Abstimmung Kanton Luzern – Hofläden lösen umstrittene Revision der Ladenöffnungszeiten aus

Worum geht es? In Luzern soll das Ladenöffnungsgesetz gelockert werden. Auslöser dafür sind die Hofläden. Gemäss geltendem Gesetz müssen sie abends und sonntags geschlossen bleiben. Dies entspreche nicht mehr der Realität, fand das Kantonsparlament – und wollte das Ruhetags- und Ladenschlussgesetz entsprechend anpassen. Regierung und Parlamentskommission weiteten die neue Regelung auf alle unbedienten Läden aus. Zudem stellten sie Shops bei Elektrotankstellen jenen von normalen Tankstellen gleich.
Wie würde die neue Regelung aussehen? Die Änderung beträfe unbediente Hofläden sowie kleinere Selbstbedienungsgeschäfte mit einer Verkaufsfläche von bis zu 30 Quadratmetern. Diese dürften neu täglich von 5 bis 22 Uhr geöffnet haben. Dasselbe gälte für Shops in der Nähe von Elektro-Ladestationen.
Wie ist es aktuell geregelt? Luzerner Verkaufsgeschäfte dürfen unter der Woche bis um 19 Uhr geöffnet haben; samstags und vor Feiertagen ist um 17 Uhr Schluss. Damit hat Luzern eines der restriktivsten Ladenöffnungsgesetze – einzig in Uri, im Wallis und im Jura müssen die Türen früher schliessen. Eine Ausnahme gibt es für Tankstellenshops, die täglich bis 22 Uhr geöffnet haben dürfen.
Es ist einmal mehr eine Salamitaktik – hin zur totalen Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten.
Weshalb kommt es zur Abstimmung? Die Gewerkschaften und der Luzerner Detaillistenverband finden, bei dieser Vorlage sei das Fuder überladen worden. Deshalb haben sie, unterstützt von der SVP und der SP, das Referendum ergriffen. Insbesondere finden sie, die Liberalisierung sollte nur für Hofläden gelten. SP-Kantonsrat Marcel Budmiger sagt: «Auf Landwirtschaftsbetrieben wird ohnehin schon am Sonntag gearbeitet. Wir möchten aber keine Aufweichung der Ladenöffnungszeiten für unbediente Container, die am Schluss sogar Hofläden konkurrenzieren.»
Wieso soll die neue Regelung für alle unbedienten Geschäfte gelten? Für die Revision sind die Mitte, FDP und GLP. Sie wollten keine Sonderregelung nur für Hofläden. «Die Definition von Hofläden ist sehr schwierig. Darum sollen die neuen Regeln für alle Selbstbedienungsläden bis zu einer Grösse von 30 Quadratmeten gelten», sagt Ursula Berset, Kantonsrätin der GLP.
Wenn es hier ein Nein gibt, haben wir auf Jahre hinaus keine Lösung für die Hofläden.
Wieso wird jetzt auch über Schnell-Ladestationen diskutiert? Mitte, FDP und GLP wollten die Revision nutzen, um auch bei Tankstellenshops für gleich lange Spiesse zu sorgen. So sagt Ursula Berset: «Wir wollen Schnell-Ladestationen den Tankstellenshops gleichstellen. Damit leisten wir einen Beitrag zur Dekarbonisierung.» Die Gegner der Vorlage – SVP, SP und Grüne – sehen dies anders: «Gerade im Zusammenhang mit den Tankstellenshops ist es eine massive Ausdehnung der Sonntagsarbeit», sagt Marcel Budmiger. Es werde so plötzlich deutlich mehr solche Shops geben – eben solche mit Ladestationen für Elektroautos.
Über diese Vorlagen wird ebenfalls abgestimmt
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Nebst der Initiative «Gegen Fan-Gewalt» kommen am 27. September im Kanton Luzern drei weitere Vorlagen an die Urne:
- Initiative «Gegen Fan-Gewalt»: Eine Initiative der Mitte verlangt unter anderem eine ID‑Pflicht für den Besuch eines Fussballspiels. Der Gegenvorschlag der Regierung geht weniger weit, unter anderem soll es bei Risikospielen künftig eine Einzelbewilligung brauchen.
- Erweiterung und Umnutzung der Kantonsschule Reussbühl: Die 1970 erbaute Schule soll für 81.4 Millionen Franken ausgebaut werden.
- Ausbau der Standortförderung: Diese soll mit 250 Millionen Franken jährlich aus den Einnahmen der OECD-Mindestbesteuerung finanziert werden.
Warum geben die Ladenöffnungszeiten derart zu reden? Schon 2006, 2012 und 2013 gab es in Luzern Versuche, die Ladenöffnungszeiten zu lockern. Diese wurden jeweils abgelehnt. 2020 allerdings gab es eine leichte Lockerung. Deshalb stört sich Marcel Budmiger, der auch Geschäftsleiter des Luzerner Gewerkschaftsbundes ist, an der aktuellen Vorlage: «Es ist einmal mehr eine Salamitaktik – hin zur totalen Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten. Das wollen wir nicht.» Das sieht Ursula Berset anders: «Wenn es hier ein Nein gibt, haben wir auf Jahre hinaus keine Lösung für die Hofläden.»
Abstimmungsdossier
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Hier finden Sie News und Hintergründe zu den Abstimmungen vom 27. September 2026.
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