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Sunday, October 18, 2026

Nach dem Rekordsommer: Wie die Klimakrise Mobilität und Transport schadet

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Die Bundesregierung weiß wenig über die Folgen des Hitzesommers für Deutschlands Verkehrswege. Die Zahlen, die es gibt, bieten aber Grund zur Sorge.

Jonas Waack

Der extrem heiße Sommer hat Schienen, Straße und Wasserwege vielerorts beschädigt und unbenutzbar gemacht. Wie teuer der Schaden die deutsche Wirtschaft zu stehen kommt, weiß die Bundesregierung aber nicht. Das geht aus der Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsabgeordneten Swantje Michaelsen hervor. Die Antwort liegt der taz vor.

Allein im ersten Halbjahr hat die Hitze demnach 42 Autobahnabschnitte durch Aufwölbungen oder Abbruchstellen im Beton beschädigt. Das sind 32 Stellen mehr als im bisherigen Rekordjahr 2019. Bis 2012 kam es überhaupt nicht zu Schäden aufgrund von Hitze.

Wie teuer die Reparaturen sind und welche wirtschaftlichen Folgen die Unterbrechungen zum Beispiel für den Güterverkehr haben, weiß das Verkehrsministerium nicht.

„Die Bundesregierung argumentiert beim Neubau von Autobahnen immer mit deren Nutzen für die Volkswirtschaft“, sagt Michaelsen. Aber wenn sie nicht in der Lage ist, die Hitzeschäden einzubeziehen, „kann sie die Folgen der Klimakrise für neue Straßen auch nicht einpreisen“.

Statt an Neu- und Ausbauplänen für Autobahnen festzuhalten, müsse die Bundesregierung klar priorisieren, sagt Michaelsen: „Die bestehende Infrastruktur muss erhalten und saniert werden und so ertüchtigt werden, dass Straßen, Schienen und Brücken auch extremer Hitze standhalten.“

Hitze verursachte bei der Bahn Verspätungen

An wie vielen Stellen im deutschen Schienennetz aufgrund von Hitze oder Böschungsbränden Störungen auftraten, will die Bundesregierung überhaupt nicht beantworten. „Infolge einer Abwägung der Informationsrechte des Deutschen Bundestags mit den Belangen des Staatswohls sind die erbetenen Informationen als ‚Verschlusssache, vertraulich‘ eingestuft“, schreibt das Verkehrsministerium.

„Was daran sicherheitsrelevant sein soll, erschließt sich mir nicht“, sagt Michaelsen, schließlich habe sie nicht nach besonders vulnerablen Schienenabschnitten, sondern nur nach der Menge der Vorfälle gefragt. „Wir sehen ein Muster, Antworten als sicherheitsrelevant einzustufen, wenn das Ministerium nicht antworten will.“

Laut DB InfraGo, der Infrastruktursparte der Bahn, wurden an besonders heißen Tagen Weichen in bestimmten Abschnitten temperaturbedingt nicht verstellt, wodurch Verspätungen entstanden. Mit diesem Vorgehen soll InfraGo zufolge „verhindert werden, dass während des Umstellens der Weiche ein hitzebedingter Defekt entsteht, der das Befahren gänzlich ausschließen würde“.

Auch die deutschen Wasserstraßen litten unter dem heißen und trockenen Sommer. Bis Mitte September wurde am Rheinpegel Kaub an 70 Tagen Niedrigwasser gemessen, am Oderpegel Hohensaaten Finow sogar an 111 Tagen. Auch hier erfasst die Bundesregierung den entstehenden wirtschaftlichen Schaden nicht. Frachtschiffe sind bei Niedrigwasser dazu gezwungen, weniger beladen oder gar nicht zu fahren. Allein am Rhein führt das laut dem Beratungsinstitut Prognos zu Einbußen von knapp 1 Milliarde Euro.

Grüne: „Wir haben es in der Hand“

„Die Daten der Bundesregierung sind zwar knapp, aber sie geben einen Hinweis darauf, dass wichtige Teile der deutschen Infrastruktur bei Hitze nicht zuverlässig funktionieren“, sagt Michaelsen. Neben Anpassungsmaßnahmen müsse die Bundesregierung auch endlich konsequent in Klimaschutz investieren. „Wir haben es in der Hand, die Schäden nicht noch größer werden zu lassen.“

Der Sommer 2026 war laut Deutschem Wetterdienst (DWD) heißer als alle Sommer seit Beginn der Wetteraufzeichnungen mit Ausnahme der heißen Monate des Jahres 2003. Im Deutschlandmittel kam es demnach an 22 Tagen zu über 30 und an 5 Tagen über 35 Grad – „beispiellos“ nennt der DWD die Zahl der Extremtage.

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