SP-Frau kämpft gegen Schoggi und Gummibärli an der Kasse

- Süssigkeiten an der Supermarktkasse könnten bald der Vergangenheit angehören – das zumindest fordert ein neuer Vorstoss.
- SP-Nationalrätin Laurence Fehlmann Rielle verlangt vom Bundesrat Massnahmen gegen ungesunde Produkte im Kassenbereich grosser Geschäfte – damit will sie insbesondere Kinder schützen.
- Mitte-Nationalrat Thomas Rechsteiner hält davon nichts: Eine andere Kassenauslage ersetze weder eine gesunde Ernährung noch einen Spaziergang.
- Auch die Branche wehrt sich: Die Forderung greife «sehr stark» in die Angebots- und Ladengestaltung ein.
«Mami, darf ich?» – «Nein.» – «Biiitte!» Beim Warten an der Kasse wird der Grosseinkauf für Eltern schnell zur Geduldsprobe. Denn neben dem Fliessband locken Schoggi-Riegel, Gummibärchen und anderes Schleckzeug.
Ein politischer Vorstoss will das ändern: Statt Süssigkeiten sollen an den Kassen künftig vermehrt gesündere Alternativen stehen.
SP-Nationalrätin will gesündere Kassenbereiche
In einer Motion verlangt SP-Nationalrätin Laurence Fehlmann Rielle vom Bundesrat, dass dieser Massnahmen ergreift, damit «Kinder an den Kassen grosser Geschäfte nicht mehr massiv ungesunden Produkten ausgesetzt sind».
Bereits 2021 brachte die Genferin das Thema im Parlament auf. Damals sprach sich der Bundesrat für eine Empfehlung an die Grossverteiler aus, ihre Kassenbereiche gesünder zu gestalten. Passiert sei seither jedoch nichts, kritisiert Fehlmann Rielle. Die Situation habe sich vielmehr weiter verschlechtert. Sie verweist auf eine Analyse des Westschweizer Konsumentenverbands, der über 2200 Produkte in 30 Geschäften untersucht hat. Demnach seien 98 Prozent der bedienten Kassen in Genf mit Süssigkeiten bestückt, im Rest der Westschweiz sehe es nicht besser aus.
«Es sei daran erinnert, dass in der Schweiz 43 Prozent der Bevölkerung übergewichtig oder fettleibig sind und dass auch Kinder und Jugendliche davon nicht verschont bleiben», betont Fehlmann Rielle in ihrem Vorstoss. Sie fordert ein Ende des «für Kinder und Jugendliche schädlichen Marketings».
Mitte-Nationalrat warnt vor staatlicher Bevormundung
Bei Mitte-Nationalrat Thomas Rechsteiner stösst die Idee auf wenig Unterstützung. «Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht», so sein Fazit. Zwar sei der Jugendschutz wichtig – aber der Staat müsse nicht auch noch bestimmen, was an der Supermarktkasse stehen dürfe. Wer Kinder vor jeder Versuchung bewahren wolle, erziehe sie nicht zu selbstständigen Menschen, ist Rechsteiner überzeugt. «Wir brauchen mündige Bürger, keine staatlich beaufsichtigten Einkaufswagen.»
Grossverteiler wie auch Bäckereien, Metzgereien und kleine Detailhandelsläden dürften ihr Sortiment im Rahmen der geltenden Gesetze frei gestalten. Die Kaufentscheidung liege bei den Kunden und die Erziehung der Kinder bei den Eltern, so der Innerrhoder. Auch den gesundheitlichen Nutzen bezweifelt er: «Eine andere Kassenauslage ersetzt weder eine ausgewogene Ernährung noch einen Spaziergang», argumentiert er. Und: Wer weniger Zucker konsumieren wolle, müsse nicht auf ein Verbot warten.
Detailhändler sehen Eltern in der Verantwortung
Auch die IG Detailhandel, die die Interessen von Coop, Migros und Denner vertritt, beurteilt den Vorstoss «kritisch». Er greife «sehr stark» in die Angebots- und Ladengestaltung ein, sagt Sprecher Manuel Toma zu 20 Minuten. «Zudem ist äusserst fraglich, ob diese Massnahme einen spürbaren Effekt auf die Ernährung der Kinder hat.»
Die Produktauswahl an den Kassen der Mitglieder der IG Detailhandel sei vielfältig, so Toma. Oft gebe es auch Alternativen wie salzige Snacks oder Trockenfrüchte. «Artikel wie Früchte und Gemüse sind sehr pflegeintensiv und eignen sich unter anderem deshalb nicht für den Kassenbereich.» In vielen Filialen gebe es zudem Selbstbedienungskassen ohne Süssigkeiten.
Laut Toma werden die Snacks nicht gezielt in Reichweite von Kindern platziert, sondern eher in Reichweite wartender Erwachsener. «Letztendlich sind es die Eltern, die entscheiden, welche Produkte sie für ihre Kinder kaufen – und sie wissen, was für sie geeignet ist», betont er.
Welche Kassenauslage würdest du beim Einkaufen am ehesten begrüssen?
Als Nächstes wird sich der Bundesrat zu Fehlmann Rielles Forderung äussern müssen – bevor sie in den Nationalrat kommt. Stimmt dieser zu, wird sich auch die Kleine Kammer damit befassen. Wird der Vorstoss im Parlament angenommen, muss der Bundesrat die Forderungen umsetzen.
Christina Pirskanen (pir) arbeitet seit 2022 für 20 Minuten. Sie ist seit Januar 2026 stv. Leiterin des Ressorts Politik.
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