Von 10 bis 1000 Franken – Warum Brillenfassungen so unterschiedlich viel kosten

Von 10 bis 1000 Franken Warum Brillenfassungen so unterschiedlich viel kosten
Bei Brillenfassungen gehen die Preise weit auseinander. Die Gründe liegen auch in unterschiedlichen Geschäftsmodellen.
26.09.2026, 10:05
Eine Brille kostete 2025 in der Schweiz durchschnittlich 535 Franken. Hinter diesem Durchschnitt stecken jedoch grosse Preisunterschiede: Es gibt Fassungen für weniger als zehn Franken, handgefertigte Modelle können hingegen mehr als 1000 Franken kosten.
So stellt ein Familienbetrieb Brillen her:
Seit den 1980er-Jahren haben grosse Ketten den Optikmarkt verändert. Sie kaufen hohe Stückzahlen ein, können dadurch Kosten senken und mit günstigen Angeboten werben.
Trotzdem gibt es in der Schweiz noch fast doppelt so viele unabhängige Optikgeschäfte wie Filialen von Ketten. «Unabhängige Geschäfte können sich vor allem mit ihren Dienstleistungen von den Ketten abheben», sagt Dominic Ramspeck, Kommunikationsverantwortlicher von Optik Schweiz, gegenüber dem Westschweizer Radio und Fernsehen (RTS).
Unabhängige Optiker schliessen sich zusammen
Der Wettbewerb hat dennoch Spuren hinterlassen. «In den vergangenen 20 Jahren ist rund ein Drittel aller spezialisierten Optikgeschäfte vom Markt verschwunden. Gleichzeitig haben stark integrierte internationale Ketten ihre Präsenz deutlich ausgebaut», sagt Martin Schütz, Geschäftsführer der Optikgruppe Dynoptic.
Viele unabhängige Optiker schliessen sich deshalb Einkaufs- und Optikgruppen an. Rund zehn solcher Zusammenschlüsse gibt es in der Schweiz. Gemeinsam können sie grössere Mengen bestellen und Kosten teilen.
«Eine Optikgruppe unterstützt unabhängige Geschäfte sowohl administrativ als auch strategisch», erklärt Schütz.
Handarbeit für eine andere Kundschaft
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Gewisse Optiker setzen bewusst auf lokale oder handwerkliche Produktion. Der Genfer Paul Trunz arbeitet etwa mit kleineren europäischen Herstellern und lokalen Produzenten zusammen. In seiner Lunetterie des Rois bietet er zahlreiche Fassungen zwischen 170 und 250 Franken an, daneben auch teurere Modelle.
Seit fast 30 Jahren besucht Trunz die Fabriken seiner Lieferanten. «Wenn ich mit einem neuen Designer zusammenarbeite, hole ich die erste Bestellung direkt in der Fabrik ab.»
Noch stärker auf Handarbeit setzen Silvio und Fabio Nardi in Lausanne. Seit zehn Jahren fertigen sie dort Brillen nach Mass. Mit italienischen Materialien und lokaler Herstellung erreichen Preise ab 1000 Franken aufwärts.
«Wir versuchen nicht, alle anzusprechen», sagen die Brüder. «Wenn Kunden zu uns kommen, muss unser Angebot für sie Sinn ergeben. Wir sprechen eine andere Kundschaft an – ähnlich wie Fast Fashion und Haute Couture.»
Auch bei den Nebenkosten kann die Zusammenarbeit helfen. «Wenn man sich zusammenschliesst, kann man etwa die Gebühren für Kartenzahlungen reduzieren», sagt Xavier Moreau, Geschäftsführer von Optic Swiss Services.
Onlinehandel bleibt eine Nische
Trotz tiefer Preise entfallen lediglich rund drei Prozent der Schweizer Brillenverkäufe auf den Onlinehandel.
Die Plattform Blacksheep bietet Fassungen ab 2.55 Euro an. Möglich sei dies, weil Zwischenhändler zwischen der chinesischen Fabrik und der Kundschaft wegfielen, sagt der Gründer der Plattform, Pierre Wizman. «Früher gab es Importeure, Grosshändler, Wiederverkäufer, Lizenzgebühren und Marken.»
Wizman kritisiert die Margen der traditionellen Anbieter. «Es gibt kaum eine Branche, in der ein Produkt für fünf Euro hergestellt und für 500 Euro verkauft wird. Das sind völlig übertriebene Margen.»
Beim Schweizer Optikgeschäft Berdoz widerspricht man dieser Darstellung. Fassungen, die ab Fabrik zehn Franken kosteten, finde man in seinem Sortiment nicht, sagt Verkaufsleiter Ilias Berdoz. Das Unternehmen beziffert die durchschnittlichen Kosten seiner Fassungen auf 250 Franken und die Marge auf rund 65 Prozent.
«Unsere Kostenstruktur ist nicht dieselbe wie bei grossen internationalen Ketten», erklärt Berdoz. Das Unternehmen bezahle seine Kosten in Franken statt in Euro und beschäftige Fachkräfte wie Optometristinnen und Optiker, die die Kundschaft betreuten.
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