Roman «Haltet euch fest» – Sind Freunde Familie? Mareike Fallwickl für neue Lebensmodelle

Schon der Anfang des Buches ist eine Ansage: «Create the things you wish existed.» Erschaffe das, was du in der Welt vermisst. Autorin Mareike Fallwickl kämpft in ihren Büchern: für die Sichtbarkeit von Care-Arbeit, gegen das Patriarchat und für das Miteinander der Menschen. Ihre Romane: immer engagiert, immer politisch.
Ein Haus für alle
Der Titel ihres neuen Romans lautet nun: «Haltet euch fest». Er handelt vom Zusammenhalt, vom Zusammenleben. Es geht um die Frage, wer uns durchs Leben trägt. Um Freundschaft, um Liebe jenseits der romantischen Zweierkiste.
Im Zentrum des Buches steht ein Haus mit vielen Bewohnern, eine Wahlfamilie. «Im Haus gibt es kein Plus, kein Minus und keine hochgezogenen Augenbrauen, nur ausgebreitete Arme und Platz am Tisch.»
Manche Bewohner sind verwandt, manche nicht. Es sind Verbündete, die ein gemeinsames Zuhause gefunden haben. Einen Ort der Zuflucht, des Schutzes, der Fürsorge.
Auch das Regenbogenkind Luzia wächst im Haus auf. Sie hat zwei Väter und zwei Mütter. Ihre Freundschaft zu Marle, die in einer Kleinfamilie gross wird, führt durch den Roman. Die Frauen, erst Schulfreundinnen, werden zu Partnerinnen fürs Leben, die eigene Wege gehen – und sich trotzdem nie verlieren.
Woran halten wir uns fest?
Sind Freunde Familie? Was ist Familie? Was eine Lebenspartnerin? Was ist Liebe? Was Intimität? Wo finden Menschen eigentlich Halt? All diese Fragen stellt Fallwickl in «Haltet euch fest». Es ist ein Plädoyer dafür, Beziehungen neu zu denken, bestehende Strukturen infrage zu stellen.
«Ich glaube daran, dass wir durchaus in der Lage sind, die verkrusteten Strukturen aufzubrechen. Systeme sind veränderbar, wir sind ihnen nicht ausgesetzt. Wir sind ja die Gesellschaft», sagt Mareike Fallwickl.
Mareike Fallwickl ist am Dienstag, 20. Oktober, bei Barbara Bleisch im Podcast «Zimmer 42» Gast. Zu hören auf srf.ch/audio und bei den gängigen Streamingdiensten.
Fallwickl schreibt in ihren Büchern gegen gängige Narrative an. In «Haltet euch fest» hinterfragt Fallwickl auch die Vorstellung, dass es für ein Kind zwingend Vater und Mutter bracht.
Marle, die glaubt, Mann und Kind zu wollen, die daran glaubt, den «Richtigen» zu finden und daran scheitert, entscheidet sich schlussendlich, Solomutter zu werden. Mit Freundin Luzia an ihrer Seite ist sie jedoch nicht allein.
Fallwickl sagt dazu: «Es lohnt sich zu überlegen, mit wem wir Sorgearbeit oder unser Geld teilen, die Zeit, den Wocheneinkauf, mit dem wir ein Haus bauen. Grundsätzlich: mit wem wir unser Leben teilen.»
Buch mit Botschaft
Die Botschaften der Figuren im Buch sind unmissverständlich. Fallwickl legt ihre Haltung offen und spart selten mit klaren Ansagen. Zwischen den Zeilen lesen muss man nicht.
Mareike Fallwickl: «Haltet euch fest». Rowohlt, 2026.
Aber vielleicht ist das gerade auch die Stärke des Romans. Mareike Fallwickl redet Klartext, konfrontiert die Leserin mit dem, was sein könnte. Und das in einer mitreissenden Geschichte. Die, wie immer bei ihr, eine Wucht entwickelt.
Dabei verfällt Fallwickl nicht ins Romantisieren. Denn so sehr «Haltet euch fest» vom Zusammenhalt erzählt, schimmert immer wieder durch: Jede Beziehung ist fragil, keine unerschütterlich. Keine romantische Paarbeziehung. Keine Ehe. Keine Wahlfamilie. Keine Freundschaft.
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