Live-Q&A der Community – Lesen, KI, Integration: Wie sich die Schule verändert

Im Live-Q&A haben Fachleute Community-Fragen zur Schule und Bildung in der Schweiz beantwortet. Die wichtigsten Erkenntnisse.
Frühe Sprachförderung wirkt – wenn sie im Alltag stattfindet
Was braucht es, damit möglichst alle Kinder beim Kindergarteneintritt Deutsch verstehen und sprechen können? Laut Valentin Unger gelte die sogenannte alltagsintegrierte Sprachförderung als besonders wirksam. Unger ist Bereichsleiter Ausbildung im Institut Pädagogische Psychologie der Pädagogischen Hochschule St. Gallen (PHSG).
Sprache werde dabei nicht nur in einzelnen Lektionen vermittelt, sondern beim Spielen oder Erzählen gefördert. Auch die Eltern könnten einen wichtigen Beitrag leisten. Wissenschaftlich gut belegt seien Angebote, die Eltern zeigen, wie sie im Alltag sprachlich anregende Gespräche führen oder gemeinsam Bücher betrachten können.
Integration in der Schule ist nicht nur ein pädagogisches Ziel
Führt die integrative Schule zu schlechteren Leistungen in den Klassen? Die bisherigen Forschungsbefunde sprechen laut Miriam Compagnoni, Bereichsleiterin Bildungswissenschaften an der Pädagogischen Hochschule Zürich, eher dagegen.
«Die integrierten Schülerinnen und Schüler zeigen häufig bessere Leistungen in der Regelschule als in Sonderschulen, ohne dass die Leistung der anderen Kinder schlechter wird.»
Entscheidend sei aber, unter welchen Bedingungen die Integration stattfinde. Eine wichtige Rolle spielen die Zusammensetzung der Klasse und die verfügbaren Unterstützungsangebote. Compagnoni betont jedoch auch, dass die Regelklasse nicht für jedes Kind automatisch «das beste Setting» sei.
«Auch heute sind noch viele Kinder in Sonderklassen und Sonderschulklassen.» Neben dem Lernerfolg erfülle die Schule zudem eine gesellschaftliche Aufgabe: «Kinder lernen, mit unterschiedlichen Menschen zusammenzuarbeiten – das ist wichtig für Integration, Verständnis und Demokratiebildung.»
KI soll menschliche Fähigkeiten ergänzen – nicht ersetzen
Wie bereitet das Bildungssystem Kinder und Lehrpersonen auf künstliche Intelligenz vor? Laut Josef Buchner haben die Pädagogischen Hochschulen rasch auf die Entwicklung reagiert. Buchner ist Bereichsleiter Forschung & Entwicklung im Institut Digitale und Informatische Bildung der PHSG.
KI sei inzwischen Teil der Ausbildung angehender Lehrpersonen, zudem gebe es zahlreiche Weiterbildungsangebote für Lehrpersonen im Beruf. Buchner betont dabei, dass KI von Fachleuten nicht als Ersatz für den Menschen verstanden werde, «sondern als eine Erweiterung oder Ergänzung menschlicher Fähigkeiten». Entsprechend stehe in der Aus- und Weiterbildung weiterhin der «Mensch im Fokus».
Schwächere Leseleistungen bereiten Sorge
Wie reagiert die Schule auf rückläufige Pisa-Werte und Schwächen beim Leseverständnis? Die Schweiz schneidet in internationalen Vergleichen zwar weiterhin überdurchschnittlich ab. Dennoch beobachtet Valentin Unger eine besorgniserregende Entwicklung: Die Lese- und Mathematikleistungen sind in den letzten Jahren zurückgegangen, und der Anteil der Jugendlichen mit ungenügenden Lesekompetenzen hat zugenommen.
Zunächst sei es wichtig, dass solche Entwicklungen überhaupt erkannt würden. Verschiedene Kantone haben darauf reagiert. «So ist Lesen in vielen Kantonen beispielsweise explizit zentrales Thema der Schulentwicklung geworden, etwa in Luzern oder Bern. Andere Kantone setzen auf eine systematische frühe Sprachförderung, wie etwa Basel-Stadt.»
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