Migros im Umbruch – Skandale und Verluste beschleunigen Fusion der Genossenschaften

Die Migros steht unter Druck: Das Kerngeschäft der Migros ist kaum mehr rentabel, die Supermärkte kämpfen mit tiefen Margen. Dies zeigt eine Analyse der Ergebnisse der zehn regionalen Genossenschaften. Im vergangenen Jahr hat die Regionalgenossenschaft Zürich einen Verlust von 180 Millionen Franken gemacht. Die Migros im Tessin steckt ebenfalls in den roten Zahlen. Die Supermärkte im Tessin und auch in Genf stehen in Konkurrenz mit den günstigen Ketten aus dem grenznahen Ausland. Mit der Auflösung der regionalen Gesellschaften und dem Zusammenschluss zur Gruppengenossenschaft will die Migros sparen und die Abläufe verschlanken.
Eskapaden der Regionalfürsten: Die bisherige Struktur gibt den regionalen Genossenschaften eine grosse Fülle an Macht, daraus entstand der Begriff des «Regionalfürsten». Jede regionale Genossenschaft hat eine eigene Führung mit eigenem Präsidium, die Regionen führen eigene Rechnungen mit separatem Jahresbericht. Die dezentrale Organisation führte zu mehreren Skandalen. So war lange Feuer unter dem Dach der Regionalgesellschaft Neuenburg-Freiburg.
Betrugsvorwürfe in Neuenburg-Freiburg: Der Konflikt in der regionalen Genossenschaft Neuenburg-Freiburg eskalierte vor sieben Jahren. Dem damaligen Präsidenten wurden Betrug und Bereicherung vorgeworfen. Die Migros-Zentrale in Zürich versuchte, die Spitze der regionalen Genossenschaft abzusetzen, und es folgte sogar eine Abstimmung, an der sich 50'000 Genossenschaftsmitglieder beteiligten. Bei der Abstimmung kam es zu Unregelmässigkeiten mit gefälschten Abstimmungszetteln. Der Fall zeigte die Schwächen der dezentralen Organisation.
Das gescheiterte Tegut-Projekt in Zürich: Die regionale Genossenschaft in Zürich wiederum ist mit einem Auslandabenteuer gescheitert und hat mehrere hundert Millionen Franken in den Sand gesetzt. 2013 hat die Migros Zürich in Deutschland die Bio-Supermarktkette Tegut übernommen. Es resultierten rote Zahlen und so wird die Kette nun wieder abgestossen. Auch dieses Beispiel zeigte die Mängel der dezentralen Organisation.
Grosse Unterschiede zwischen den Regionen: Mit der Fusion werden nun völlig unterschiedliche Genossenschaften zusammengeführt. Gross und klein. Gemessen an den Verkaufszahlen ist die Regionalgenossenschaft Zürich am grössten, mit einem Umsatz von rund 4 Milliarden Franken. Die Genossenschaft Ostschweiz wiederum kommt mit 8466 auf die meisten Beschäftigten. Die kleinste Genossenschaft ist im Tessin. Alle zehn Genossenschaften unterstützen den Zusammenschluss, wie sich an der Medienkonferenz in Bern gezeigt hat.
Die Migros schrumpft weiter: Noch ist offen, wie viele Stellen nach dem Zusammenschluss gestrichen werden. Seit 2018 hat die Migros fast 15'000 Stellen gestrichen oder ausgelagert. Die Migros hat etliche Gesellschaften verkauft, so zum Beispiel Hotelplan, Globus, Melectronics, SportX, Micasa und Mibelle. Durch den Verkauf von Tegut in Deutschland fallen im laufenden Jahr nochmals mehr als 7000 Stellen weg, respektive die Angestellten wechseln zum neuen Eigentümer.
Hohe Hürden bei Abstimmung: Noch ist offen, ob der Zusammenschluss der regionalen Genossenschaften gelingen wird. Das letzte Wort haben die 2.3 Millionen Genossenschafterinnen und Genossenschafter. Sie stimmen über das Vorhaben ab. Es braucht eine Stimmbeteiligung von mindestens 25 Prozent und eine Zweidrittelmehrheit.
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