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Wednesday, October 14, 2026

«Wir fördern unsere Kinder – und werden dafür kritisiert»

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  • Die Geschichte der fünfjährigen Kartfahrerin Emily sorgt für Diskussionen über Leistungsdruck bei Kindern.
  • Drei Eltern erzählen, dass sie für die sportliche Förderung ihrer Kinder kritisiert werden.
  • Sie erklären, wie sie sicherstellen, dass ihre Kinder aus eigenem Antrieb trainieren.

Erst waren es die strahlenden Kinderaugen, über die sich alle freuten. Dann kamen die Vorwürfe. «Poser! Prahler! Darf das Kind auch etwas anderes als Ski fahren machen?», musste sich Peter* (55) anhören. Der Vater unterstützt seine jüngste Tochter seit Jahren im Skirennsport. Vor drei Jahren hörte er auf, Bilder ihrer Erfolge zu veröffentlichen. Die negativen Reaktionen waren ihm zu viel.

Die Geschichte der fünfjährigen Emily, die nicht mehr an Kartrennen teilnehmen darf, hat eine Diskussion ausgelöst: Wie viel Leistungssport ist für Kinder gesund? Und wann wird aus elterlicher Unterstützung übertriebener Ehrgeiz? Drei Eltern von Nachwuchstalenten erzählen gegenüber 20 Minuten, wie sie mit solchen Vorwürfen umgehen.

Emily ist mit drei Jahren wegen ihrer Gokart-Leidenschaft auf Social Media viral gegangen. Rund um ihre Geschichte ist auch Kritik laut geworden. Etwas, das auch Eltern in der 20-Minuten-Community kennen.

Emily ist mit drei Jahren wegen ihrer Gokart-Leidenschaft auf Social Media viral gegangen. Rund um ihre Geschichte ist auch Kritik laut geworden. Etwas, das auch Eltern in der 20-Minuten-Community kennen.Privat

«Mittlerweile schmunzle ich über solche Aussagen»

Peters Tochter wird Ende Jahr zwölf Jahre alt und fährt mittlerweile in der Kategorie U14. Schon mit vier Jahren habe man sie kaum von der Skipiste bekommen. «Sie wollte einfach fahren und hatte Spass daran», erzählt ihr Vater. Der Rennsport sei ursprünglich gar kein Thema gewesen.

Heute trainiert seine Tochter ambitioniert. Dass er sie dabei unterstützt, wird ihm immer wieder negativ ausgelegt. «Mittlerweile schmunzle ich über solche Aussagen», sagt Peter. Elterlicher Druck funktioniere im Skirennsport ohnehin nicht. Die Kinder müssten selbst trainieren, ihr Material vorbereiten und sich mit ihrer Leistung auseinandersetzen.

Woran erkennt er, ob seine Tochter wirklich aus eigenem Antrieb trainiert? «Wenn es für fast jedes Training Überredungskünste braucht, läuft etwas schief.» Seine Tochter hingegen integriere ihre Trainingseinheiten selbstständig in den Alltag.

Auch Grenzen seien wichtig. Schlechte Laune, Müdigkeit oder schulische Probleme wären für ihn Warnsignale. Dass er die Entscheidungen seiner Kinder akzeptiert, habe er bereits bei seinem Sohn gezeigt. Dieser entschied sich gegen eine leistungsorientierte Hockeyausbildung. «Und damit sind er sowie wir als Eltern sehr glücklich.»

«Aber wenn Kinder täglich ein Instrument üben, ist das okay»

Auch Lars* (55) kennt die Vorurteile. Seine beiden Töchter sind 13 und 18 Jahre alt und betreiben seit ihrem dritten Lebensjahr Eiskunstlauf. Rund zwölf Stunden pro Woche stehen sie auf dem Eis, weitere vier Stunden trainieren sie daneben.

Als Mitglied eines Sportvereins erlebt Adrian die Diskussion auch aus einer anderen Perspektive. «Wenn jemand jeden Tag Instrumente übt, ist das okay, aber wenn jemand jeden Tag trainiert, ist es nicht okay», kritisiert er.

Wie viel Förderung ist bei Kindern deiner Meinung nach sinnvoll?

Die Öffentlichkeit stelle hohe Erwartungen an junge Sporttalente. Schnell werde nach Olympia gefragt und angenommen, die Eltern würden ihre Kinder unbedingt dorthin bringen wollen. «Aber wir wollen ja nur, dass sie ihrer Leidenschaft nachgehen. Es soll für sie stimmen.»

«Fragt meine Töchter»

Dass manche Eltern tatsächlich zu ehrgeizig seien, bestreitet Adrian nicht. Als Vereinsmitglied erlebe er solche Situationen durchaus. Entscheidend sei, dass Eltern lernten, mit ihren eigenen Erwartungen umzugehen. Sonst entstehe ein wenig konstruktives Umfeld.

Wie stellt er sicher, dass seine Töchter nicht nur trainieren, um ihn stolz zu machen? «Fragt die Töchter. Die geben eine direkte Antwort.» Ausserdem sehe man den Kindern die Freude am Sport an. Sollten seine Töchter irgendwann aufhören wollen, würde er das akzeptieren.

«Rennwochenende fängt am Donnerstag an»

Wie viel Leidenschaft bereits in jungen Jahren entstehen kann, erlebt auch Aisha (32). Ihr Sohn Kimi (11) fährt seit Mai Rennkart. Wenn es die Zeit erlaubt, trainiert er mittwochs und sonntags auf der Kartbahn in Wohlen. Zusätzlich übt er am Simulator und macht selbstständig Sport.

Der Aufwand für die Familie ist gross. Rennwochenenden beginnen teilweise bereits am Donnerstag mit dem Einpacken von Kart, Werkzeug und Ersatzteilen. Um Kosten zu sparen, erledigt die Familie möglichst viel selbst.

Auch Aisha musste sich bereits anhören, dass sie ihren Sohn zu stark fördere. «Klar prallen solche Vorwürfe nicht einfach an einem ab», sagt sie. Für die Familie stehe aber im Vordergrund, dass Kimi Freude am Sport habe.

«Manchmal möchte er mehr, als möglich ist»

Dass der Ehrgeiz von ihm selbst ausgeht, zeige sich immer wieder. «Kimi ist sehr motiviert, wenn es ums Kartfahren geht. Manchmal möchte er viel mehr, als überhaupt möglich ist.»

Einmal entschieden sich die Eltern bewusst gegen eine Rennteilnahme, um ihrem Sohn eine Pause zu gönnen. Kimi wollte das Rennen trotzdem besuchen. «Er war ganz kribbelig, weil er auch gerne mitgefahren wäre.»

«Wir alle haben doch unsere Träume»

Dass ihr Sohn nicht jedes Rennen gewinnt, gehöre dazu. Kimi sei sehr selbstkritisch und überlege nach enttäuschenden Resultaten, was er verbessern könne. Seine Eltern versuchten dann, ihn aufzumuntern und gemeinsam mit ihm die Rennen zu analysieren.

Für Aisha ist entscheidend, dass ihr Sohn selbst Freude am Kartfahren hat. Auf die Kritik an ambitioniertem Kindersport reagiert sie gelassen: «Jeder hat seine Meinung, leben und leben lassen.»

*Name geändert.

Deborah Gonzalez

Deborah Gonzalez (dgo) arbeitet seit 2021 bei 20 Minuten. Sie ist Stellvertretende Ressortleiterin Gesellschaft & Community.

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