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Tuesday, September 29, 2026

Bucerius Kunst Forum zeigt Raritäten jüdischer Kunstsammler

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Das Kunstwerk "Alter Fischer mit Tochter" (1902) von Edvard Munch

Ausstellung in Hamburg Geschichten von Enteignung und Vertreibung

Stand: 29.09.2026 • 11:41 Uhr

Weltweit sind schätzungsweise 600.000 Werke aus jüdischem Besitz ungeklärt. Das Bucerius Kunst Forum in Hamburg zeigt 15 jüdische Kunstsammlungen und ihre Geschichte. Nachkommen fordern Restitution und Entschädigung.

Von Ralf Dörwang, NDR

Kathrin Baumstark, die Leiterin des Bucerius Kunst Forums in Hamburg, ist beschämt über Gespräche mit den Erben jüdischer Kunstsammler. Noch immer bürde man ihnen die Bringschuld auf. Sie selbst müssen nachweisen, dass ihren Vorfahren Kunstwerke von den Nazis geraubt oder unter Druck abgekauft wurden, oft um die Flucht vor dem Holocaust zu finanzieren.

"Drück ihn noch mal im Preis, er muss ja eh gehen." Solche Notizen von Museumsdirektoren habe das Kunst Forum bei den aufwändigen Recherchen zur Ausstellung gefunden. Für die Schau "Von Monet bis Picasso - Jüdische Kunstsammler*innen in Deutschland" haben Baumstark und ihr Team fünf Jahre lang recherchiert.

Eines der von Nazis geraubten Meisterwerke aus der Ausstellung: "Der Leuchtturm von Honfleur" von Claude Monet

Wiederentdeckung jüdischer Kunst-Mäzene

95 Kunstwerke namhafter Malerinnen und Maler aus jüdischem Besitz werden gezeigt, darunter Bilder von Vincent Van Gogh, Paul Cézanne, Max Pechstein, Paula Modersohn-Becker, Emil Nolde, Claude Monet und Ferdinand Hodler. Manche davon sind nach ihrer Rückgabe an die Erben zum ersten Mal nach Kriegsende wieder in Deutschland zu sehen.

Die Ausstellung erinnert an heute oft vergessene Kunst-Mäzene der 1920er- und 1930er-Jahre. Zu ihnen gehört die Berlinerin Margarethe Mauthner, Nachbarin und Unterstützerin von Max Liebermann. Ihr einflussreiches Netzwerk prägte das urbane Kunstleben der Jahrhundertwende.

Kunst verkaufen, um die Flucht zu finanzieren

Durch die Judenverfolgung wurde Mauthner aus der Gesellschaft gedrängt. Ab 1938 mussten Jüdinnen und Juden die "Judenvermögensabgabe" leisten, anfangs 20, später 25 Prozent des Vermögens. Zusammen mit der "Reichsfluchtsteuer" führte diese Abgabe Familien oft in den wirtschaftlichen Ruin.

Margarethe Mauthner musste Kunstwerke unter Druck verkaufen, um die Flucht ihrer Familie nach Südafrika zu finanzieren. Sie behielt nur wenige Stücke, darunter ein Porträt ihrer Enkelin, gemalt von Max Liebermann. Ein kleines Leinwandformat, das sich gerollt im Koffer transportieren ließ. Noch heute trägt es Spuren der hastigen Flucht.

Ähnlich gelagert ist der Fall von Max Emden, Kaufhauspionier und Kunstliebhaber, einer der wohlhabendsten Männer der 1920er-Jahre in Hamburg. Er war Mitbegründer der Hamburger Universität und leidenschaftlicher Kunstsammler.

Demütigend langer Weg zur Restitution

Auch er verlor mit Beginn der Judenverfolgung sein Vermögen, musste seine Grundstücke in Hamburg verkaufen und sich von Kunstwerken trennen. Als er 1940 starb, finanzierte sein Sohn durch weitere Kunstverkäufe die eigene Flucht nach Chile.

Wo sich große Teile seiner Sammlung heute befinden, ist noch immer ungeklärt. Ein Canaletto aus Emdens Sammlung hing nach dem Zweiten Weltkrieg jahrelang in der Villa Hammerschmid, dem Bonner Sitz des Bundespräsidenten. Erst 2019 erhielt die Familie Emden das Bild und ein weiteres Gemälde des italienischen Meisters zurück.

Hamburg sperrt sich gegen die Rückgabe

"Es ist ein langer Weg", sagt Urenkelin Maeva Emden. Sie führt den Kampf ihres Großvaters um Entschädigung und Restitution weiter. Dem 80-Jährigen fehle mittlerweile die Kraft für die langjährige Auseinandersetzung. Die beiden Canalettos habe sie gleich wieder veräußern müssen, um die Kosten der Rechtsstreitigkeiten zu decken. Es geht auch um 30 Grundstücke in Hamburg, die ihr Urgroßvater unter Zwang verkaufen musste.

Bislang sperrt sich der Hamburger Senat gegen eine Rückgabe. Maeva Emden ist entschlossen, weiterhin "für Aufklärung und Wiedergutmachung" zu kämpfen. Der Hamburger Senat müsse die Familie hören, dürfe nicht mehr von den Grundstücken profitieren.

Nur 26 Streitfälle in 20 Jahren bearbeitet

Mit der "Washingtoner Erklärung" hatten sich 1998 insgesamt 44 Staaten bereit erklärt, NS-Raubkunst zu identifizieren und eine "faire und gerechte" Lösung für die Nachkommen zu finden. Darunter ist auch Deutschland.

2003 gründete die Bundesrepublik die "Beratende Kommission", die den Erben helfen sollte, ihre Ansprüche geltend zu machen. In den gut 20 Jahren ihres Wirkens hat diese Kommission nach eigenen Angaben ganze 26 Streitfälle bearbeitet. Seit 2026 gibt es überdies das "Schiedsgericht". Zu ihm gehören Bund, Länder, Kommunen, der Zentralrat der Juden in Deutschland und die Jewish Claims Conference. Es soll "bindende Urteile" zu Kulturgut fällen, das Jüdinnen und Juden "NS-verfolgungsbedingt" entzogen wurde.

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