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Saturday, October 17, 2026

Künstliche Intelligenz - Die EU will vor allem in der Wirtschaft zu den USA und China aufschließen

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Stepptänzer wirbeln über eine kreisförmige Bühne in der Mitte einer dunklen Halle. Das Publikum aus politischen Entscheidungsträgern und Tech-Managern schaut gebannt zu. Der Internationale KI-Gipfel in Dublin in dieser Woche wollte mehr sein als nur eine weitere Bürokratenkonferenz - er sollte ein spektakuläres Signal senden: Europa ist bereit für seine KI-Revolution.

Unter den mehr als 1500 erwarteten Gästen waren unter anderem der Mitgründer und Vorstandsvorsitzende von Google DeepMind, Demis Hassabis, sowie Microsoft-Präsident Brad Smith. Hinzu kamen hochrangige Vertreter der Europäischen Union und der irischen Regierung. Die Veranstaltung war ein zentraler Bestandteil der irischen EU-Ratspräsidentschaft.

Allerdings provozierte das Fehlen kritischer Stimmen, die den vorherrschenden KI-Enthusiasmus hätten ausgleichen können, Vorwürfe. Die Konferenz betreibe einseitige Werbung für die Technologiebranche. Der Gipfel sei "fast wie eine politische Werbesendung für KI" gewesen, sagte Barry O'Sullivan, Professor für Künstliche Intelligenz am University College Cork, der DW.

Micheál Martin & Niamh Smyth im Interview
Irlands Ministerpräsident Micheál Martin und die Staatsministerin für KI, Niamh Smyth haben besondere Interessen für ihr LandBild: Cillian Sherlock/PA/AP Photo/picture alliance

KI soll Europas Wettbewerbsfähigkeit stärken

Das übergreifende Thema war die Frage, wie KI dazu genutzt werden kann, Europas schwächelnde Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen, Innovationen zu fördern und zu den USA sowie China aufzuschließen.

In Diskussionsrunden mit zahlreichen Führungskräften wurden die potenziellen Vorteile deutlich herausgestellt: die frühzeitige Erkennung von Krebs, bessere Warnungen vor Extremwetterereignissen und die Optimierung der Stromverteilung zur Energieeinsparung. Damit diese Versprechen jedoch zu verlässlichen Dienstleistungen werden, sind weiterhin umfangreiche Tests und Validierungen erforderlich.

Irland hat ein großes Eigeninteresse an diesen Themen. Das Land beherbergt die europäischen Niederlassungen mehrerer der weltweit größten Technologieunternehmen und ist stark von den Steuerzahlungen dieser Konzerne abhängig. Im Jahr 2025 zahlten ausländische multinationale Unternehmen 28,8 Milliarden Euro Körperschaftsteuer und trugen damit 87 Prozent der gesamten irischen Einnahmen bei.

Google-Logo an einem Gebäude
Google hat seinen Europa-Hauptsitz in DublinBild: Artur Widak/NurPhoto/picture alliance

Daraus ergibt sich für Dublin ein klares Interesse daran, europäische Regeln mitzugestalten und gleichzeitig Investoren nicht abzuschrecken. Europas finanzielle Schlagkraft bleibt jedoch deutlich hinter der der USA zurück: Laut dem AI Index der Stanford University beliefen sich die privaten KI-Investitionen in den USA im Jahr 2025 auf 286 Milliarden US-Dollar (rund 253 Milliarden Euro), verglichen mit lediglich 21 Milliarden US-Dollar (18,6 Milliarden Euro) in Europa.

Doch muss Europa überhaupt zu denselben Bedingungen konkurrieren? O'Sullivan ist der Ansicht, Europa sollte auf seine eigenen Stärken setzen, darunter Industrierobotik und spezialisierte Anwendungen: "Wir haben in Europa eine ganz besondere KI-Chance, und genau darauf sollten wir setzen."

Die Nutzung ausländischer KI-Modelle könnte europäischen Unternehmen helfen, schneller voranzukommen. Sie macht sie jedoch auch abhängig von Anbietern außerhalb Europas, die Preise ändern, den Zugang einschränken oder selbst entscheiden können, welche Funktionen verfügbar gemacht werden.

Michael McGrath beim Interview
Michael McGrath, der irische EU-Kommissar für Demokratie, Justiz, Rechtsstaatlichkeit und Verbraucherschutz verteidigt die EU-MaßnahmenBild: Tessa Walther/DW

EU-Regeln unter Druck

Die EU-Vertreter auf dem Gipfel betonten rasch, dass inzwischen Regelwerke geschaffen worden seien, um die Vorteile von KI zu nutzen und gleichzeitig ihre Risiken zu begrenzen. Michael McGrath, der irische EU-Kommissar für Demokratie, Justiz, Rechtsstaatlichkeit und Verbraucherschutz, sprach von einem Gleichgewicht zwischen dem Potenzial der KI und den "angemessenen Leitplanken", die erforderlich seien, um Vertrauen zu schaffen.

Das KI-Gesetz der EU (AI Act) verbietet bestimmte Praktiken und stellt strengere Anforderungen an besonders sensible Anwendungsbereiche. Die seit Juli 2026 geltenden Omnibus-Änderungen sollen die Einhaltung der Vorschriften vereinfachen, haben jedoch auch einige Schutzmaßnahmen verzögert. Regeln für Bereiche wie Beschäftigung und Bildung gelten nun ab Dezember 2027, während Vorschriften für KI in regulierten Produkten ab August 2028 Anwendung finden.

Die Europäische Kommission argumentiert, Unternehmen bräuchten Zeit, um sich an neue Standards und Leitlinien anzupassen. Kritiker hingegen sind der Ansicht, dass Schutzmaßnahmen unter dem Druck des internationalen Wettbewerbs aufgeschoben würden.

Für O'Sullivan stehen Regulierung und Innovation nicht im Widerspruch zueinander. "Die Vorstellung, man könne nicht gleichzeitig Regulierung und Innovation haben, ist schlicht Unsinn", sagte er und verwies auf die Pharmaindustrie und Medizintechnik.

Demonstrationen vor dem Veranstaltungsort

Für die Demonstrierenden vor dem Tagungsort klingen die Zusicherungen von Politikern und Technologieunternehmen wenig überzeugend. Paul Murphy, irischer Abgeordneter der sozialistischen Partei People Before Profit, argumentiert, dass die europäischen Vorschriften zwar strenger seien als jene in den USA, die Messlatte insgesamt aber weiterhin niedrig liege. In den jüngsten Änderungen sieht er einen Schritt in Richtung Deregulierung. "Die großen Tech-Konzerne geben das Tempo vor, und von allen anderen wird erwartet, einfach mitzumachen", sagte er der DW.

Paul Murphy mit Protestplakat
Der irische Politiker Paul Murphy mahnt zur Vorsicht beim Einsatz von KIBild: Tessa Walther/DW

Stattdessen fordert er eine gesellschaftliche Debatte unter Beteiligung von Zivilgesellschaft, Gewerkschaften und Politik darüber, wie sich die Technologie entwickeln soll und wie begrenzte Ressourcen wie Wasser und Strom eingesetzt werden sollten.

Fionnuala Ní Bhrógáin, Gewerkschaftsvertreterin und eine der wenigen kritischen Stimmen auf der Konferenzbühne, stellte die Frage, wem höhere Produktivität letztlich zugutekomme. Optimierung könne, so sagte sie, den Druck auf Beschäftigte erhöhen.

Auch Murphy befürchtet einen steigenden Druck, schneller zu arbeiten, bei geringerer Autonomie und stärkerer Überwachung. Ob die durch KI eingesparte Zeit bei E-Mails tatsächlich zum Nachdenken genutzt werden könne oder lediglich zu noch mehr Aufgaben führe, hänge von den Entscheidungen der Arbeitgeber und der Verhandlungsmacht der Beschäftigten ab.

O'Sullivan dagegen vertritt die Ansicht, dass KI, indem sie monotone Aufgaben übernehme, den Beschäftigten "mehr Zeit zum Nachdenken und für Kreativität in ihrer Arbeit" verschaffe.

Hohe Umweltkosten

In Irland ist die Frage nach Ressourcen besonders brisant. Im Jahr 2025 verbrauchten Rechenzentren 23 Prozent des gemessenen Stroms des Landes. Dazu gehören Cloud-Dienste und andere digitale Angebote, nicht nur KI-Anwendungen. Murphy argumentiert, dass ihr weiterer Ausbau die Stromkosten für Haushalte erhöhe und die Klimaziele gefährde.

Erneuerbare Energien könnten helfen, die steigende Nachfrage zu decken. Allerdings müsse zusätzliche saubere Energie gleichzeitig fossile Brennstoffe ersetzen, während auch Wohnungsbau und andere Industrien Netzkapazitäten benötigten. "Die Nachhaltigkeit von KI ist ein enormes Problem", stimmte O'Sullivan zu und forderte die Branche auf, ihren gesamten Energieverbrauch zu senken.

Mann auf einem bunten Fahrrad, davor ein großer Bildschirm mit einer Straßenansicht
Praxistest auf dem Gipfel - ein Delegierter auf einem Google-Fahrrad mit Gemini-KIBild: Paul Faith/AFP

Die Zukunft der KI

Vertreter der Branche räumten ein, dass klare Grenzen notwendig seien. Der leitende Wissenschaftler von Alphabet, Hassabis, bezeichnete die jüngsten KI-Hacking-Vorfälle als "erste Warnschüsse" und sprach sich für internationale Aufsicht aus. Microsoft-Präsident Smith erklärte: "Wir brauchen Gesetze. Wir brauchen Regulierung."

Sowohl auf als auch neben der Bühne herrschte Einigkeit: Es habe sich gezeigt, wie schwierig es sein könne, zunehmend autonome Systeme unter Kontrolle zu halten. Die Zusicherungen der Entwickler allein können Sicherheit nicht garantieren. Aber auch Regulierung wird nicht jedes Risiko ausschließen können. Für O'Sullivan und Murphy bleibt sie dennoch unverzichtbar.

Europa möchte die Entwicklung der KI aktiv gestalten, ohne auf die versprochenen Vorteile zu verzichten. Dieser Balanceakt ist schwierig und erfordert Entscheidungen über Investitionen, Ressourcen und die Verteilung der Gewinne. Selbst eine spektakuläre Eröffnungsaufführung kann diese Fragen nicht wegtanzen.

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