«Schweizerdeutsch ist so chaotisch, ich war so verwirrt»

- Die Baselbieterin Lia von Blarer (33) spielt erstmals eine Hauptrolle im Schweizer Fernsehen – in der neuen SRF-Krimiserie «Blind».
- Die Serie basiert auf der Bestseller-Reihe von Christine Brand und dreht sich um einen blinden Barkeeper, der unter Mordverdacht gerät.
- Von Blarer arbeitete seit 2014 auf eine Schweizer Rolle hin – und musste sich am Set erstmals daran gewöhnen, auf Schweizerdeutsch zu spielen.
Seit 2014 ist Lia von Blarer auf dem Radar der grössten Castingagentur der Schweiz, seit zehn Jahren versucht sie hierzulande eine Rolle zu ergattern und nun hat es endlich geklappt. Die 33-jährige Baselbieterin spielt eine der drei Hauptfiguren in der neuesten SRF-Krimiserie «Blind». Damit ist sie nun auch auf den Schweizer Bildschirmen angekommen. Sie freut sich riesig, denn in Deutschland überzeugt sie schon länger in Filmen wie «Der Wald in mir» oder Serien wie «Hundertdreizehn».
«Ich konnte mich lange in der Anonymität Deutschlands verstecken, nun bin ich exponierter – es gibt weniger neue Produktionen pro Jahr in der Schweiz. Ich bin darum aufgeregter als sonst», sagt von Blarer im Gespräch mit 20 Minuten. Die Schauspielerin ist als lebenshungrige Teenagerin von Aesch BL nach Berlin ausgewandert, um «richtig Deutsch» zu lernen. Hochdeutsch ist zu ihrer Arbeits- und Denksprache geworden. «Umso verwirrter war ich in den ersten zwei Wochen am Set von ‹Blind›, als ich erstmals in meinem Leben auf Schweizerdeutsch gespielt habe. Das ist so eine chaotische Sprache, die ich sonst vor allem in meinem engsten Umfeld brauche.»
Ein Apéro hat ihre Karriere lanciert
«Blind» basiert auf der gleichnamigen Bestseller-Reihe der Schweizer Autorin Christine Brand. Darin taucht der blinde Barkeeper Nathaniel (gespielt von Sven Schelker) blutverschmiert auf der Polizeistation auf und berichtet davon, dass jemand eine Schwangere aus seiner Bar entführt hat. Blutspuren und Hinweise auf einen Kampf bestätigen zwar Teile seiner Geschichte, doch Nathaniel verstrickt sich in Widersprüche und gerät selbst unter Verdacht. Nur seine langjährige Freundin glaubt ihm: die Investigativ-Journalistin Milla (gespielt von Lia von Blarer).
«Es ist so spannend und dicht erzählt, jede Figur hat ihre eigene Agenda – was für ein Privileg, dass ich dabei sein durfte», erzählt die Schauspielerin. Von Blarer hat sich nach der Matura an der Theaterhochschule in Rostock gegen etwa 900 andere Interessierte durchgesetzt und einen von nur fünf Plätzen ergattert. Sie stand auf Bühnen, half bei Filmproduktionen mal beim Licht, mal beim Ton und auch als Regieassistentin aus, um ihre Leidenschaft auszuleben.
Sie merkte, dass in der Schauspielbranche nicht unbedingt die Besten, sondern die mit dem meisten Glück Erfolg haben. Auch von Blarer verhalf der Zufall zu ihrer ersten Filmrolle. An einem Filmfestival quatschte sie mit einem ihr unbekannten Mann, der sich später als Regisseur Dennis Stormer entpuppte und sie verpflichtete für die Hauptrolle beim am Zurich Film Festival 2021 prämierten Kinofilm «Youth Topia». «So viele können von solchen Chancen nur träumen, darum will ich immer mit Menschen zusammenarbeiten, die wirklich Lust haben auf die Geschichten, die sie erzählen.»
Woran merkst du bei einer Krimiserie am schnellsten, ob du dranbleibst?
Warum stellt jemand ihr zwei Wochen altes Baby für Film zur Verfügung?
Als Kind hat von Blarer Thriller wie «Chemie des Todes» oder brutale russische Märchen verschlungen, bis sie mit zwölf Jahren auf etwas noch Besseres stiess: Quentin Tarantinos Kultfilm «Kill Bill». Darin werden die Grenzen zwischen Western, Manga und Rachefeldzug gesprengt, was von Blarer faszinierte.
Sie lernte: In der Filmwelt ist alles möglich. Einmal wurde ihr etwa ein zwei Wochen altes, fremdes Baby in die Arme gelegt. «Ich habe die Mutter danach gefragt, warum sie ihr Neugeborenes zur Verfügung gestellt hat. Ihre trockene Antwort: ‹Es ist schon mein zweites Kind.›»
Diese Freiheiten und Möglichkeiten lockten sie auf den Karrierepfad, den sie nie mehr verlassen will. «Film- und Theaterschaffende sind schliesslich Outlaws, die ihre abwegigsten Gefühle ausleben können und unbrauchbar wären in anderen Jobs», sagt von Blarer.
Nun ist sie vor allem gespannt, wie ihr Debüt im Schweizer Fernsehen bei ihrer Familie im Baselbiet ankommt. Die Serie «Blind» ist auf «Play Suisse» streambar.
Dario Aeberli (dae), Jahrgang 1995, arbeitet seit Oktober 2023 als People-Redaktor bei 20 Minuten. Zuvor war er Lokaljournalist und beim «Migros-Magazin».
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