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Friday, September 25, 2026

Gehen die Vereinigten Staaten von Amerika bald pleite?

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  • Allein die Zinsen auf den US-Staatsschulden kosten Steuerzahlende täglich rund 2,8 Milliarden Dollar.
  • Der US-Anleihenmarkt steht unter Druck, weil Anleger das Vertrauen verlieren und höhere Renditen fordern.
  • Nur ein grundlegender Politikwechsel – etwa ein Ende des Irankrieges oder ein Abbau des Haushaltsdefizits – könnte laut Experten nachhaltig Abhilfe schaffen.

Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump prahlt gerne mit den Rekordhöhen der US-Aktienmärkte. Sowohl S&P 500 als auch der Nasdaq steigen trotz KI-Blase-, Öl-Preis- und Privat-Credit-Sorgen relativ ununterbrochen. Finanziell sorgt ein anderer Markt jedoch für ordentlich Kopfschmerzen. Beim US-Anleihemarkt – auch als Obligationenmarkt bezeichnet – stehen die Vereinigten Staaten vor grösseren Problemen.

Auf dem Obligationenmarkt können Staaten und Unternehmen durch die Ausgabe von Schuldpapieren Geld aufnehmen, um ihre Ausgaben, die nicht durch Steuern gedeckt werden können, zu finanzieren. Die US-Regierungen der letzten Jahrzehnte haben dies in grossem Stil getan. Die Staatsschulden erreichten vor kurzem über 40 Billionen US-Dollar – allein die Zinsen darauf kosten die Steuerzahlenden in der Theorie jeden Tag rund 2,8 Milliarden.

Doch in Zukunft könnte es immer schwieriger und teurer werden, neue Schulden aufzunehmen. Die Käufer und Halter dieser Schuldpapiere – auch Treasuries genannt – verlieren immer mehr das Vertrauen in ihre Investitionen und verlangen deswegen immer höhere Zinsen auf ihre Investitionen.

Traditionelle Käufer wandern ab

«Anleger werden zunehmend nervös», sagt Matthias Geissbühler, CIO von Raiffeisen Schweiz. Grund sei das laufend steigende Angebot an US-Staatsanleihen infolge der stark wachsenden Staatsverschuldung, während gleichzeitig die Nachfrage wichtiger Käufer nachlasse. «China hat seine Bestände an US-Anleihen seit 2013 von rund 1,3 Billionen auf derzeit knapp 600 Milliarden US-Dollar halbiert.» Auch Japan, der grösste ausländische Gläubiger der USA, hat zuletzt weniger US-Staatsanleihen gehalten.

Matthias Weber, HSG-Professor am Schweizerischen Institut für Banken und Finanzen, sieht zudem etwa den Irankrieg als weiteren Grund. Dadurch verursachte höhere Öl- und damit Energiepreise heizten Inflationserwartungen an und der kostspielige Krieg selbst wirke sich auf das US-Haushaltsdefizit aus. Über allem schwebe zudem ein angeschlagenes Vertrauen in den US-Dollar als Leitwährung.

Xi Jinping und Donald Trump beim Empfang mit militärischen Ehren. China hat seine US-Anleihen seit 2013 auf unter 600 Milliarden Dollar halbiert.

Xi Jinping und Donald Trump beim Empfang mit militärischen Ehren. China hat seine US-Anleihen seit 2013 auf unter 600 Milliarden Dollar halbiert.Getty Images via AFP

«Ein Tropfen auf den heissen Stein»

Das US-Finanzministerium unter Scott Bessent hat wiederholt versucht, den Anstieg der langfristigen Zinsen zu bremsen. «Dazu gehörten unter anderem Rückkäufe von Staatsanleihen sowie Massnahmen beim Schuldenmanagement», so Geissbühler. Beide Experten sagen jedoch, dass die Eingriffe lediglich für kurzfristige Entlastungen gesorgt hätten. «Deren Wirkung ist inzwischen weitgehend verpufft», so der Raiffeisen-Chefanleger. «Gemessen an einem Treasury-Markt von gut 30 Billionen Dollar beziehungsweise einer gesamten US-Staatsverschuldung von über 40 Billionen sind etwa Rückkäufe in einem Umfang von bis zu sechs Milliarden ein Tropfen auf den heissen Stein.»

Auch der Schritt der US-Regierung im Juli, den japanischen Yen durch Einkäufe der Währung zu stabilisieren, wird von Analysten wie Rebecca Patterson, Senior Fellow beim Council on Foreign Relations, als Massnahme gesehen, um Japan von weiteren Verkäufen von US-Anleihen abzuhalten. Ein Mittel, das Japan nutzt, um Geld für Yen-Rückkäufe freizumachen und so die eigene Währung zu stützen. «Es ist davon auszugehen, dass der Yen-Eingriff der US-Regierung keine bedeutende Rolle für US-Anleihen spielt», sagt allerdings Weber. Nach einer kurzfristigen Stabilisierung sind die Renditen etwa für zehnjährige US-Anleihen auch schnell wieder gestiegen.

Politikwechsel oder Pleite?

Der US-Regierung blieben nun nur sehr beschränkte Möglichkeiten, dagegen vorzugehen, sagt Geissbühler. «Die einzige Institution, die dazu wirksam in der Lage wäre, ist die US-Notenbank Fed.» Die Risiken eines solchen Vorgehens seien jedoch beträchtlich. «Käufe durch die unabhängige Zentralbank würden die Inflation weiter antreiben», erklärt Weber. Zudem betonen beide, dass Fed-Chef Warsh erst letzte Woche mit einem Verzicht auf eine Zinserhöhung gezeigt habe, dass die Inflation für ihn eine höhere Priorität hat.

«Es wird schwierig für die USA sein, den Anleihenmarkt zu stützen, ohne dabei einen grundlegenden Politikwechsel zu vollziehen», sagt Weber. Eine Senkung des Haushaltsdefizits und ein Ende des Irankrieges seien dabei zwei mögliche Schritte. «Wenn Washington wieder eine berechenbare Handels- und Wirtschaftspolitik verfolgen würde und sich wieder an internationalem Recht und internationalen Normen orientieren würde, könnte das ein Stück der Glaubwürdigkeit der USA wiederherstellen und als Nebeneffekt den Dollar und die US-Anleihemärkte stützen.»

Droht ansonsten die Staatspleite? «Diese Gefahr besteht derzeit nicht unmittelbar», sagt Geissbühler. «Die eigentliche Gefahr besteht daher weniger in einer Zahlungsunfähigkeit als in dauerhaft höheren Zinsen, einer schleichenden Abwertung der Währung und einem zunehmenden Verlust an fiskalischem Handlungsspielraum.» Auch Weber sagt, die USA könne im Notfall das benötigte Geld «drucken» und die Inflation in Kauf nehmen. Doch: «Die derzeitige US-Regierung hat oft gezeigt, dass sie bereit ist, sich über Recht und Normen hinwegzusetzen. Ein sehr kleines Risiko, dass sie einfach beschliesst, dass ein Teil der Anleihen nicht bedient wird, existiert also tatsächlich.»

Jan Janssen

Jan Janssen (jjn) arbeitet seit 2023 für 20 Minuten. Zuerst im Ressort Zürich und seit 2025 im Ressort News.

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