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Friday, November 6, 2026

Iran: Leben in Ungewissheit

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"Eine permanente Angst liegt in der Luft. Bei jedem lauten Geräusch zucke ich zusammen", berichtet eine 37-jährige Mutter aus der iranischen Hauptstadt Teheran. "Selbst wenn eine Tür laut zuschlägt, erschrecke ich und fürchte, dass Bomben fallen."

Ihre Kinder gehen weiterhin zur Schule, sagt die Frau, die anonym bleiben möchte. "Ich arbeite nicht. Aber die Kinder aus Angst zu Hause zu behalten, ist auch keine Lösung. Sie würden in unserer kleinen Wohnung verrückt werden." Die Mutter berichtet zudem, dass Eltern aus ihrem Umfeld, deren Kinder Privatschulen besuchen, Informationen von den Schulen erhalten hätten. Darin werde erläutert, wie sie sich im Falle einer Notsituation verhalten sollen.

Zwischen Beruhigung und Kriegswarnungen

Die Schulen im ganzen Iran bleiben trotz Sicherheitsrisiken weiter geöffnet. Zahlreiche Eltern haben aber den Notfallplan einzelner Schulen in den sozialen Medien veröffentlicht. Die Stimmung unter den Eltern ist angespannt. Die Bevölkerung im Iran ist jung. Das durchschnittliche Alter liegt bei circa 35 Jahren.

Iran Teheran 2026 | Passanten auf der Straße der Islamischen Revolution
Viele Menschen im Iran haben große Angst vor neuen US-AngriffenBild: Vahid Salemi/AP Photo/picture alliance

Das Bildungsministerium bemüht sich, junge Familien zu beruhigen. Sie sollten sich nicht durch Informationen im Internet verunsichern lassen, erklärte Ali Farhadi vom Bildungsministerium: "Man sollte Gerüchten, die Angst verbreiten und die Schulen zur Schließung zwingen sollen, keine Beachtung schenken."

Über die Öffnung oder Schließung der Schulen entscheide das Ministerium in Abstimmung mit den Sicherheitsbehörden, so der Sprecher weiter. Sollte sich die Sicherheitslage ändern, werde die Regelung entsprechend neu bewertet.

Gleichzeitig verbreiten selbst staatliche Medien im Iran Szenarien eines möglichen Atomangriffs und informieren über Schutzmaßnahmen. Anfang der Woche sendete das staatliche Fernsehen IRIB einen Beitrag, der die Bevölkerung ausführlich auf einen möglichen Atomangriff durch feindliche Kräfte vorbereitete. Dabei wurde zum Beispiel empfohlen, sich im Ernstfall mindestens 24 Stunden lang in einem Schutzraum aufzuhalten.

Droht eine neue Eskalation?

Seit Ende Oktober kursieren Gerüchte über einen möglichen US-amerikanischen Angriff auf den iranischen Atombunker "Pickaxe Mountain" in der zentraliranischen Provinz Isfahan. Die Anlage liegt etwa 200 Kilometer südlich von Teheran und in der Nähe der Atomanlage Natans. Die iranische Regierung bestreitet, dass dort Arbeiten im Zusammenhang mit dem Atomprogramm stattfinden.

Nach den US-Zwischenwahlen am Dienstag (3.11.26) fürchten viele Menschen die Wiederaufnahme der US-Luftangriffe. In den US-Medien, zum Beispiel auf dem Nachrichtenportal Axios, wurde bereits berichtet, dass sich das US-Militär die letzten Vorbereitungen treffe.

"Es ist nach wie vor schwierig, konkrete Einschätzungen darüber zu treffen, welche Auswirkungen die Ergebnisse der US-Zwischenwahlen auf den Krieg mit dem Iran haben könnten. Mehrere Faktoren spielen eine Rolle, die die weitere Dynamik beeinflussen können", schreibt Hamidreza Azizi, Iran-Experte der Washingtoner Denkfabrik International Crisis Group, auf Nachfrage der DW.

Klar sei jedoch, dass die iranische Führung das Wahlergebnis als Sieg und Bestätigung ihres bisherigen Kurses gegenüber den USA sehe. Teheran glaube, sein Widerstand gegen die Forderungen aus Washington habe zu einer persönlichen Wahlniederlage von Präsident Donald Trump selbst und seiner Republikanischen Partei beigetragen. Einige in Teheran interpretieren das Ergebnis bereits als die "Rache" für die Ermordung hochrangiger iranischer Führungspersönlichkeiten durch die USA und Israel.

Wahlschlappe verhärtet die Fronten

Wahlforscher in den USA führen die herben Verluste der Republikanischen Partei unter anderem auf den Iran-Krieg zurück. In der Partei selbst herrscht offenbar auch Einigkeit darüber. US-Vizepräsident JD Vance schrieb auf X: "Der Grund für unsere Niederlage ist der Krieg. Das hat der Präsident gestern Abend selbst gesagt." US-Präsident Trump verteidigte jedoch seine Entscheidung für den Krieg gegen den Iran: "Wenn ich es noch einmal tun müsste, würde ich es wieder tun."

US-Midterms: Warum Donald Trump an Rückhalt verliert

Vor diesem Hintergrund sei zu erwarten, dass der Iran bei seinen zentralen Forderungen noch kompromissloser auftreten werde, so Azizi weiter. Die Lage könnte sich verschärfen, insbesondere wenn Trump, wie einige Beobachter vermuten, das Bedürfnis verspüre, sich für die Wahlniederlage zu revanchieren, um eine innenpolitische Niederlage durch einen möglichen außenpolitischen Erfolg auszugleichen.

Er hat noch mindestens zwei Monate Zeit, bis der zum großen Teil neu gewählte US-Kongress die Arbeit aufnimmt. In beiden Kammern, dem Senat und dem Repräsentantenhaus, hat Trumps Republikanische Partei keine Mehrheit mehr.

Unklarheit über den Sachstand der Verhandlungen

Derzeit bemüht sich der Golfstaat Katar, Teheran und Washington zu einem neuen Abkommen zu bewegen. Dieses soll eine weitere Eskalation verhindern und den Weg für direkte Gespräche ebnen.

Selbst gut informierte Journalisten im Iran wissen jedoch kaum, worüber derzeit hinter den Kulissen verhandelt wird. Hadi Mohammadi, der im Iran auf Nahost- und Sicherheitsthemen spezialisiert ist, schrieb Ende Oktober auf X: "Die inländischen Medien sind über die für ihren Alltag relevanten Verhandlungen völlig im Unklaren und müssen abwarten, was internationale Medien wie Axios, Al Arabiya und Al Jazeera berichten. Vor diesem Hintergrund sind die Darstellung eigener Narrative und die Öffentlichkeitsarbeit der Regierung sinnlos."

Nicht alle Menschen möchten die belastenden Nachrichten weiterhin verfolgen. Eine 72-jährige Rentnerin aus dem Westen Irans berichtet, sie meide inzwischen bewusst die Nachrichten. "Ich habe kaum noch Kraft, über die Lage nachzudenken. Ich bin nur froh, dass meine drei Kinder im Ausland leben."

Gefangen auf See

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