Zehn-Punkte-Plan beschlossen: Schwarz-Rot geht gegen Sozialmissbrauchsbanden vor

Zehn-Punkte-Plan beschlossenSchwarz-Rot geht gegen Sozialmissbrauchsbanden vor
23.09.2026, 14:58 Uhr

Das Kabinett will beim Kampf gegen Sozialmissbrauch Ernst machen: Ein nun beschlossener Aktionsplan stellt mehrere Maßnahmen zusammen, um dem organisierten Abgreifen von Leistungen einen Riegel vorzuschieben. Auch die in vielen NRW-Städten notorischen Schrottimmobilien sollen damit bald Geschichte sein.
Die Bundesregierung hat einen Zehn-Punkte-Plan gegen Sozialmissbrauch beschlossen. Bundeskanzler Friedrich Merz schrieb dazu auf X: "Missbrauch geht zulasten aller, die arbeiten und einzahlen." Die Sozialsysteme dürften nicht ausgenutzt werden. Bundessozialministerin Bärbel Bas, die den Plan mit Innenminister Alexander Dobrindt erarbeitet hatte, sagte, die Freizügigkeit innerhalb der EU dürfe nicht ausgenutzt werden, um Menschen auszubeuten. Schlupflöcher würden nun geschlossen. "Wir ziehen die Hintermänner der organisierten Ausbeutung stärker zur Verantwortung."
Der Hintergrund ist folgender: Seit Jahren bringen Banden EU-Bürger aus Südosteuropa, besonders aus Bulgarien und Rumänien, nach Deutschland, beschäftigen sie zum Schein und beantragen aufstockende Sozialleistungen. Zugleich betonte Bas, Deutschland brauche ausländische Fachkräfte. Millionen ausländische Beschäftigte stärkten das Land.
Dobrindt sagte: "Der Staat muss konsequent handeln, wenn der Sozialstaat missbraucht wird." Unter anderem sollen Leistungen für per Haftbefehl gesuchte Personen ausgeschlossen werden. "Das betrifft insbesondere rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe verurteilte Straftäter, die sich dem Haftantritt trotz Ladung zum Haftantritt entziehen." Umgesetzt werden sollen mit dem Plan Ankündigungen des Koalitionsausschusses und aus dem Koalitionsvertrag.
Plan sieht auch Enteignungen vor
Kernanliegen ist zudem umfassender Datenaustausch zwischen Sozial-, Ausländer-, Melde -, Finanz-, Sicherheits- und Baubehörden sowie Kranken- und Pflegekassen. Besser helfen soll dies gegen Schwarzarbeit, illegale Beschäftigung und Mindestlohn-Verstöße.
Betroffen sind unter anderem Kommunen im Ruhrgebiet, die teils hartnäckige Strukturen beklagen. Zum Teil werden Menschen aus Südosteuropa dort in heruntergekommenen Häusern untergebracht, sogenannten Schrottimmobilien. Als sogenannte Aufstocker bekommen sie auch Anspruch auf Sozialleistungen. Mit Razzien gehen Polizei und weitere Behörden wiederholt dagegen vor.
Der Aktionsplan verweist unter anderem auf Änderungen im Baugesetzbuch. Kommunen sollen leichter Zutritt zu baufälligen Immobilien bekommen und Vorkaufsrechte ausüben können. "Weil Schrottimmobilien ihr soziales oder städtebauliches Umfeld in der Regel massiv beeinträchtigen, schaffen wir eine neue (...) Möglichkeit zu ihrer Enteignung", so die Regierung zudem. Voraussetzung soll sein, dass Eigentümer Modernisierungsgeboten nicht folgen.
Bas sucht Kontakt zu Herkunftsländern
Unter anderem per Melderecht soll Überbelegungen oder "Vermietung von nichtbewohnbarem Wohnraum" wirksamer begegnet werden. Halbiert werden soll der einmonatige Bezugszeitraum von Überbrückungsleistungen für unrechtmäßig im Land befindliche Unionsbürger.
Auch KI-gestützte Analysesysteme kündigt die Regierung an. Sie sollen Leistungsmissbrauch erkennen. Geschehen solle dies sicher, vertrauenswürdig und diskriminierungsfrei, so der Plan. Rechtsgrundlagen würden dazu angepasst, technische Voraussetzungen geschaffen. Die Regierung stellt auch klar, dass die Schulpflicht für mit eingereiste Kinder durchgesetzt werden müsse. Zuständig sind hier allerdings die Länder.
Dagmar Schmidt, Vize-Chefin der SPD-Fraktion sagte: "Der heutige Beschluss ist ein starkes Signal." Wer Sozialleistungen erschleiche oder Menschen in Not ausnutze, müsse zur Verantwortung gezogen werden. Bas fügte hinzu: "Um Ausbeutung im Keim zu ersticken, informieren wir schon in den Herkunftsländern klar über Standards und faire Arbeitsbedingungen."
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