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Thursday, August 27, 2026

Die AfD und ihre Streamer

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Screenshot von "Aktivist Mann" von der Plattform YouTube

YouTuber im Wahlkampf Die AfD und ihre Streamer

Stand: 27.08.2026 • 19:00 Uhr

Livestreamer begleiten den Wahlkampf der AfD und provozieren mit ihrem Auftreten. Das sorgt für Aufmerksamkeit, aber auch für Konflikte - auch innerhalb der Partei.

Gabor Halasz

Die Kamera läuft, die Bilder gehen live ins Internet. Zu sehen ist ein Mann, der viel schreit und pöbelt. Vor allem Journalisten beschimpft er. "Was sind Sie für ein Medium? Sie kennen doch nur Gewalt! Weshalb diffamieren Sie Ulrich Siegmund als rechtsextrem? Ihr seid Antideutsche! Verzieht euch!", schreit "Aktivist Mann" in sein Mikrofon. So nennt sich der YouTuber, der stundenlang den AfD-Wahlkampf in Sachsen-Anhalt streamt. Mit der Menge ruft er "Lügenpresse" oder "Der Spiegel muss weg". Und er rempelt Journalisten an - aus Selbstverteidigung, wie er meint.

Matthäus Westfal heißt der YouTuber mit echtem Namen. Seit Jahren sendet er seine Bilder ins Netz. Auch als 2020 bei einer Corona-Demo fast der Reichstag gestürmt wurde, stand er ganz vorn und liefert sich ein Schreiduell mit einem Polizisten.

Wie für Martin Luther der Buchdruck

Die AfD hat Livestreamer wie ihn für sich entdeckt, denn sie senden stundenlang. Und das hat viel Potenzial - so sieht es Martin Reichardt, der im Bundesvorstand der AfD sitzt und aus Sachsen-Anhalt kommt. Schon vor Monaten sagte er: "Die Influencer sind für uns so etwas wie das, was für Martin Luther der Buchdruck gewesen ist."

Anders als Martin Luther stellen die YouTuber keine kritischen Fragen, sie sind eher als Fans unterwegs. "Aktivist Mann" schreibt auf Anfrage, dass er unabhängig sei. Kein Parteimitglied, aber "AfD-Wähler der ersten Stunde". Der Spitzenkandidat Siegmund aus Sachsen-Anhalt begrüßt ihn freundlich im Wahlkampf und lobt ihn öffentlich: "Ein Kollege, Aktivist Mann heißt der, der immer zu allen Veranstaltungen fährt. Es gibt viele gute, die berichten", lobt Siegmund den Streamer im Podcast "ungeskriptet".

AfD bittet um Mäßigung bei Veranstaltungen

Doch die Pöbeleien gingen zuletzt auch der AfD zu weit. Sie hat das Gespräch mit dem YouTuber gesucht, so Landeschef Reichardt. Was er gemacht habe, "war in dieser Form vielleicht ein bisschen drüber. Das wollten wir so auch nicht. Da ist jetzt aber gesprochen worden und die Sache ist jetzt, denke ich, soweit geklärt". "Aktivist Mann" bestätigt die Gespräche und schreibt: "Mir wurde danach kommuniziert, dass ich mich auf AfD-Veranstaltungen konsequent an die freiheitlich-demokratische Grundordnung zu halten habe."

Doch er ist längst nicht der einzige YouTuber und Streamer im AfD-Umfeld. Sie heißen Weichreite, Utopia TV oder Björn Banane. Seit Jahren begleiten sie die Partei. Björn Banane - alias Björn Winter - sagt im Stream, er wolle kurz einen "Fanbesuch abliefern". Kritische Fragen stellt auch er nicht. Mal trägt er Presseweste, dann schlüpft er in seine andere Rolle als Schlagersänger und singt Lieder für Alice Weidel.

Beide Seiten profitieren

YouTuber und Streamer im Wahlkampf sind nicht neu, aber zuletzt ist der Konkurrenzkampf um Reichweiten und Klickzahlen gestiegen. Der Politikwissenschaftler Maik Fielitz vom Institut für Demokratie und Zivilgesellschaft sagt: "Je mehr Reichweite man haben will, desto mehr muss man provozieren. Und in der Hinsicht ist das sehr symptomatisch, was in Sachsen-Anhalt passiert."

AfD und YouTuber würden voneinander profitieren. "Man teilt die Storys auch auf Social Media und das führt natürlich dazu, dass die Reichweite dieser Streamer steigt, aber gleichzeitig auch, dass die AfD hier eine gewisse Form des Wahlkampfs auslagert auf diese Streamer."

Fielitz beobachtet ein aggressives Auftreten. "Nicht nur gegen Medien, sondern auch gegen Politikerinnen und Politiker vor Ort von anderen Parteien." Das führe dazu, dass sie sich zurückhaltender äußern und zurückziehen.

"Werde einfach ein bisschen ruhiger werden"

Auch im Wahlkampf in Sachsen-Anhalt unterwegs ist das rechtsextreme Compact-Magazin. Dort läuft erst Werbung für die AfD, dann wird Grünen-Chef Felix Banaszak angesprochen, der vor Ort Döner verkauft. Eine Reporterin spricht ihn an: "Rechte essen heimlich Döner, bekommen wir auch einen?". Banaszak reagiert und sagt: "Ach Leute, Leute, Leute, ihr seid ja so witzig."

Der Grünen-Chef ist viel in Sachsen-Anhalt unterwegs und sagt bei WELT, jetzt kämen vermehrt die Streamer und Influencer aus dem rechtsextremen Spektrum vorbei "und versuchen, uns einzuschüchtern. Das führt überhaupt nicht dazu, dass wir weniger machen. Ganz im Gegenteil, das bestärkt uns eher darin, dass es richtig ist, gerade in den Wahlkampf zu gehen."

Der YouTuber "Aktivist Mann" schreibt, er sei ein kumpelhafter Typ und kein "Aggrobolzen". Weil Ulrich Siegmund immer alle duze, passiere ihm das auch manchmal.

Die Ansage der AfD an ihn scheint aber gewirkt zu haben. Im Livestream erzählt er: Er werde sich nicht brechen lassen und nicht klein beigeben. "Ich werde einfach ein bisschen ruhiger werden in nächster Zeit."

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