AfD-Veranstaltung in Fürstenwalde: Polizei geht Angriffen auf YouTuber nach

Nach zwei Angriffen auf YouTuber bei einer AfD-Veranstaltung in Fürstenwalde prüft die Polizei Gewalttaten – sowie das Vorgehen ihrer eigenen Einsatzkräfte.
Foto: Patrick Pleul/dpa
dpa | Nach Attacken und Auseinandersetzungen zwischen Besuchern einer AfD-Veranstaltung in Fürstenwalde und YouTubern ermittelt die Polizei. Sie geht intern aber auch Kritik am Vorgehen der Einsatzkräfte nach. Ein Blogger gegen Rechtsextremismus stellte Videoaufnahmen von einem Angriff gegen ihn am Samstag ins Netz. Dabei beschwerte er sich, er habe einen Platzverweis erhalten, nicht aber der mutmaßliche Angreifer.
„Das Video ist Gegenstand des Ermittlungsverfahrens, das gucken wir uns an“, sagte ein Sprecher der Polizeidirektion Ost. „Wenn Kritik an der polizeilichen Arbeit geäußert wird, wird das zu einer internen Prüfung führen.“
Am Tag der Einheit am Samstag waren in Fürstenwalde, 50 Kilometer südöstlich von Berlin, zahlreiche AfD-Anhänger zu einer Kundgebung und Demonstration mit Thüringens AfD-Landesvorsitzender Björn Höcke zusammen gekommen. Die Polizei sprach von rund 1.500 Besuchern. Höcke, der als Rechtsaußen seiner Partei gilt und wegen des Verwendens einer verbotenen SA-Parole zweimal vom Landgericht Halle verurteilt worden war, sprach vor jubelnden Anhängern von einer „Wendestimmung“ nach den ostdeutschen Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.
Wie die Polizei in einer Mitteilung schrieb, soll ein 23 Jahre alter Youtuber, der über das Geschehen berichtete, körperlich attackiert und beleidigt worden sein. Zuvor soll er selbst gegen den Willen des Beschuldigten „Detailaufnahmen“ gemacht haben.
Ein Sprecher der Polizei schilderte am Sonntag, der wegen Körperverletzung verdächtige Besucher der AfD-Veranstaltung sei zuvor gefilmt worden. Der Youtuber sei nach bisherigen Erkenntnissen aufgefordert worden, damit aufzuhören. Dann sei er beleidigt worden – mit Bezug zu den Verbrechen der Nationalsozialisten. Deshalb wird gegen eine 38 Jahre alte Frau ermittelt, wie der Sprecher sagte. Ihr Begleiter solle dann den Youtuber geschlagen haben. Zivilkräfte der Polizei gingen dazwischen.
YouTuber bekam Platzverweis
Der Youtuber habe zu seinem Schutz und um weiteren Straftaten vorzubeugen, die Auflage bekommen, den Platz mit der AfD-Versammlung nicht mehr zu betreten, sagte der Polizei-Sprecher. Gegen den mutmaßlichen Angreifer sei kein Platzverweis ausgestellt worden. Er habe die AfD-Versammlung wieder besuchen dürfen, weil kein „konfrontatives Potenzial“ zu erwarten gewesen sei.
Der Youtuber bezeichnete das Verhalten der Polizei als nicht nachvollziehbar. „Der Mann, der uns angegriffen hat, darf weiter auf der Veranstaltung sein. Keine Worte dafür!“, hieß es bei Instagram.
Kurz nach diesem Vorfall wurde laut Polizei ein weiterer YouTuber körperlich attackiert. Die Polizei nahm in beiden Fällen mehrere Anzeigen wegen Körperverletzung, Beleidigung und Verstoß gegen das Kunsturhebergesetz auf.
Die Veranstaltung der AfD am Tag der Einheit wurde auch vom Protest eines Bündnisses begleitet. In der Stadt mit rund 34.000 Einwohnern hingen Plakate mit der Aufschrift „Björn ist ein Nazi“. Auf dem Domplatz, einige hunderte Meter entfernt von der AfD, leuchteten Regenbogenfarben: Dort fand ein Fest für Vielfalt und gegen Rechts statt. „Unsere Heimat ist Bunter“ war auf einem Banner zu lesen.
Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl auf etwa 500 Menschen. Dies sei bezogen auf die Spitze der Teilnehmerzahl, sagte ein Sprecher. Die Veranstalter des Festivals teilten mit, es hätten mindestens 1.400 Menschen über den Tag verteilt mitgefeiert.
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