«Eklig, aber irgendwie schön»: Darum wuchert es in der Limmat

- In der Limmat wuchern derzeit ungewöhnlich viele Wasserpflanzen, vor allem zwischen der Rudolf-Brun-Brücke und dem Hauptbahnhof.
- Laut dem kantonalen Amt Awel sind die Pflanzen ungefährlich und verbessern sogar die Gewässerqualität.
- Wegen geringer Niederschläge und niedriger Wasserstände hatten die Pflanzen dieses Jahr besonders gute Wachstumsbedingungen.
Vielen Touristen und Anwohnern fällt derzeit das viele Grün in der Limmat auf. Vor allem zwischen der Rudolf-Brun-Brücke und dem Hauptbahnhof reichen die Pflanzen teilweise bis an die Wasseroberfläche.
Die wuchernden Pflanzen lösen bei einer Zürcherin gemischte Gefühle aus: «Ich finde es eklig und gleichzeitig irgendwie mystisch schön», sagt sie. «Insbesondere, wenn das Licht in die Unterwasserwelt scheint.» Sie sorgt sich allerdings um die Wasserqualität: «Müssen sich Schwimmerinnen und Schwimmer Sorgen machen?», fragt sie.
«Die Pflanzen gehören zum Ökosystem»
Das kantonale Amt für Wasser, Energie und Luft (Awel) kann beruhigen: «Von Wasserpflanzen geht keine Gefahr für Schwimmerinnen und Schwimmer aus, sie werden jedoch von vielen als unangenehm empfunden. Auf die Gewässerqualität wirken sie sich positiv aus», sagt Mediensprecherin Myriam Hunn. «Wasserpflanzen gehören zum Ökosystem, sind ein Bestandteil der aquatischen Nahrungskette und bilden wichtige Strukturen für Jungfische und Insektenlarven.»
Bei den Pflanzen handelt es sich um verschiedene, meist einheimische Arten. «Die häufigste Art in der Limmat ist der flutende Hahnenfuss, der im Frühsommer weisse Blüten auf der Wasseroberfläche bildet», erklärt Hunn. Die Pflanzen würden seit vielen Jahrzehnten in der Limmat wachsen. Dieses Jahr fielen sie aber mehr auf, da sie gute Wachstumsbedingungen hatten.
Niedrige Abflussmenge begünstigte Wachstum
«Die geringen Niederschlagsmengen vermindern die Wassertiefe im Gewässer und verbessern die Lichtverhältnisse, was das Wachstum der Pflanzen antreiben kann», führt Hunn aus. Zudem erreichten die Pflanzen wegen der geringen Wassertiefe schneller die Wasseroberfläche, wo sie erst für die meisten Menschen sichtbar würden.
Bei hohem Abfluss werde das Material teilweise abgerissen, wodurch die Bestände reduziert werden. «Da der Abfluss gering ist, war das dieses Jahr nicht der Fall.» Im Winter aber würden die Pflanzen grösstenteils verschwinden, weil das Pflanzenmaterial altere und bei höherer Strömung abgerissen werde. «Im nächsten Frühjahr werden die Wasserpflanzen wieder austreiben und die Limmat bereichern.»
Daniel Krähenbühl (dk) arbeitet seit 2017 für 20 Minuten. Er leitet das Regionennetzwerk mit Fokus auf Stadtpolitik, Kriminalität, Gesellschaft und Recherche.
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