Zürich verliert zweite Bank innert Wochen

- Die Cembra Money Bank verlegt ihren Hauptsitz von Zürich-Altstetten nach Baden AG – rund 660 Mitarbeitende ziehen im Herbst 2027 um.
- Nach Vontobel, das bis 2030 nach Baar ZG wechselt, verlässt damit innert Wochen die zweite Bank die Stadt Zürich.
- Der Zürcher Bankenverband bezeichnet die Abgänge als «Weckruf» und fordert eine selbstkritische Überprüfung der Standortpolitik.
Die Cembra Money Bank verlegt ihren Hauptsitz von Zürich-Altstetten nach Baden im Aargau. Rund 660 Mitarbeitende werden künftig dort arbeiten. Das teilt die Bank mit. Der Umzug soll im Herbst 2027 erfolgen. Cembra ist auf Privatkredite, Leasing und Kreditkarten spezialisiert und betreut über zwei Millionen Kundinnen und Kunden.
Beziehen wird Cembra den Gebäudekomplex Konnex im ehemaligen Industriequartier Baden-Nord. Die Bank verweist auf die moderne Infrastruktur und die gute Anbindung an den öffentlichen Verkehr.
«Wir wollen sicherstellen, dass unsere Arbeitsumgebung langfristig zu unserer Unternehmenskultur, unseren Zielen und den Bedürfnissen unserer Mitarbeitenden passt», sagt CEO Holger Laubenthal. Kundinnen und Kunden würden weiterhin über die fünf Hubs und das Partnernetz in der ganzen Schweiz bedient. Der Kundenhub an der Löwenstrasse in der Zürcher Innenstadt bleibt bestehen.
«Gestaltungsmöglichkeiten sind beschränkt»
Cembra begründet den Schritt mit der veränderten Arbeitswelt. «Die heutigen Räumlichkeiten wurden für andere Bedürfnisse konzipiert, und die Gestaltungsmöglichkeiten sind beschränkt», sagt Kommunikationschefin Nicole Bänninger zum «Tages-Anzeiger». Man habe verschiedene Objekte geprüft, «auch in Zürich». Baden habe die Anforderungen am besten erfüllt.
Zur Frage, ob die Steuerbelastung eine Rolle spielte, äussert sich die Bank nicht. Klar ist: In Baden liegt die effektive Gewinnsteuerbelastung bei rund 15 Prozent, in der Stadt Zürich bei 19,6 Prozent. Cembra zahlte im vergangenen Jahr rund 45 Millionen Franken Steuern – ein beachtlicher Teil davon an Stadt und Kanton Zürich.
Bankenverband spricht von «Weckruf»
Es ist innert weniger Wochen die zweite bekannte Bank, die Zürich verlässt: Vontobel verlegt seinen Hauptsitz bis 2030 nach Baar ZG, wo die Gewinnsteuerbelastung unter 12 Prozent liegt.
Der Zürcher Bankenverband wertet die beiden Entscheide als «Weckruf». Für Stadt und Kanton müsse die Verlagerung «Anlass sein, ihre Standortpolitik selbstkritisch zu überprüfen», sagt Geschäftsführer Christian Bretscher zum «Tages-Anzeiger». Banken tragen in der Stadt Zürich 38,6 Prozent der Unternehmenssteuern bei.
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Konstantin Furrer (fur) arbeitet seit 2017 für 20 Minuten. Seit 2022 Newsdesk-Leiter, daneben Blattmacher und Mitglied der Redaktionsleitung.
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