Druck der jemenitischen Huthi – «Saudi-Arabien muss auf Abschreckung und Annäherung setzen»

Saudi-Arabien verfügt über eine gut finanzierte und hoch ausgerüstete Armee mit westlichen Waffensystemen. Aber das Königreich gerät zunehmend unter Druck vom Iran und seinen Verbündeten wie den Huthis im Jemen.
Sebastian Sons
Saudi-Arabien-Experte
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Sebastian Sons ist Experte für Saudi-Arabien und arbeitet für Carpo, das Centre for Applied Research in Partnership with the Orient. Davor war er u. a. als wissenschaftlicher Abteilungsleiter beim Deutschen Orient-Institut in Berlin und als Journalist tätig.
SRF News: Wie schwierig ist die militärische Lage für Saudi-Arabien?
Sebastian Sons: Das Königreich steckt in einem Dilemma. Einerseits wird es von den Huthis im Jemen angegriffen und wollen die Meerenge Bab al-Mandab sperren. Andererseits gab es Angriffe aus dem Irak, wodurch die Ost-West-Pipeline lahmgelegt wurde. Wirtschaftlich und sicherheitspolitisch steht Saudi-Arabien vor einer diffizilen Situation, die nicht nur militärisch gelöst werden kann. Man hat sieben Jahre Krieg gegen die Huthis geführt, aber keinen militärischen Sieg errungen.
Die Huthis verfügen über lokal produzierte Drohnen und können damit angreifen.
Saudi-Arabien verfügt über eine hochgerüstete Armee. Warum gelingt es den Huthis trotzdem, so viel Druck zu machen?
Asymmetrische Kriegsführung versetzt den eigentlich unterlegenen Gegner in eine Situation, dass er immer wieder empfindliche Schläge durchführen kann. Die Huthis haben sich militärisch neu aufgestellt und verfügen über lokal produzierte Drohnen und Raketen und können damit angreifen. Bei den Angriffen des Irans auf die Golfstaaten hat man mit sehr teuren Patriot-Raketen günstige Drohnen abgeschossen. Das machen sich die Huthis zunutze und es ist für die konventionelle saudische Armee relativ schwer, dagegenzuhalten.
Saudi-Arabien setzt also militärisch auf eine falsche Strategie? Was muss sich ändern?
Der erste Aspekt ist, dass man weiterhin die anerkannte Regierung im Jemen nicht nur politisch, sondern auch mit Waffenlieferungen unterstützt, um die Huthis zurückzudrängen. Dann braucht es die Unterstützung von anderen Partnern. Bisher gibt es kaum Hilfe von der Türkei, Ägypten oder Pakistan. Hier muss versucht werden, auf eine multilaterale Allianz hinzuwirken. Und drittens müssen die Militärstrategie und die eigene Waffenindustrie unabhängiger werden und neu auf die Drohnenproduktion setzen.
Mittelfristig gibt es für Saudi-Arabien keine Alternative zu den USA.
US-Präsident Trump lehnt es ab, Saudi-Arabien mit Luftangriffen gegen die Huthis zu helfen. Hat das Land zu einseitig auf die USA gesetzt und sich so sicherheitspolitisch abhängig gemacht?
Diese Frage muss sich nicht nur Saudi-Arabien stellen, sondern auch Europa. Saudi-Arabien und die USA sind seit den 1950er-Jahren sicherheitspolitisch und militärisch sehr eng verbandelt. Es war häufig eine Zweckehe und nicht immer eine Liebesbeziehung. Darum ist es sehr schwierig für Saudi-Arabien, Alternativen zu finden. So sind etwa chinesische Waffen nicht kompatibel mit US-Waffensystemen. Mittelfristig gibt es also keine Alternative zu den USA. Trotz aller Frustration müssen die Saudis mit den Amerikanern weiter zusammenarbeiten.
Saudi-Arabien muss auf Abschreckung und Annäherung oder Diplomatie setzen.
Wie müsste Saudi-Arabien seine sicherheitspolitische Strategie politisch neu ausrichten?
Mit Diversifizierung, das heisst, eine eigene Militärindustrie aufbauen, sich stärker unabhängig machen, die Partnerschaften diversifizieren, weiterhin mit den USA, aber auch mit Europa und China zusammenarbeiten. Und schliesslich auf Abschreckung und Annäherung oder Diplomatie setzen. Das hat Saudi-Arabien in den letzten Jahren getan, insbesondere gegenüber Iran, aber auch gegenüber den Huthis. Saudi-Arabien muss sich wirtschaftlich neu aufstellen und braucht deswegen Stabilität, das heisst Zurückdrängung auf militärischer Ebene, muss aber gleichzeitig offen sein für diplomatische Lösungen mit dem Jemen oder dem Iran.
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