Fast so hoch wie Berlins Fernsehturm: Windkraftanlage erreicht Weltrekordhöhe
Das weltweit höchste Windrad hat am Montag mit 365 Metern seine endgültige Höhe erreicht. Das hat das Betreiberunternehmen Gicon jetzt publik gemacht: „Mit einer Nabenhöhe von 300 Metern ist die Anlage die höchste Windenergieanlage der Welt und zugleich das zweithöchste Bauwerk Deutschlands.“ Höher ist nur noch der Berliner Fernsehturm, aber lediglich um drei Meter. Kurz vor dem Weltrekord mussten die Bauarbeiten wegen starker Windböen noch einmal ausgesetzt werden, das Erreichen der Endhöhe hat sich deshalb um ungefähr eine Woche verzögert. In den kommenden Tagen und Wochen sind jetzt noch abschließende Arbeiten notwendig, die offizielle Inbetriebnahme soll im November erfolgen.
Lange Pause im Winter
Der Bau der riesigen Windkraftanlage hat vor über einem Jahr begonnen, im Winter wurde er pausiert – auch weil ein Subunternehmen Stahlbauteile geliefert haben soll, die nicht der erforderlichen Qualität entsprochen haben. Im März ging es dann weiter. Um die Turbinengondel auf 300 Meter Höhe zu bringen, wurde sie zunächst auf einer Höhe von 150 Metern montiert. Anschließend fuhr ein Litzenhubsystem den teleskopartigen Innenturm samt Gondel auf die Endhöhe aus. Für diese Montage waren spezielle „höhenfeste“ Montagearbeiter nötig, die aus der Türkei engagiert wurden, weil es solche laut Gicon in Deutschland nicht gibt.
Gicon errichtet die Pilotanlage im Auftrag der Bundesagentur für Sprunginnovationen (Sprind). Sie soll mit einer Nennleistung von 3,8 Megawatt ans Netz gehen, künftige Anlagen sollen mehr als 7 Megawatt leisten. Mit der riesigen Windkraftanlage will Gicon die Gewinnung erneuerbarer Energie auf einer dritten Ebene etablieren. Während am Boden Photovoltaik-Anlagen Solarstrom produzieren und sich herkömmliche Windräder in niedrigen Höhen drehen, soll damit jetzt der deutlich stetigere Wind in größeren Höhen nutzbar werden. Nach der Fertigstellung könnten deutschlandweit bis zu 4000 weitere folgen, meint Gicon. Dafür müssten demnach nicht einmal neue Flächen erschlossen werden, weil man die riesigen Windräder zwischen bestehende Anlagen platzieren könne. Das sei möglich, weil sie den niedrigeren Anlagen dank ihrer Höhe nicht den Wind wegnähmen. Weil der Wind in der Höhe zudem viel gleichmäßiger weht, soll die Anlage bei gleichem Rotordurchmesser einen etwa doppelt so hohen Energieertrag erzielen wie eine herkömmliche.
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