Putin fordert Köppel in Moskau zu spontanem Referat auf

- Roger Köppel fragte Wladimir Putin in Moskau nach der Schweiz und dem Vorgehen gegen Nestlé.
- Putin forderte Köppel daraufhin spontan auf, vor dem Publikum über den deutschen Politiker Egon Bahr zu sprechen.
- Putin kritisierte zudem die Schweizer Sanktionen gegen Russland und die Entwicklung des Schweizer Finanzplatzes.
«Weltwoche»-Chef Roger Köppel war zu Gast beim Valdai Discussion Club in Moskau, wo der russische Präsident Wladimir Putin Fragen aus dem Publikum beantwortete. Auch der frühere SVP-Nationalrat meldete sich zu Wort.
Von Putin wollte er wissen, wie er die Schweiz heute sehe und warum Russland gegen Nestlé vorgegangen sei. Dabei bezeichnete er Nestlé als «grossartiges» Schweizer Unternehmen und betonte, dass der Konzern trotz Kritik und politischem Druck in Russland geblieben sei.
«Wäre interessant, Ihnen zuzuhören»
Der Ex-Nationalrat sprach zudem über den deutschen SPD-Politiker Egon Bahr. Bevor Putin antwortete, dankte Köppel Russland für seinen historischen Beitrag zur Schweizer Neutralität und verwies auf den Wiener Kongress von 1815.
Putin sagte, er könne sich nicht mehr an die Details im Fall Nestlé erinnern. Russland bestrafe niemanden, sondern reagiere lediglich auf Massnahmen anderer Staaten und Unternehmen. Danach ging er auf Egon Bahr ein und wandte sich an Köppel: «Es wäre interessant, Ihnen zuzuhören.» Er forderte ihn auf, vor dem Publikum mehr über den Politiker zu erzählen.
Köppel sieht Schweiz als Brücke
Köppel nahm die Einladung an und erzählte, dass er Bahr einst nach Zürich eingeladen habe. Der 2015 verstorbene SPD-Politiker gilt als einer der wichtigsten Architekten der deutschen Ostpolitik unter Willy Brandt. Seine Vision sei ein Europa als «Kontinent des Friedens» gewesen, in dem Deutschland eine Brücke zwischen Ost und West bilden könne.
Eine solche Rolle könne auch die Schweiz übernehmen. Zudem erklärte Köppel, er unterstütze Putins Versuche, Bahrs Ideen vor allem in Deutschland wieder stärker ins Bewusstsein zu bringen.
Putin: «Schweiz ist nicht mehr so attraktiv wie früher»
Putin kam danach auf die Schweizer Neutralität zu sprechen. Russland begrüsse diese grundsätzlich. Neutralität dürfe aber «nicht nur in Worten» bestehen, sagte Putin mit Blick auf die Schweizer Sanktionen gegen Russland. Kleine Staaten sollten möglichst unabhängig und im eigenen Interesse handeln.
Auch den Schweizer Finanzplatz kritisierte er. Die Schweiz habe sich unter Druck eines wichtigen Vorteils berauben lassen, sagte Putin mit Blick auf das Bankengeheimnis. «Die Schweiz ist nicht mehr so attraktiv wie früher», so der russische Präsident.
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Hintergrund von Köppels Frage ist ein Entscheid Putins vom 17. September. Per Dekret wurden Nestlé Russia und Nestlé Kuban unter Fremdverwaltung gestellt. Nestlé bleibt offiziell Eigentümerin, hat aber keinen Einfluss mehr auf die Führung. Die Kontrolle liegt bei der russischen Firma L.E.V. Management. Nestlé erklärte daraufhin, die Situation und mögliche weitere Schritte zu prüfen. Auch das Seco zeigte sich besorgt.
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Jasmin Steiger (jst) arbeitet seit 2026 für 20 Minuten. Sie arbeitet am Newsdesk und schreibt über verschiedenste Themen.
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