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Sunday, September 27, 2026

Neue SRF Krimiserie «Blind» – Wie Sven Schelker das Nicht-Sehen lernte

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Bahnhof Bern, vormittags um viertel vor zehn. In der Unterführung herrscht Rushhour: Pendlerströme hasten vorbei, der Lärmpegel ist hoch. Mittendrin: zwei Personen, die die Geräuschkulisse auf sich wirken lassen. Es ist der Schauspieler Sven Schelker – mit einem Blindenstock in der Hand und einer sogenannten Dunkelbrille vor den Augen – und Daniela Moser, die ihn führt.

Der Wunsch nach Authentizität

Für die neue SRF-Krimiserie «Blind» war der Basler Schauspieler Sven Schelker nur zweite Wahl. Denn für die Besetzung der Hauptrolle des blinden Barkeepers Nathaniel setzten die Zürcher Produktionsfirma Zodiac Pictures und der Schweizerische Blinden- und Sehbehindertenverband sbv alle Hebel in Bewegung, um einen professionellen, blinden Schauspieler zu finden. Jedoch erfolglos.

Wer ist Sven Schelker?

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Person im Smoking mit rotem Einstecktuch in einem formellen Umfeld.
Legende: KEYSTONE/Andreas Becker

Sven Schelker ist ein Schweizer Schauspieler aus Basel. Nebst Engagements am Thalia Theater in Hamburg und am Theater Basel feierte er Erfolge mit dem Biopic «Bruno Manser – Die Stimme des Regenwaldes» (2019) und wurde zweifach mit dem Schweizer Filmpreis (als bester Hauptdarsteller für Der Kreis sowie 2026 für Stiller) und mit dem Prix Walo ausgezeichnet.

So einigte man sich auf einen sehenden Schauspieler, der jedoch für eine möglichst authentische Darstellung professionelle Betreuung erhalten sollte.

Mir war die Selbsterfahrung sehr wichtig. Dass er selbst spürt, hört, riecht, erfährt, wie es ist, wenn man nichts sieht.

So arbeitete Daniela Moser, von der Abteilung Interessenvertretung beim Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverband (sbv), zusammen mit der Produktionsfirma und der Regie, einen Plan aus: Was musste Sven Schelker für seine Rolle können – und das, ohne dass man merkt, dass er sieht?

Mit Dunkelbrille und Blindenstock durch Bern

An einem einzigen Coachingtag liess Moser ihren Schützling unter erwähnter Dunkelbrille – also blind – den Einsatz des Blindenstocks oder eine Strassenüberquerung (natürlich in ihrer Begleitung) üben. «Mir war die Selbsterfahrung sehr wichtig. Dass er selbst spürt, hört, riecht, erfährt, wie es ist, wenn man nichts sieht», erzählt sie.

Darum geht es in der neuen SRF-Krimiserie «Blind»

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Drei Personen stehen nebeneinander vor einem dunklen Hintergrund.
Legende: Die Hauptrollen übernehmen bekannte Schweizer Schauspielerinnen und Schauspieler: Sven Schelker spielt Nathaniel, Lia von Blarer verkörpert Journalistin Milla, und Nicola Perot ist als Kriminalpolizist Sandro zu sehen. SRF

Als der blinde Nathaniel Brenner mitten in der Nacht blutverschmiert auf einer Polizeistation erscheint und von einer Entführung aus seiner Bar berichtet, beginnt ein Fall, in dem nichts ist, wie es scheint. Während die Ermittlungen immer düsterere Abgründe offenbaren und schliesslich sogar Nathaniel selbst unter Verdacht gerät, setzt seine Freundin, die Journalistin Milla Nova, alles daran, die Wahrheit ans Licht zu bringen. Die Serie basiert auf dem erfolgreichen Krimi der Schweizer Autorin Christine Brand.

Um die Perspektive blinder und sehbehinderter Menschen authentisch einzubeziehen, arbeitete die Produktion bei den Dreharbeiten eng mit dem Schweizerischen Blinden- und Sehbehindertenverband SBV zusammen. So wird auch diese Serie mit Untertiteln und Audiodeskription ausgestrahlt.

Sie wies ihn auf das Bodenleitsystem und Geräusche hin, die ihm wichtige Informationen über die Umgebung verrieten. Es war «eine Annäherung» ans Leben als nicht sehende Person, wie Schelker es beschreibt. «Ich konnte mein Gehör viel intensiver wahrnehmen und viel weniger ausblenden», sagt er.

Auf einmal wird etwas Alltägliches zur grossen Herausforderung.

Ein für seine Rolle als Barkeeper essenzieller Part des Coachings bestand darin, zu lernen, wie man als blinde oder sehbehinderte Person Flüssigkeiten einschenkt oder Drinks mixt. Hierzu zeigte Moser in der Büroküche des sbv in Bern einige Kniffe – für sie etwas Alltägliches, für ihn eine grosse Herausforderung.

Die Kunst, visuelle Reize auszublenden

Für Schelker bestand eine weitere Herausforderung im Transfer des Gelernten vor der Kamera. Während er am Coachingtag tatsächlich nicht sah, musste er am Set vortäuschen, dass er nicht sähe.

Daniela war eine unglaubliche Hilfe, wahnsinnig offen und grosszügig mit Einblicken in ihr Leben.

Es habe viel Übung erfordert, so Schelker: «Die Impulse zu unterdrücken, auf etwas zu reagieren, das ich sehe. Das brauchte ständige Aufmerksamkeit und Kontrolle.»

Filmteam mit Kamera in einer Werkstatt, eine Person mit Blindenstock schaut nach oben auf der rechten Seite.
Legende: Den Blindenstock immer dabei: Schelker behind the scenes von «Blind». SRF

Beide blicken zufrieden auf diesen Tag voller Gespräche, praktischer Übungen und eindrücklicher Momente zurück. «Daniela war eine unglaubliche Hilfe. Wahnsinnig offen und grosszügig mit Einblicken in ihr Leben», sagt Schelker. Durch die Figur des Nathaniel sei ihm zudem klar geworden, wie viel als nicht sehende Person möglich sei.

Selbstbestimmung im Fokus

Auch Daniela Moser ist es ein grosses Anliegen, zu betonen, dass auch mit einer Sehbehinderung ein selbstbestimmtes Leben möglich ist und viele Hürden mit den richtigen Techniken erfolgreich gemeistert werden können.

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