So wird in der Beauty-Szene gepfuscht

Alexandra Lüönd über Schönheits-Eingriffe
So wird in der Beauty-Szene gepfuscht
Dubiose Anbieter, Tausende verpfuschte Lippen und eine Patientin, die einen Teil ihrer Nase verliert. Das habe ich in zehn Jahren in der Beauty-Branche erlebt.
Publiziert: vor 26 Minuten
- Eine Razzia in Winterthur deckte illegale Eingriffe auf
- Swissmedic fand 2024 bei 82 Kontrollen oft Laien am Werk
- Pfusch kann teuer enden; Bewilligungen im MedReg prüfen
Ende September bekam ich eine Interview-Anfrage von Tele Top. Sie wollten von mir als Expertin wissen, wie gefährlich illegale Beauty-Eingriffe sind.
In einem Nagelstudio in Winterthur ZH hatte die Polizei bei einer Razzia Botox-Präparate und Hyaluron-Produkte gefunden. Die Besitzerin steht unter Verdacht, medizinische Behandlungen ohne die nötigen Qualifikationen durchgeführt zu haben.
Ich war nicht überrascht.
Wir sind hier in der Schweiz. Hier gibt es Regeln und Kontrollen. Hier kann einem bei einem Beauty-Eingriff doch nichts passieren.
Von wegen!
Seit zehn Jahren bin ich in der Beauty-Branche. Und was ich in dieser Zeit gesehen und gehört habe, lässt einem die Haare zu Berg stehen.
Plötzlich ein fremder Arzt statt einer Ärztin
Eine Bekannte erzählte mir von einem schockierenden Fall aus einer Klinik in der Innerschweiz, in der sie früher als Praxisassistentin arbeitete.
Eine Teenagerin wollte sich dort aus medizinischen Gründen die Schamlippen verkleinern lassen. Sie entschied sich bewusst für den Eingriff bei einer Frau.
Am Tag der Operation wurde das Mädchen in den Behandlungsraum gebracht und hinter einen Vorhang gelegt. Die Allgemeinchirurgin, die nicht auf Operationen im Intimbereich spezialisiert war, verschwand. An ihrer Stelle operierte ein älterer, ausländischer Arzt ohne Schweizer Berufsbewilligung die 15-Jährige heimlich hinter dem Vorhang.
Man muss sich diesen Vertrauensbruch mal vorstellen!
Behandlung verpfuscht, Anbieter taucht unter
Solche Geschichten sind leider keine Einzelfälle. Immer fliegen bei Razzien illegale Beauty-Behandlungen auf.
Swissmedic kontrollierte im Jahr 2024 82 Kliniken, Arztpraxen und Kosmetikstudios. Bei mehr als der Hälfte fehlten die nötigen fachlichen Qualifikationen für Fillerbehandlungen. Fast alle unzulässigen Anwendungen fanden in Kosmetikstudios statt.
Eine junge Frau kam kurz vor ihrer Hochzeit völlig aufgelöst mit schiefen Lippen zu uns. Eine Kosmetikerin hatte ihre Lippe völlig verpfuscht und verschwand.
Das erleben Betroffene immer wieder. Wenn etwas schiefläuft, nimmt plötzlich niemand mehr das Telefon ab. Das Instagram-Profil verschwindet. Die Firma wird aus dem Handelsregister gelöscht. Die Patientin bleibt mit dem Schaden zurück.
Wie schlimm die Folgen eines verpfuschten Beauty-Eingriffs sein können, haben wir bei einer Patientin erlebt, deren Fall ich wohl niemals vergessen kann.
Bei einer Behandlung in der Türkei spritzte ihr der Arzt versehentlich ein Antiseptikum statt eines Lokalanästhetikums in die Nase. Das Gewebe starb ab. Die Frau verlor einen Teil ihrer Nase. Der Arzt tauchte unter und liess sie entstellt und völlig traumatisiert zurück.
Auch meine Beauty-OP im Ausland ging schief
Ich selbst liess mir in Istanbul die Brüste operieren. Die Ärztin sprach kein Englisch, die Kommunikation war schwierig und nach der Operation liess sie mich völlig im Stich.
Zurück in der Schweiz versuchte ich wochenlang, sie zu erreichen. Erst dauerte es Tage, bis sie antwortete. Irgendwann kam gar keine Antwort mehr. Meine Brüste heilten schlecht und ich musste den Eingriff in der Schweiz korrigieren lassen. Für ungefähr das Doppelte des ursprünglichen Preises.
Heute weiss ich, wie wichtig es ist, genau hinzuschauen, wem man seinen Körper anvertraut.
Wenn du einen Beauty-Eingriff machen lassen willst, schau nicht nur auf das hübsche Instagram-Profil und den Preis. Verlang den vollen Namen und schau im Medizinalberuferegister MedReg nach, ob die Person die nötige Ausbildung und Bewilligung hat.
Denn ein günstiger Preis bringt dir nichts, wenn du am Ende mit dem Schaden zurückbleibst.
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