon. Eine stabile Lösung für den Nordatlantik kann für die USA ein Sieg sein, gerade für Präsident Trump. Auch für Dänemark, das hier als Schutzmacht für Grönland eine aussenpolitische Krise erlebte, ist es ein Riesengewinn, wenn der alte Alliierte Amerika nicht plötzlich als Feind gesehen wird, der alles infrage stellt. Aber die grössten Siegerinnen und Sieger könnten die Grönländerinnen und Grönländer selbst sein. Denn es ist ihre Gesellschaft, ihre Natur, ihr Land, das sie seit Jahrtausenden bewohnen. Wenn es gelingt, dass sie das auch weiterhin machen können, ist das natürlich ein enormer Erfolg.
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