Schon 10'000 Schweine mussten getötet werden

Seuche breitet sich in der Schweiz aus
Schon 10'000 Schweine mussten getötet werden
Ein Ausbruch der Lungenkrankheit Enzootische Pneumonie trifft die Schweizer Schweinehaltung hart. Um die Infektionskette zu unterbrechen, sind innert Kürze mehr als 10'000 Tiere geschlachtet oder getötet worden.
Publiziert: vor 22 Minuten
- Wegen Enzootischer Pneumonie wurden 10'500 Schweine getötet oder geschlachtet
- EP traf 20 Zuchtbetriebe in 6 und 40 Mastbetriebe in 14 Kantonen
- Tierverkehr im Schweinering gilt als Treiber des Ausbruchs
Anna Clara KohlerRedaktorin Politik
Zahlreiche Schweinebetriebe mussten in den vergangenen Wochen wegen einer Tierseuche ihre Tiere töten. Die Lungenkrankheit Enzootische Pneumonie (EP) wurde in einem Schweinering festgestellt, der sich über mehrere Kantone erstreckt. Während anfangs die Rede von 1500 Zuchtschweinen und ihren Ferkeln war, die von den Massnahmen betroffen seien, ist nun klar: 10’500 Tiere mussten schweizweit bereits geschlachtet oder getötet werden.
«Durch eine Totalsanierung bei den Zuchtbetrieben wurden die Infektionsketten unterbrochen und eine weitere Ausbreitung der EP sollte so verhindert werden», schreibt der Veterinärdienst des Kantons Luzern in einer Mitteilung. Eine Totalsanierung bedeutet, dass die Betriebe vollständig geräumt werden mussten. Nicht bei allen betroffenen Tieren wurde zwingend eine Infektion nachgewiesen.
Der aktuelle Ausbruch ist laut dem Bund insbesondere aufgrund der epidemiologischen Dimension aussergewöhnlich: «Die Massnahmen betreffen 20 Zuchtbetriebe in sechs Kantonen sowie 40 Mastbetriebe in 14 Kantonen».
Zum Vergleich: Pro Jahr werden in der Schweiz gut 2,3 Millionen Schweine regulär geschlachtet – rund 6500 pro Tag.
Totalsanierung der Schweinebetriebe
So mussten alle Tiere in den Zuchtbetrieben getötet oder geschlachtet werden. Die Ställe werden anschliessend gereinigt sowie desinfiziert und müssen zehn Tage leer stehen. Diese einschneidende Massnahme sei notwendig gewesen, um die Schweizer Schweinepopulation vor einer Ansteckung zu schützen.
Die Seuche gilt seit rund 20 Jahren als ausgerottet. Durch eine landesweite Flächensanierung konnte EP in der Schweiz laut dem Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) weitgehend zurückgedrängt werden. Wie das jüngste Beispiel zeigt, sind Ausbrüche jedoch weiterhin möglich.
Da die Lungenkrankheit sowohl durch direkten Kontakt zwischen Schweinen als auch über die Luft übertragen werden kann, besuchen Tierärzte nun Betriebe, die in der Nachbarschaft von derzeit gesperrten Betrieben liegen.
«Den Preis zahlen am Ende die Tiere»
Für die Tierschutzorganisation «Pro Tier» zeige dieser Ausbruch exemplarisch die Risiken der industriellen Nutztierhaltung. Die Krankheit ist in einem Schweinering ausgebrochen. Dabei arbeiten Zucht- und Mastbetriebe zusammen, die Tiere werden regelmässig zwischen den Betrieben verschoben. Solche Ringe, grosse Bestände und eine hohe Schweinedichte würden das Risiko für Ausbrüche erhöhen.
«Ein System, das auf Effizienz und ständigen Tierverkehr ausgerichtet ist, ist für solche Krankheiten besonders anfällig. Den Preis dafür zahlen am Ende die Tiere», sagt eine Sprecherin von «Pro Tier».
Nicht alle Tiere weiterverarbeitet
Der Kanton Solothurn ist einer der betroffenen Kantone. In drei Betrieben war da die Seuche ausgebrochen. Zwei dieser Betriebe seien vergangene Woche geräumt worden. «Insgesamt konnten rund 1’200 Jungtiere lebend exportiert werden, rund 80 Sauen sowie 50 Jungtiere wurden geschlachtet», heisst es in einer Mitteilung des Solothurner Veterinärdienstes.
Für Menschen ist die Krankheit nicht gefährlich, das Fleisch gesunder Träger könne bedenkenlos konsumiert werden. Rund 930 Tiere, die weder exportiert noch geschlachtet werden konnten, seien letzte Woche hingegen getötet worden.
Für die Verschleppung zwischen Betrieben spiele insbesondere der Tierverkehr eine wichtige Rolle, sagt auch das BLV auf Anfrage.
Die Totalsanierung gilt für die betroffenen Zuchtbetriebe, bei den Mastbetrieben gelten Tierverkehrssperrungen und individuelle Massnahmen. Die Struktur des Schweinerings und die regelmässigen Tierbewegungen hätten eine geografisch breite Betroffenheit ausgelöst.
«Die Situation muss sorgfältig aufgearbeitet werden»
Die Tierschutzorganisation «Pro Tier» kritisiert, wie dieser Ausbruch aufgefasst wird. «Bei Hunden oder Katzen würden wir ein solches Vorgehen kaum akzeptieren». Schweine seien hochsoziale, intelligente und empfindungsfähige Tiere. Da sie als Nutztiere eingeordnet werden, werde das Leiden der Tiere aber in Kauf genommen.
«Nach Abschluss der Bekämpfung muss die Situation sorgfältig aufgearbeitet werden», sagt das BLV. Dazu gehöre auch die Frage, welche Risiken entstehen, wenn Tiere zwischen zahlreichen Betrieben ausgetauscht werden. «Auch die Schweinebranche sollte prüfen, welche Lehren sich daraus für die Organisation der Produktion und die Biosicherheit ziehen lassen.»
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