Nachfolge von Guy Parmelin – Bundesratswahl: Kommt es zum Duell Genf vs. St.Gallen?

Nachfolge von Guy Parmelin Bundesratswahl: Kommt es zum Duell Genf vs. St.Gallen?
Falls die als Kronfavoritin geltende Esther Friedli kandidieren und gewählt werden sollte, würde die Westschweiz ihren zweiten Bundesratssitz verlieren.
09.10.2026, 05:39
Hat die Westschweiz bald nur noch einen Sitz in der Landesregierung? Und könnte die Ostschweiz bald doppelt vertreten sein im Bundesrat? Bei der anstehenden Bundesratsersatzwahl ist ein Duell der Genferin Céline Amaudruz gegen die St. Gallerin Esther Friedli denkbar – falls die beiden denn kandidieren wollen.
In St. Gallen wurde am Donnerstag die Olma eröffnet. Die St. Galler SVP-Ständerätin Esther Friedli betreibt an der Ostschweizer Landwirtschaftsmesse zusammen mit ihrem Mann Toni Brunner eine Beiz.
Ob Friedli kandidieren wird, dazu wollte sie nichts sagen. «Heute äussere ich mich nicht zu dieser Frage», sagt Friedli, «heute steht die Eröffnung der Olma im Vordergrund, und ich freue mich auf elf schöne Olma-Tage».
Zwei Bundesrätinnen aus St. Gallen?
Etwas gesprächiger ist der Präsident der kantonalen SVP, Nationalrat Walter Gartmann. Offenbar ist eine Kandidatur von Esther Friedli durchaus ein Thema. «Esther Friedli ist mit mir und der Kantonalpartei im Gespräch», sagt Gartmann. «Wir lassen ihr aber auch die Zeit. Am 21. Oktober nominieren wir.»
Allerdings wären mit Esther Friedli und der FDP-Bundesrätin Karin Keller-Sutter der Kanton St. Gallen gleich doppelt in der Landesregierung vertreten.
Das könnte laut Politologie-Professor Adrian Vatter von der Universität Bern ein gewisses Risiko für Friedli sein. «Bisher hatten nur die beiden grossen Kantone Bern und Zürich eine Doppelvertretung im Bundesrat. Von einem mittelgrossen Kanton hatten wir das bisher noch nie», so Vatter.
«Anspruch» der Romandie auf zwei Sitze im Bundesrat
Sollte Esther Friedli kandidieren und trotz St. Galler Doppelvertretung gewählt werden, würde die Genferin Céline Amaudruz leer ausgehen. Die Vizepräsidentin der SVP Schweiz und Direktorin bei einem privaten Vermögensverwalter gilt in der Westschweiz als chancenreichste SVP-Vertreterin für den Bundesrat.
Doch für die Westschweiz geht es um mehr: Seit 1970 war die Romandie immer mit zwei Mitgliedern in der Landesregierung vertreten. So müsse es bleiben, fordert der Koordinator der Westschweizer SVP, Kevin Grangier: «Laut Bundesverfassung braucht es eine angemessene regionale Vertretung im Bundesrat. Die Westschweiz repräsentiert 25 Prozent der Schweiz und zwei Bundesratssitze sind auch 25 Prozent», rechnet Grangier vor.
Würde eine Kandidatur aus der Romandie für Esther Friedli zum grösseren Problem als die St. Galler Doppelvertretung im Bundesrat? «Auf jeden Fall ist die Sprachenfrage wichtiger als die Zugehörigkeit zu einem Kanton», meint dazu Politologe Adrian Vatter. «Die Mobilität hat zugenommen, auch die Identifikation mit dem einzelnen Kanton hat eher abgenommen.»
Westschweiz gegen Ostschweiz – das mögliche Duell sorgt schon jetzt für viel Zündstoff.
Kurzeinschätzung von Andy Müller, SRF-Bundeshausredaktor
Viele Deutschschweizer Parlamentsmitglieder im Bundeshaus sind der Ansicht, dass sich das Problem der Westschweiz-Vertretung auch beim Rücktritt des Tessiner Bundesrates Ignazio Cassis lösen liesse. Denn man rechnet damit, dass Cassis nach seinem Präsidialjahr 2027 zurücktreten und man ihn durch eine Westschweizerin oder einen Westschweizer ersetzen kann.
Das ist ein Szenario, das Cassis' FDP allerdings nicht ganz passt. Wohl nicht ganz uneigennützig hat die FDP bereits letzte Woche die SVP dazu aufgefordert, auch Kandidaturen aus der Westschweiz auf das SVP-Bundesratsticket zu setzen. Denn sollte für Guy Parmelin jemand aus der Deutschschweiz nachrücken, müssten die Freisinnigen fast zwingend auf eine westschweizerische Nachfolge von Ignazio Cassis setzen. Das könnte die Suche nach geeigneten Kandidierenden stark einengen.
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