Schluss mit SUV: DS besinnt sich beim nächsten Kleinwagen auf alte Stärken
Es ist schon bemerkenswert, dass die junge Marke DS nach einem Vierteljahrhundert ungebrochenen SUV-Erfolgs plötzlich Peak SUV ausruft und zurück zum davor dominierenden Schrägheck will. Die Studie F3VER mit Schrägheck wendet sich vom Format des höher gelegten DS 3 Crossback ab und kehrt zu der Karosserie-Grundform zurück, mit der der ursprüngliche DS 3 bekannt wurde. DS Automobiles sagt über sein Konzept auf dem Pariser Autosalon 2026: „Sollte diese Designidee eines Tages in ein Serienfahrzeug einfließen, wäre das Ziel, diese Kombination aus kompakten Abmessungen, Vielseitigkeit und Komfort auch in der Serie anzubieten. Eine rein elektrische Antriebskonzeption mit großer Reichweite wäre dabei Teil dieses Ansatzes.“ Die Messe läuft noch bis zum 18. Oktober, für Besucher ist sie seit heute geöffnet.
DS bezeichnet den F3VER als vollständig intern entwickelte explorative Studie und Designmanifest. Über Antrieb, Akku oder Marktstart gibt es konsequenterweise keine konkreten Angaben, der Name spielt auf Begeisterung an. DS-Chef Xavier Chardon will mit dem Konzept nach eigener Aussage „drei grundlegende Säulen von DS Automobiles noch weiter vorantreiben: Begehrlichkeit, Personalisierung und Freiheit“.
„Wir wollen keine SUVs mehr“
Die Studie F3VER misst 4,19 Meter in der Länge, 1,84 Meter in der Breite und 1,46 Meter in der Höhe, der Radstand beträgt 2,70 Meter. Den Kofferraum gibt DS mit 400 Litern an. Damit ist die Studie kaum länger als der auslaufende DS 3, übertrifft einen Mini Cooper Electric aber um rund 35 Zentimeter. Ob die Serienversion diese Maße übernimmt und wie viel Platz im Fond tatsächlich ankommt, ist offen: Einen Innenraum hat DS nicht gezeigt.
Konzept DS-F3VEVER (6 Bilder)

DS
)Den Formatwechsel begründet DS-Designchef Thierry Métroz gegenüber dem britischen Magazin Autocar mit Kundenwünschen. Die Kunden hätten gesagt: „Wir wollen keine SUVs mehr. Alle neuen Autos sind ein SUV oder ein Crossover.“ Viele Kunden hätten auf ein solches Auto gewartet. Die Verkaufszahlen stützen das zumindest für Großbritannien: Dort setzte DS vom ursprünglichen DS 3 im Jahr 2018 rund 3000 Exemplare ab, der Crossback kam in seinem besten Jahr 2019 auf etwas mehr als 2000, danach ging es abwärts.
Showeffekte und Serienkandidaten
Optisch arbeitet die Studie mit einem senkrechten „Totem“ in der Frontmitte, einer Y-förmigen Lichtsignatur, Zweifarblackierung in dichroitischem „Cosmic Blue“ und einem individualisierbaren Dachring. Die Rückleuchten bestehen aus 16 LED-Panels auf einer Magnesiumstruktur und sollen per Spiegeleffekt räumliche Tiefe erzeugen. Laut Métroz sind die Leuchten grundsätzlich serientauglich, allerdings ohne die Lichtanimation des Showcars. Der digitale Bildschirm im Heck, der Nachrichten an den nachfolgenden Verkehr anzeigen kann, dürfte dagegen reine Showcar-Inszenierung bleiben. Ein vollständig eingerichtetes Konzept mit Cockpit will DS laut Métroz 2027 nachreichen.
STLA One als Basis, Reichweite offen
Der Serienableger, in Medienberichten als DS N°3 gehandelt, soll auf Stellantis’ Plattform STLA One aufbauen, die auch die technische Basis für die kommenden Generationen von Peugeot 208 und Opel Corsa werden soll. Laut Autocar soll das kommende Modell aber niedriger und breiter ausfallen als jene. Der Konzern hatte die modulare Architektur im Mai vorgestellt: Sie deckt die Segmente B bis D ab, unterstützt mehrere Antriebsarten, ist 800-Volt-fähig und sieht LFP-Akkus sowie eine strukturelle Cell-to-Body-Integration vor.
In welcher Weise das im kleinen DS umgesetzt wird, wurde nicht mitgeteilt. DS selbst verspricht lediglich eine „klassenführende“ elektrische Reichweite, Autocar berichtet von einem Zielwert von rund 550 Kilometern und einer Untergrenze von etwa 500 Kilometern. Zu Akkukapazität, DC-Ladeleistung und Ladezeiten gibt es bislang keine Angaben; aus der 800-Volt-Fähigkeit der Plattform folgt nicht, dass der Kleinwagen sie nutzt. Ebenso offen ist, ob es ausschließlich eine Elektroversion geben wird. DS hatte zwar angekündigt, ab 2024 nur noch batterieelektrische Autos neu auf den Markt zu bringen, die technische Basis STLA One ist aber auch für andere Antriebe ausgelegt.
Schneller als üblich soll es trotzdem gehen: DS will den Entwicklungszyklus laut Autocar von vier auf zwei Jahre verkürzen und die Zahl der Bauteile in der Montage um 30 Prozent senken. Laut der französischen Zeitschrift L’argus soll der Wagen frühestens Ende 2028 zu den Händlern kommen und vermutlich im Stellantis-Werk Figueruelas bei Saragossa vom Band laufen. Dann wird sich der neue DS gegen Renault 5 (Test), Mini Cooper Electric (Test) und Peugeot e-208 behaupten müssen.
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