Abfindungen und frühes Aus für Gen5: BMWs Umbau frisst die Jahresmarge
BMW rechnet für das laufende Jahr im Autogeschäft praktisch nicht mehr mit Gewinn. Der Münchner Konzern hat die Prognose für die EBIT-Marge im Segment Automobile von bislang 1 bis 3 Prozent auf −0,5 bis +0,5 Prozent gesenkt. Die erwartete Kapitalrendite (RoCE) des Segments liegt nun bei −1 bis +1 Prozent. Hauptgrund ist ein beschleunigter und damit teurerer Konzernumbau, den BMW am 4. November 2026 zusammen mit den Zahlen zum dritten Quartal angekündigt hat.
Wie BMW in seiner Mitteilung zur Neuausrichtung erklärt, sollen Portfolio- und Strukturmaßnahmen die Marge 2026 mit rund 2,5 Prozentpunkten belasten statt der geplanten 1,25 Prozent. Der Umbau wird also doppelt so teuer. Vor diesen Maßnahmen liege die operative Marge weiterhin über 2 Prozent. Darin stecken bereits andere Lasten: höhere Zölle mit etwa 1,25 Prozentpunkten und Abschreibungen auf Vermögenswerte des chinesischen Gemeinschaftsunternehmens BBA aus der Kaufpreisallokation mit 1,2 Prozentpunkten. Die Differenz zur Prognose nahe null ergibt sich also aus den Umbaukosten. Am Free Cashflow im Autogeschäft von mehr als 2,5 Milliarden Euro hält BMW fest.
Abfindungsprogramm und früheres Ende der Gen5
Rund 1,25 Prozentpunkte der Belastung entfallen laut Finanzvorstand Walter Mertl auf den Personalumbau, die Aufwendungen sollen im vierten Quartal gebucht werden. Dazu kommt ein freiwilliges Abfindungsprogramm für alle indirekten Beschäftigten der BMW AG in Deutschland. Die Zahl der Senior-Vice-President-Funktionen soll um 20 Prozent sinken, ebenso bis Mitte 2027 die Zahl der Bereiche samt Führungsposten. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet von rund 8000 geplanten Stellenstreichungen in Deutschland, BMW bestätigt diese Zahl nicht.
Die restlichen rund 1,25 Prozentpunkte schlüsselt BMW nicht auf. Als weiteren Treiber nennt das Unternehmen, dass ältere Fahrzeug- und Technikgenerationen früher auslaufen, darunter ausgewählte Modelle mit Batterietechnik der fünften Generation (Gen5). Welche Modelle das betrifft und wann, ist noch nicht bekannt.
Finanzergebnis polstert das Quartal ab
Im dritten Vierteljahr sank der Konzernumsatz um 5,8 Prozent auf 30,45 Milliarden Euro, das EBIT um 29,7 Prozent auf 1,59 Milliarden Euro. Dass das Ergebnis vor Steuern mit 2,08 Milliarden Euro nur um 10,6 Prozent zurückging, liegt am Finanzergebnis: Es stieg von 68 auf 494 Millionen Euro, vor allem dank positiver Bewertungseffekte bei Zinssicherungsgeschäften. Unterm Strich blieben 1,45 Milliarden Euro Überschuss, 14,7 Prozent weniger als vor einem Jahr.
Das Autogeschäft allein kam auf ein EBIT von 901 Millionen Euro, knapp 40 Prozent weniger als im Vorjahresquartal; die Marge fiel von 5,2 auf 3,4 Prozent. Gestützt hat eine Einigung mit den Zulieferern Aumovio und Continental im Gewährleistungsfall des integrierten Bremssystems (IBS), deren Höhe BMW nicht beziffert. Das Ergebnis schmälerten Zölle und BBA-Abschreibungen, Währungseffekte von rund 100 Millionen Euro sowie ein um etwa 600 Millionen Euro schlechterer Saldo aus Volumen, Modellmix und Preisen. Laut Mertl lag das vor allem an China und dem Preisdruck in mehreren Märkten.
China bricht ein, Neue Klasse läuft an
Insgesamt lieferte die BMW Group im Quartal 551.075 Fahrzeuge aus, 6,3 Prozent weniger als im Vorjahr. In China ging der Absatz um 24,8 Prozent auf 114.355 Autos zurück, bei einem fast ebenso stark geschrumpften Gesamtmarkt. Europa (+2,7 Prozent auf 235.628) und die USA (+2,5 Prozent auf 106.741) legten laut BMWs Vertriebsmeldung zu. 110.257 batterieelektrische Autos (BEV) machten rund 20 Prozent aller Auslieferungen aus, in Europa lag der BEV-Anteil bei 34,7 Prozent.
Hoffnungsträger bleiben die Modelle auf Basis der „Neuen Klasse“. Für den iX3 meldet BMW mehr als 100.000 Bestellungen in Europa binnen eines Jahres, das Werk im ungarischen Debrecen fährt seit September im Dreischichtbetrieb. Gefertigt wird die Neue Klasse zudem in München, Dingolfing, Spartanburg und Shenyang. Die Batterien der sechsten Generation für diese Modelle liefert seit Anfang Oktober das Batteriemontagewerk Irlbach-Straßkirchen zunächst an das Werk München; Dingolfing, Regensburg und Leipzig sollen folgen. Lieferzeiten nennt BMW nicht, die Kapazität beziffert der Konzern mit mehreren hundert Einheiten pro Tag. Auch für die überarbeitete 3er-Reihe, deren batterieelektrische Variante i3 bereits auf der Neue-Klasse-Plattform basiert, spricht der Konzern nur von starkem Kundeninteresse. Mehr zum aktuellen Modell in BMW renoviert den Dreier: Der Diesel bleibt vorerst draußen.
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