Verdacht auf Missbrauch im Verein? Das können Eltern tun
Über zwei Millionen Kinder und Jugendliche spielen in Deutschland Fußball, viele träumen davon, Profi zu werden. Doch für manche Täter ist genau das die Gelegenheit für sexuelle Übergriffe.
von Film von Marie Bröckling und Jonas Hummels
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Ein typisches Täterprofil gibt es nicht: Die Männer sind jung oder alt, manche verheiratet und selbst Väter. Den Missbrauch sieht man ihnen nicht an.
Wie sollten Eltern vorgehen, wenn sie Übergriffe im Fußballverein ihrer Kinder vermuten?
Jonas Hummels, Macher der ZDF-Doku "Tatort Jugendfußball", sagt: "Die Dunkelziffer ist wahrscheinlich sehr viel höher". Wichtig sei Achtsamkeit von Vereinen und auch Eltern.
07.10.2026 | 3:43 minEin aufmerksames Umfeld kann Missbrauch verhindern
Ein Verdacht auf Kindesmissbrauch sollte immer ernst genommen werden. Die ZDF-Recherche aus der Dokumentation "Tatort Jugendfußball" zeigt: Einige Missbrauchsfälle hätte man womöglich verhindern können, wenn Bedenken früh geäußert und konsequenter verfolgt worden wären.
Das gilt zum Beispiel für den Fall des ehemaligen Fußballtrainers Markus W. aus dem Ruhrgebiet. Das Landgericht Essen verurteilte ihn im Oktober 2025 wegen schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern zu 13,5 Jahren Haft und anschließender Sicherungsverwahrung. Er hat Revision eingelegt, das Urteil ist deshalb noch nicht rechtskräftig.
Mehr Betroffene, mehr Täter: Die Polizei hat 2025 erneut mehr Missbrauchsfälle bei Kindern registriert - von sexueller Gewalt bis Jugendpornografie. Vieles bleibt im Dunkeln.
22.07.2026 | 2:40 minEin ehrenamtliches Vorstandsmitglied des Fußballvereins, bei dem W. zeitweise als Trainer arbeitete, sagt in der ZDF-Dokumentation, es habe schon länger einen Verdacht gegeben. Nach einem anonymen Hinweis habe der Verein den Mann auch eng beobachtet. So sei W. zum Beispiel nie allein mit Kindern in der Kabine gewesen.
Doch das reichte offenbar nicht: Der ehemalige Fußballtrainer W. soll über einen Zeitraum von 17 Jahren hinweg sechs Jungen schwer sexuell missbraucht haben. Die Übergriffe fanden wohl nicht auf dem Vereinsgelände statt, sondern im Auto und in seiner Wohnung.
"Ich gehe davon aus, dass die Zahlen immer noch ganz erschreckend hoch sind", sagt Tanja von Bodelschwingh, Leiterin N.I.N.A. e.V, zum Lagebericht Kindesmissbrauch.
21.07.2026 | 6:32 minDer Fall zeigt, wie schwer es fällt, bei einem Verdacht richtig zu reagieren. Der Vorstand wollte den Jugendtrainer nicht allein wegen eines Gerüchts sofort entlassen.
Verdacht auf Missbrauch: Rat bei Fachleuten einholen
In der Regel ist es nicht empfehlenswert, die Person direkt auf den Verdacht anzusprechen. Eltern und Vereine sollten sich deshalb professionelle Hilfe holen, wenn sie sich Sorgen machen.
Beratungsstellen gibt es in vielen deutschen Städten. Sie beraten anonym, kostenlos und in mehreren Sprachen. Die Fachleute helfen, den Fall richtig einzuschätzen und die nächsten Schritte zu klären.
Das Hilfe-Telefon Sexueller Missbrauch: 0800 22 55 530.
Die Telefonzeiten: Montag, Mittwoch und Freitag von 9 bis 14 Uhr und Dienstag und Donnerstag von 15 bis 20 Uhr.
Die Rufnummer ist (auch im Zweifelsfall) eine Anlaufstelle für Betroffene von sexueller Gewalt in Kindheit und Jugend, für Angehörige sowie Personen aus dem Umfeld von Kindern.
Eltern können mit ihren Kindern besprechen, was Trainer oder Physiotherapeuten dürfen - und was nicht. Private Treffen zwischen Trainern und Kindern sollten grundsätzlich tabu sein, fordern mehrere Betroffene aus der ZDF-Dokumentation.
Andere Betroffene berichten, sie hätten als Minderjährige geglaubt, sich für vermeintliche Behandlungen nackt ausziehen zu müssen. Erst später hätten sie bemerkt, dass das nicht notwendig war. Eindeutige Regeln hätten ihnen geholfen.
Die EU will KI-Programme verbieten, die missbräuchliche sexuelle Deepfakes erstellen. Auch Inhalte mit Kindesmissbrauch sind explizit erfasst. Das Gesetz soll ab Dezember gelten.
07.05.2026 | 0:37 minVereine sollten aufmerksam sein
Vereine sollten sich zudem bei früheren Stationen eines Trainers erkundigen, warum er dort aufgehört hat. Die ZDF-Recherche zeigt, dass einzelne Täter jahrelang von Verein zu Verein wechselten und dort ungehindert weiter Kinder missbrauchten.
Das Wichtigste bleibt laut Experten, aufmerksam zu sein. Bei einem unguten Gefühl sollten Eltern und Vereine eine Beratungsstelle hinzuziehen. Stellt sich der Verdacht als unbegründet heraus, umso besser.
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