Monarchisten gewinnen Parlamentswahl in Marokko
Bei der Parlamentswahl in Marokko hat die monarchistische Partei für Authentizität und Modernität (PAM) nach vorläufigen Ergebnissen die meisten Sitze gewonnen. Sie sicherte sich demnach 97 von 395 Mandaten, gefolgt von den Mitte-Rechts-Parteien RNI und Istiqlal mit 66 beziehungsweise 65 Sitzen. Weil keine Partei die absolute Mehrheit erlangte, beginnen in dem Maghrebstaat nun Koalitionsverhandlungen.
Den Islamisten, die bei der Wahl 2021 eine krachende Niederlage erlitten hatten, gelang ein aufsehenerregendes Comeback. Die moderate islamistische Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung (PJD), die zuvor 90 Prozent ihrer Mandate verloren hatte, gewann nach jetzigem Stand 54 Sitze. Nach den Aufständen des sogenannten Arabischen Frühlings war die PJD von 2011 an in der Region ein Jahrzehnt lang an der Macht.
Nur jeder Fünfte geht zur Wahl
Die Wahlbeteiligung war nach offiziellen Angaben mit nur 38 Prozent so niedrig wie seit fast 20 Jahren nicht mehr. Berücksichtigt man neben den 15,8 Millionen Wahlberechtigten, die sich vorab registrieren ließen, auch alle übrigen Wahlberechtigten im Land - zusammengerechnet 26,7 Millionen Menschen -, dann liegt die Beteiligung sogar nur bei 22 Prozent.

Vor allem Jugendliche und junge Erwachsene in Marokko gelten als politikverdrossen, das Misstrauen in Parteien und öffentliche Institutionen ist groß. Viele 15- bis 24-Jährige finden keine Arbeit. Und gerade junge Menschen denken laut Umfragen darüber nach, das Land zu verlassen. Erst im Juli waren Zehntausende marokkanische Migranten in die angrenzende spanische Exklave Ceuta gekommen - in der Hoffnung auf ein besseres Leben in der EU.
Fußball-WM verschlingt große Summen
Marokko richtet 2030 zusammen mit Spanien und Portugal die Fußball-Weltmeisterschaft aus. Das nordafrikanische Land treibt deshalb den Bau von Stadien, Flughäfen und anderer Infrastruktur voran. Vor einem Jahr demonstrierten Tausende überwiegend junge Menschen gegen die öffentlichen Ausgaben und beklagten dabei, überfällige Verbesserungen etwa bei Bildung und Gesundheit würden aufgeschoben. Im Zuge der Proteste wurden Hunderte Menschen festgenommen. Vereinzelt gab es Tote.

In der Rangliste der Pressefreiheit von Reporter ohne Grenzen liegt Marokko auf Platz 105 von 180; das entspricht einer "schwierigen Lage". Das Land ist eine konstitutionelle Monarchie. Nach der Wahl kann die stärkste Partei den Premierminister bestimmen. Dieser muss nach der Ernennung durch König Mohammed VI. eine Regierung bilden, die ein fünfjähriges Mandat erhält. Insbesondere bei der Außenpolitik und beim Militär hat der Monarch zentrale Machtbefugnisse inne.
Der Küstenstaat mit rund 38 Millionen Einwohnern grenzt sowohl an den Atlantik wie auch an das Mittelmeer. Für Konflikte mit dem Nachbarn Algerien sorgt Marokkos Anspruch auf die Westsahara. Während die dortige Ex-Kolonialmacht Spanien tendenziell hinter Marokko steht, unterstützt Algerien die Unabhängigkeitsbewegung Frente Polisario, die einen Teil dieses umstrittenen Gebiets kontrolliert.
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