Drei Bordelle an einer Strasse? Das sagen die Anwohner

- Je zwei Einsprachen sind gegen die Baugesuche für zwei neue Wohnungsbordelle in St. Margrethen SG eingegangen.
- Die Bordelle sind an der Hauptstrasse 91 und 87 geplant, an Nummer 94 gibt es seit über einem Jahr bereits eines.
- Gemeindepräsident Armin Hanselmann nennt als Gründe der Einsprachen Bedenken zu Lärm, Parkieren, Schulweg der Kinder und Littering.
- Jessica (33) findet, Bordelle gehörten in ein Industriegebiet.
Vor mehr als einem Jahr eröffnete an der Hauptstrasse 94 in St. Margrethen ein Wohnungsbordell. Nun sind an der Hauptstrasse 91 und 87 zwei weitere Wohnungsbordelle geplant. Die Hausnummer 94 liegt direkt gegenüber dem bestehenden Etablissement. Das sorgt für Wirbel unter den Anwohnern.
Je zwei Einsprachen gegen die Baugesuche
Für die Umnutzung der Räume an der Hauptstrasse 91 und 87 wurde je ein Baugesuch eingereicht. Wie die Gemeinde St. Margrethen am Freitag 20 Minuten bestätigt, gingen gegen beide Gesuche je zwei Einsprachen ein. Die Einsprachefrist für die Hauptstrasse 91 endete am 29. September. Für die Hauptstrasse 87 läuft sie noch bis zum 10. November.
Dominic (33) betreibt eine Garage gegenüber der Hauptstrasse 91 und neben der Hauptstrasse 94. Er hat Einsprache eingelegt. «Die Freier parkieren jeweils auf meinem Platz, das passt mir und meiner Schwester überhaupt nicht», sagt er zu 20 Minuten. Zudem störe ihn, dass nachts noch mehr Menschen an der Strasse herumlungern könnten. Auch das habe er in seiner Einsprache erwähnt.
Lärmbelästigung, Schulweg und Littering
«Die Begründungen der Einsprachen waren Fragen zum Parkieren, mögliche Sorge vor Lärmbelästigung und das Thema Kinder und Schulweg sowie Littering», teilt Gemeindepräsident Armin Hanselmann auf Anfrage von 20 Minuten mit.
Alle Einsprachen stammen laut Hanselmann von berechtigten Anwohnern. «Wir haben die Baugesuche nach Vorgaben öffentlich ausgeschrieben und warten nun die Frist des zweiten Baugesuchs ab.» Danach will die Gemeinde beide Gesuche gemeinsam besprechen.
«Bordell gehört nicht in ein Wohngebiet»
Auch andere Anwohner sind wenig begeistert. Sie haben zwar keine Einsprache eingelegt, wollen aber kein Puff in ihrer direkten Nachbarschaft. «Finde das überhaupt nicht toll, mittendrin im Dorf ein Bordell zu haben, aber dagegen können wir nichts machen, die Bewilligung kommt sowieso durch. Das ist dann halt so», sagt ein Anwohner, der anonym bleiben möchte, zu 20 Minuten.
Würdest du Einsprache machen, wenn in deiner Nachbarschaft eine Wohnung für erotische Dienstleistungen umgenutzt werden soll?
Eine andere Anwohnerin sieht es gelassen. «Das sind anständige Leute an der Hauptstrasse 94. Man bekommt nicht viel von ihnen mit», sagt eine 52-Jährige. Als Anwohnerin bemerke sie kaum, dass sich in dem Haus ein Etablissement befindet. Zur Anfangszeit des Wohnungsbordells sei es ihr gar nicht bewusst gewesen.
«Ich bin gespannt, was für Leute bei diesen zwei neuen Standorten kommen»
«Hoffentlich nicht noch mehr»
Dass nun zwei weitere Betriebe hinzukommen könnten, lässt die 52-Jährige kalt. Sie hofft, dass es ebenfalls anständige sind. Jedoch wünscht sie sich, dass es in ihrem Quartier nicht noch mehr Erotikangebote geben wird.
«Ein Bordell passt nicht an eine Hauptstrasse und schon gar nicht in ein Wohnquartier.»
Jessica (33), die in St. Margrethen arbeitet, kritisiert die Pläne. «Das finde ich absurd», sagt sie. Sie sei froh, dass es an ihrem Wohnort kein solches Angebot gebe. «Ein Bordell passt nicht an eine Hauptstrasse und schon gar nicht in ein Wohnquartier.»
Besser als auf der Strasse
Jessica findet, dass solche Betriebe in ein Industriegebiet gehören. Gegen das Angebot an sich hat sie nichts. «Ich finde es gut, dass es solche Orte gibt», sagt sie. Silvia (46) aus St. Margrethen sieht das ähnlich. «Lieber gibt es ein Bordell, als dass so etwas auf der Strasse passieren würde», sagt sie.
Anders sieht es eine 22-jährige St. Margrethnerin. «Ich verstehe das überhaupt nicht», sagt sie. «Das ist traurig, dass es solche Angebote überhaupt braucht.» Für sie ist bereits ein Bordell zu viel. Dass nun drei Betriebe in unmittelbarer Nähe entstehen könnten, kann sie nicht verstehen.
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Vanessa Figi (vfi), Jahrgang 2004, arbeitet seit Juli 2026 als Praktikantin beim Ressort Ostschweiz.
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