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Monday, October 26, 2026

Schuster über Trainergesundheit: Selbstkritik, Selbstpflege und kurze Amtszeiten

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Julian Schuster hat Vincent Kompany mit Nachrichten verschont, dem Bayern-Tross nach dem direkten Duell aber eine Aufmerksamkeit für den von ihm sehr geschätzten FCB-Chefcoach mitgegeben. Danach äußerte Schuster anhand seines intensiven Alltags ausführlich seine Gedanken zum Thema Trainergesundheit.

Nach ein paar Fragen rückt die Freiburger 1:3-Niederlage gegen die Bayern im Medien-Gespräch mit Julian Schuster in den Hintergrund. Rund um dieses Spitzenspiel am Sonntagabend steht ein anderes Thema im Fokus: der Ausfall von FCB-Cheftrainer Vincent Kompany aus gesundheitlichen Gründen infolge eines Zusammenbruchs am Freitag auf dem Trainingsgelände der Münchner.

"Das war eine Nachricht, die natürlich nicht schön war und nicht spurlos an einem vorbeigeht. Das nimmt einen schon mit, man macht sich Gedanken, das war natürlich auch Thema bei uns im Trainerteam, und zu Hause habe ich mich mit meiner Frau darüber unterhalten", schildert Schuster seinen Umgang mit der Nachricht, die mindestens ganz Fußball-Deutschland aufgeschreckt hat.

Schuster, der grundsätzlich sehr am Austausch mit seinen Berufskollegen interessiert ist, schätzt Kompany in besonderem Maße - vor allem als Person. Diese Sympathie und Wertschätzung hat Schuster erst Ende August in einem kicker-Gastbeitrag zum Ausdruck gebracht, als Kompany bei der Wahl zum Trainer des Jahres zum direkten Nachfolger des Freiburgers gekürt wurde.

Seit Kompanys Zusammenbruch habe Schuster bewusst auf eine direkte Nachricht verzichtet: "Ich finde es wichtig, jemanden in so einem Fall in Ruhe zu lassen. Ich möchte auch nicht, dass sich jemand vielleicht verpflichtet fühlt zu antworten, obwohl es einem nicht gut geht", erklärt der 41-Jährige, der stattdessen der Bayern-Delegation am Sonntagabend eine "Kleinigkeit" für Kompany mit auf die Heimreise gab. "Es ging mir darum, ein Symbol zu senden, gedanklich dabei zu sein. Ich wünsche ihm natürlich Gesundheit und vollständige Genesung. Ich hoffe, dass Vincent dann wieder mit seiner Energie und Ausstrahlung, mit seiner Positivität an der Linie steht."

Schuster hofft, dass Kompany "die nötige Ruhe findet und sich selbst die Zeit gibt". Schön findet Schuster in diesem Zusammenhang die Botschaften der Bayern-Verantwortlichen um Sportvorstand Max Eberl, der eher von Wochen als von Tagen in Bezug auf eine Rückkehr Kompanys spricht und damit keine zeitlichen Einschränkungen mache. Schuster weiß allerdings aus eigener Erfahrung, dass es dabei vor allem auf die Eigenverantwortung Kompanys ankommen wird: "Wir Trainer sind da nicht immer so gut darin, auf uns selbst zu achten, weil wir natürlich die Verantwortung haben."

Schuster und der hohe Anspruch an sich selbst: "Ich habe noch keinen einzigen Fehltag"

Die von BVB-Coach Niko Kovac aufgeworfene Frage, "Wer passt eigentlich auf den Cheftrainer auf?", empfindet Schuster als relevant. Der Fall Kompany biete jetzt auch "eine gewisse Chance, das anzunehmen und umzusetzen. Wir selbst sind es, die das auch zulassen müssen", so Schuster: "Ich habe bisher noch keinen einzigen Fehltag, weil wir natürlich funktionieren und da sein wollen. Für unsere Mannschaft, für unser Trainerteam, für den Staff. Es ist eine Aufgabe, die dich rund um die Uhr beschäftigt."

Die Rolle als Familienvater komme bei Kompany, Schuster selbst und vielen anderen Kollegen noch hinzu: "Dann geht es zu Hause weiter. Und wenn du das Privileg hast, alle drei, vier Tage spielen zu dürfen, bewegst du dich nach einem Spiel in einem emotionalen Zustand, das jüngste Ergebnis zu verarbeiten, und gleichzeitig bist du in Gedanken schon wieder gefangen, was die nächste Aufgabe angeht", führt Schuster aus: "In dieser Phase hast du keinen freien Tag, fast über Wochen."

Schuster formuliert diese Zustandsbeschreibung nicht als Klage über die Bedingungen in seinem Job. Er begreift diesen hoch bezahlten Beruf unter großem öffentlichen Interesse seit jeher als großes Privileg. Viel eher wirkt es so, dass der Fall Kompany auch für Schuster eine seltene Gelegenheit darstellt, ausführlich über seinen intensiven Alltag zu sprechen und sich im Zuge dieser Schilderung mal wieder so richtig bewusst zu werden, dass er zu wenig auf sich und seine Gesundheit achtet.

"In unserem Umfeld haben wir eine top Organisation und super Essen", betont Schuster die Vorzüge innerhalb eines Profiteams, wirft aber wichtige individuelle Fragen auf: "Was ist mit dem Thema Schlaf? Was ist mit spätabends noch arbeiten und frühmorgens wieder?" Seine wenig gesundheitsförderliche Bestandsaufnahme: "Es ist am anspruchsvollsten, sich echte Momente zum Abschalten zu nehmen, die haben wir eigentlich nicht. Das ist unser tägliches Brot und deshalb geben wir uns dann auch selten die Zeit, wenn wir dann noch was haben und angeschlagen sind, das entsprechend auszukurieren, weil du selbst diesen Anspruch hast, da sein zu wollen und vor Ort zu helfen."

Schuster: "Wir sind Meister darin, anderen Dinge zu empfehlen"

Schuster räumt ein, dass es im Rahmen der aktuellen Pro-Lizenz-Trainerausbildung Inhalte, Ratschläge und Mahnungen gibt, als Cheftrainer unbedingt auch auf "Selfcare" zu achten, also das Kümmern um sich selbst. Sich Pausen zu gönnen, selbst noch ein gewisses Maß an Sport zu treiben, auf gute Ernährung und ausreichend Schlaf zu achten - eine halbwegs gesunde Work-Life-Balance zu wahren. Das offensichtliche Problem: Gerade bei Trainern von Europacup-Vertretern mangelt es im dichten Terminplan an der angemessenen Umsetzung der Selbstpflege.

"Wir sind Meister darin, anderen Dinge zu empfehlen. Ich sage es ständig meinen Co-Trainern und versuche auch, eine gewisse Kultur ein Stück weit zu verändern, dass der eine oder andere am Tag nach einem Spiel auch mal nicht anwesend sein muss und frei hat", sagt Schuster, der sich in seiner eigenen Rolle jedoch an gewisse Abläufe und Verantwortlichkeiten gebunden sieht. "Beim Cheftrainer wird es anders wahrgenommen, wenn er fehlt." Schusters Beispiel: das Spiel-Ersatztraining der Reservisten: "Unabhängig vom Ergebnis habe ich am Tag nach dem Spiel zehn Jungs, die nicht so happy sind. Denen möchte ich auch gerecht werden."

Julian Schuster (re.) und sein Co-Trainer Florian Bruns

Viele Spiele, permanente Anspannung: Julian Schuster (re.) und Florian Bruns, einer seiner drei Co-Trainer IMAGO/Kessler-Sportfotografie

Schuster möchte bei aller expliziten und impliziten Selbstkritik auch für ein gewisses Verständnis für die Art der Ausübung des eigenen Jobs sorgen: "Wir sind diejenigen, die Tag für Tag vor der Gruppe stehen. Da gibt es Tage, an denen du eigentlich die Energie nicht hast, sie aber trotzdem geben musst. Diese Momente zehren natürlich an dir."

Einerseits eine nachvollziehbare Perspektive, andererseits müsste wohl in weiten Teilen der Branche ein Umdenken stattfinden. Es sollte jedenfalls selbstverständlich sein und nicht hinter vorgehaltener Hand als Fauxpas gewertet werden, wenn auch ein Cheftrainer aufgrund von Krankheit mal nicht zur Arbeit kommen kann.

Und wenn du das nicht mehr kannst, dann geht es dahin und dann muss vielleicht der Nächste kommen.

Julian Schuster

Die Zeit wird zeigen, ob sich an den Alltagsabläufen von Schuster und Co. Dinge ändern werden - zum Wohle der Cheftrainer. Wünschenswert wäre es. Schuster weist an dieser Stelle aber auch auf die gerade an anderen Standorten zeitlich oft eng begrenzten Cheftrainer-Amtszeiten hin. "In bestimmten Phasen hast du vielleicht nicht mehr die Energie, alles aufzunehmen, zu verarbeiten, dir die Zeit zu nehmen und die Empathie aufzubringen, alle abzuholen und zu führen. Und wenn du das nicht mehr kannst, dann geht es dahin und dann muss vielleicht der Nächste kommen", sagt Schuster.

Der seit seinem Start im Sommer 2024 so erfolgreiche Freiburger Cheftrainer macht allerdings nicht den Eindruck, dass sein Amtsende unmittelbar bevorsteht. Im Gegenteil. Es wirkt im Klub der Langzeittrainer viel eher wie der Beginn der nächsten prägenden Trainer-Ära.

Mit Blick auf die zwölfeinhalb Jahre als Profi-Cheftrainer seines legendären Vorgängers und Mentors Christian Streich betont Schuster allerdings: "Es ist sehr beachtlich und für mich schwer vorstellbar, das mit dieser Energie über zwölf Jahre so zu leben. Da fehlt mir aktuell die Vorstellungskraft." Mit künftig mehr echten Pausen und einem höheren Maß an Selbstpflege könnte eine solche aber wohl leichter entstehen.

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