Digital-Health-Podcast: Hat das Stethoskop bald ausgedient?
Ein Smartphone ans Herz halten und nach wenigen Sekunden einen Hinweis auf eine mögliche Herzklappenerkrankung erhalten: Kann das funktionieren, und brauchen Ärztinnen und Ärzte dann überhaupt noch ein Stethoskop? Zum heutigen Weltherztag geht es darum, wie sich die digitalen Methoden der Herzmedizin verändern.
Der Kardiologe Dr. Philipp Breitbart engagiert sich unter anderem bei der Young DGK und im Bereich Digitalisierung.
(Bild: DGK)
Im Digital-Health-Podcast spricht Marie-Claire Koch über die Zukunft der Kardiologie mit Philipp Breitbart, der am MVZ CCB Frankfurt und Main-Taunus arbeitet und sich bei der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) sowie der Young DGK engagiert. Bereits in einem früheren Gespräch hatte er KI-gestützte Stethoskope eingeordnet. Diesmal geht es vor allem um die Technik, die Breitbart selbst im Praxisalltag nutzt: von Smartwatch-EKGs über Taschenultraschall bis zum Herz-CT.
Stethoskop verliert an Bedeutung
Aber auch Theodor Health ist Thema. Die auf den Herztagen der DGK gezeigte Anwendung soll Herzgeräusche per Smartphone erfassen und mit KI auswerten. Mitentwickler Maximilian Priebe, Arzt in der Kardiologie am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, will damit ein niedrigschwelliges Angebot schaffen, wie er gegenüber heise online erklärte.
Zugleich betont er, dass sich das Produkt noch im Zertifizierungsprozess befindet. Die über die Anwendung erhobenen Daten dienten auch der weiteren Produktentwicklung. Laut Priebe werden sie auf Servern in Deutschland verarbeitet. Eine kostenlose Version soll auch nach einer möglichen Kommerzialisierung verfügbar bleiben.
Breitbart sieht in solchen Anwendungen eine mögliche Hilfe, um Menschen gezielter zur weiteren Untersuchung zu schicken. Ob die Ergebnisse auch außerhalb von Studien zuverlässig sind, müsse sich aber erst zeigen. Ein auffälliges Herzgeräusch ersetzt keine Diagnose; für die genaue Beurteilung einer Herzklappenerkrankung braucht es weiterhin eine Echokardiografie.
„Und auch die KI ist nicht bei 100 Prozent. [...] Die Kunst des ärztlichen Handelns ist ja, Entscheidungen zu treffen, die Dinge einzuordnen, ob jemand krank ist oder nicht, ob jemand behandelt werden muss oder nicht und auch dem Patienten diese Dinge entsprechend zu erklären“, so Breitbart.
Im Podcast geht es auch darum, welche Technik die Versorgung tatsächlich erleichtert. Breitbart erklärt, warum er Smartwatch-Aufzeichnungen bei gelegentlichem Herzrasen hilfreich findet, weshalb er für eine frühere Erkennung von Ablagerungen im Herz-CT plädiert und warum angehende Ärztinnen und Ärzte trotzdem noch selbst lernen sollten, wie man richtig abhört.
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