VR-Präsidium auf Zeit – Weshalb eine Berner IT-Firma jedes Jahr die VR-Spitze auswechselt

Monika Ribar, Severin Schwan oder Peter Spuhler: Alle drei waren oder sind derzeit im Präsidium eines Verwaltungsrats. Eine Person in dieser Rolle gilt häufig als Aushängeschild eines Unternehmens und prägt dessen strategische Ausrichtung.
Auch die IT-Firma Nexplore mit rund 180 Angestellten und Standorten in Bern, Thun, Basel und Zürich hatte jahrelang den gleichen Verwaltungsratspräsidenten: Konrad Hädener, ehemaliger Exekutivpolitiker der Stadt Thun. Er gab 2025 nach über zwanzig Jahren das VR-Präsidium ab.
Die Geschäftsleitung war der Flaschenhals. Wir haben das Unternehmen gebremst.
Die Nachfolge trat Daniel Aebersold an. Bereits nach einem Jahr gibt er das Amt nun an seine Kollegin Brigitte Hulliger weiter. Hintergrund ist ein Rotationsmodell, welches das Unternehmen kürzlich eingeführt hat.
Bereits seit 2019 gibt es bei Nexplore keine klassischen Hierarchien mehr. Teams arbeiten ohne Chefs, alle haben die gleiche Verantwortung. «Wenn wir ganz ehrlich waren, haben wir realisiert, dass wir als Geschäftsleitung das Unternehmen gebremst haben», sagt Aebersold.
Hatte denn der VR-Präsident bisher zu viel Macht im Unternehmen? «Überhaupt nicht. Es geht darum, resilienter zu sein und Erfahrungen in verschiedenen Rollen zu sammeln.» Das sei ein grosser Vorteil, etwa wenn eine Person ausfalle, so Aebersold.
Ich kann Macht und Verantwortung nach einem Jahr ohne Probleme wieder abgeben.
Die aktuelle VR-Präsidentin Brigitte Hulliger ist überzeugt, dass das Rotationsmodell neue Impulse in den Verwaltungsrat bringt. «Im nächsten Jahr kann ich sehen, wie eine andere Person das Präsidium ausübt. Das bringt mich weiter.» Sie habe das Gefühl, dass sie Macht und Verantwortung nach einem Jahr ohne Probleme wieder abgeben könne.
Ein Modell, das sich nicht für alle eignet
Monika Roth ist Expertin für Finanzmarktrecht und Compliance und sagt: Das Rotationsmodell bei Nexplore könne als Inspiration für andere Unternehmen dienen. «Ich glaube jedoch nicht daran, dass das Modell flächendeckend eingeführt wird.» Gerade grössere Unternehmen würden sich kaum für ein Rotationsmodell entscheiden.
Denn in grösseren, oft auch internationalen Unternehmen habe das Verwaltungsratspräsidium viel Gewicht. Und wer das Präsidium übernehme, möchte oft seine eigene Note einbringen. Ein Jahr sei dafür zu kurz, sagt Roth. «Ein Präsident oder eine Präsidentin ist zudem ein wichtiger Ansprechpartner nach aussen, etwa für Finanzanalystinnen und -analysten.»
Der Wechsel nach nur einem Jahr ist zu kurz.
Trotzdem sieht Roth auch Chancen und Vorteile, insbesondere beim Thema Machtkonzentration und Kontrolle. «Wer das Verwaltungsratspräsidium lange innehat, kann ein besonders enges Verhältnis zur Geschäftsleitung aufbauen.» Das könne auch ein Risiko sein, etwa wenn Sachverhalte nicht mehr unabhängig beurteilt würden. Ein Rotationsmodell könne dies verhindern.
Pendant zur Schweizer Politik
Wie ein Rotationsmodell in Führungsgremien funktioniert, zeigt die Schweizer Politik. Auch im Bundesrat oder in Kantonsregierungen wechseln sich Präsidentinnen und Präsidenten jährlich ab. «Das ist eine Besonderheit in der Schweiz», sagt Roth. «Aber es gibt eigentlich keinen sachlichen Grund, weshalb das in der Wirtschaft nicht auch funktionieren sollte.»
Verwaltungsratspräsidium: Rechte und Pflichten
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Eine Verwaltungsratspräsidentin oder ein Verwaltungsratspräsident gilt als «Erste oder Erster unter Gleichen». Er oder sie hat also grundsätzlich die gleichen Rechte wie ein anderes Verwaltungsratsmitglied.
Zum Aufgabenbereich des VR-Präsidiums gehören die Einberufung und häufig auch die Leitung von Sitzungen. Viele Statuten sehen zudem vor, dass der Präsident oder die Präsidentin bei Stimmengleichheit einen Stichentscheid hat.
Das Obligationenrecht schreibt vor: Bei börsenkotierten Unternehmen wählt die Generalversammlung eines der Mitglieder des Verwaltungsrats zum Präsidenten. Die Amtsdauer endet spätestens mit dem Abschluss der nächsten ordentlichen Generalversammlung. Bei übrigen Gesellschaften wählt der Verwaltungsrat eines seiner Mitglieder zum Präsidenten.
Die Erfahrung zeigt, dass das VR-Präsidium häufig über mehrere Jahre von derselben Person ausgeübt wird.
Ob Nexplore das Rotationsmodell fix einführt, hängt von dessen Erfolg ab. Es gelte der Grundsatz, dass das Unternehmen nicht gefährdet werden dürfe. «Ansonsten stoppen wir es», sagt die aktuelle Verwaltungsratspräsidentin.
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Regionaljournal Bern Freiburg Wallis, 22.9.2026, 17:30 Uhr ;ante;brus
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