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Friday, October 30, 2026

Drohnen-Krieg in der Ukraine – Schweizer Teile auch in neuen russischen Waffen entdeckt

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Das haben die ukrainischen Behörden neu entdeckt: Regelmässig publiziert der ukrainische Militärgeheimdienst HUR in einer öffentlich zugänglichen Datenbank elektronische Teile, die er in Trümmern von russischen Waffensystemen findet. Die Funde im Frühjahr, September und im Oktober von diesem Jahr zeigen: In neuen oder weiterentwickelten russischen Drohnen, Raketen und Marschflugkörpern kommen weiterhin Schweizer Bauteile zum Einsatz. Die Ukraine nennt Bestandteile von elf Schweizer Firmen. Auch in nordkoreanischen ballistischen Raketen, die auf die Ukraine abgefeuert wurden, seien Schweizer Komponenten aufgetaucht.

In diesen russischen Waffen stecken Schweizer Elektronikteile

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  • Bild 1 von 4. Geran-4-Drohne. Die Geran-4-Drohne ist eine Fortentwicklung der Geran-2-Drohne, die wiederum auf der iranischen Shahed-Drone basiert. Die Geran-4 hat neu ein Jet-Triebwerk und wird laut dem ukrainischen Militär seit Mai 2026 von Russland eingesetzt. Sie wurde entwickelt, um der ukrainischen Flugabwehr auszuweichen. Bildquelle: Keystone / EFREM LUKATSKY.

    Zwei grosse, dunkle Drohnen auf einem Ausstellungsboden.
  • Bild 2 von 4. «Filin». «Filin» – der Uhu – ist ein russischer Marschflugkörper, der vom Boden aus gestartet wird. Er wird laut dem ukrainischen Militär seit dem Spätsommer 2026 eingesetzt. Die Reichweite beträgt geschätzt 1200 Kilometer. Das Waffensystem wird aus kostengünstigen Komponenten zusammengebaut. Bildquelle: Darstellung HUR.

  • Bild 3 von 4. «Kover». «Kover» – der Teppich – ist ein luftgestützter Marschflugkörper, der vom Kampfjet Su-57 abgefeuert wird. Er wurde erstmals Ende 2025 eingesetzt. Der Marschflugkörpfer hat einen 250 Kilogramm schweren Gefechtskopf. Bildquelle: Darstellung HUR.

  • Bild 4 von 4. KN-24. Die KN-24 oder Hwasong-11B ist eine norkkoreanische ballistische Rakete. Sie wird von Fahrzeugen aus gestartet. Die Entwicklung dieser Rakete ist bereits älter. Russland setzt die ballistische Rakete gegen die Ukraine seit Ende 2023 ein. Bildquelle: Keystone / KCNA.

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Wie wichtig sind die Teile für die russischen Waffensysteme? Sehr wichtig, sagt der Berater für internationale Sanktionen des ukrainischen Präsidenten, Vladyslav Vlasiuk, gegenüber SRF. Gemäss Vlasiuk enthalten 95 Prozent der russischen Drohnen und Raketen Teile von Schweizer Unternehmen. Bei den elektronischen Bauteilen der Schweizer Firmen handelt es sich um industrielle Massenprodukte. Sie kommen als Mikrocontroller in der Steuerung von Raketen und Drohnen zum Einsatz, beim Verarbeiten von Satelliten­navigations­daten, als Spannungsumwandler, als Sensoren oder als Speicherchip.

Und trotzdem sind diese elektronischen Bauteile militärisch von Nutzen. Noch hadern die Staaten, diese Güter einheitlich zu definieren, weil sie diese bislang als zivile Produkte betrachtet haben. Mit der Veränderung der Kriegführung – zum Beispiel mit dem Masseneinsatz von kostengünstigen Drohnen – werden diese Massenprodukte strategisch relevant. Zusammen mit den G7-Staaten setzte die EU diese Güter auf eine gemeinsame Sanktionsliste. Die Schweiz hat diese Sanktionsliste übernommen. Damit dürfen auch Schweizer Firmen diese nicht mehr nach Russland verkaufen.

Die Schweiz tue zu wenig, um Lieferungen nach Russland zu unterbinden. Das kritisiert Vladyslav Vlasiuk, der ukrainische Präsidentenberater. Er fordert, dass die Schweizer Regierung die Strafverfolgungsbehörden einschaltet und die Exportkontrollstellen stärkt. Mit den bisherigen Antworten der Schweiz ist er unzufrieden. Die Sanktionsregime hätten sich weiterentwickelt, auch Russlands Fähigkeit zur Umgehung. Die Schweiz könne nicht bei der Logik bleiben: Es gebe keine Produktionsstätten in der Schweiz, man exportiere nicht nach Russland. Das reicht nicht.

Das Seco sei sich der Problematik mit den Komponenten bewusst. Das schreibt das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco auf Anfrage. Es erklärt, in den meisten Fällen würden die Güter nicht in der Schweiz produziert. Es fänden folglich auch keine Ausfuhren statt. Der Export dieser Güter aus der Schweiz – auch indirekt – nach Russland sei verboten. Schweizer Unternehmen seien verpflichtet, bestimmte Sorgfaltspflichten einzuhalten. Dazu gehöre, bei Exporten oder Verkäufen in Drittländer, die Wiederausfuhr dieser Güter nach Russland vertraglich zu untersagen. Die wirksame und lückenlose Durchsetzung der Sanktionen gegen Russland sei eine Priorität des Bundesrates, schreibt das Seco.

Die Schweizer Firmen sollten genauer hinschauen. Vor allem bei der Auswahl ihrer Distributionspartner und Zwischenhändler, sagt Vladyslav Vlasiuk. Er verweist auf das Beispiel der niederländischen Firma NXP. Diese sei vor ein paar Jahren gar noch negativer aufgefallen als die Schweizer Firmen. Im Jahr 2026 finde man in russischen Waffen fast keine Elektronikteile von NXP mehr.

Die ukrainische Regierung listet elf Hersteller mit Sitz in der Schweiz, wobei zwei Firmen zum gleichen Konzern gehören. Wir haben die vier Firmen mit den meisten Einträgen in der ukrainischen Datenbank um Stellungnahmen gebeten:

STMicroelectronics: Die Firma hat ihren Hauptsitz in Plan-les-Ouates (GE). Sie betont, dass die Nutzung seiner Produkte ausserhalb ihres vorgesehenen Zwecks weder genehmigt noch geduldet würde. Das Unternehmen verfüge über ein umfassendes globales Compliance-Programm, das Schulungen, Verfahren und Richtlinien für alle Vertriebskanäle umfasst. Seit Ende Februar 2022 habe STMicroelectronics Massnahmen ergriffen, um sämtliche Sanktionspakete und Exportkontrollmassnahmen der EU, der USA und weiterer Partnerländer gegen Russland und Belarus umzusetzen. Das Unternehmen unterhalte keine Geschäftstätigkeit mehr in Russland.

u-blox: Die Firma aus Thalwil (ZH) verurteilt in ihrer Stellungnahme Russlands Angriff auf die Ukraine aufs Schärfste. Mit Kriegsbeginn habe das Unternehmen sämtliche Kooperationen und Lieferungen nach Russland und Belarus eingestellt; später seien auch Verkäufe in Länder der Eurasischen Wirtschaftsunion gestoppt worden. Seit 2021 arbeite u-blox zudem mit der Organisation Conflict Armament Research (CAR) zusammen, um zu untersuchen, wie eigene Komponenten in Drohnen im Ukraine-Krieg gelangten. Auf Basis dieser Zusammenarbeit hätten mehrere beteiligte Unternehmen identifiziert und auf eine Blacklist gesetzt werden können.

Traco Power: Die Firma aus Baar (ZG) weist darauf hin, dass es sich bei ihren Produkten um elektronische Bauteile für zivile industrielle Anwendungen handelt, die in keiner Dual-Use-Verordnung aufgeführt und nicht für militärische Zwecke vorgesehen seien. Bis zum Inkrafttreten der Sanktionen habe das Unternehmen den russischen Markt ausschliesslich über eng betreute autorisierte Vertriebspartner beliefert. Ab dem 28. Februar 2022 habe Traco Power sämtliche Lieferungen und Geschäftsbeziehungen nach Russland – einschliesslich solcher über Drittstaaten – mit sofortiger Wirkung eingestellt. Allfällig vorgefundene Bauteile des Unternehmens könnten daher keinesfalls aus Lieferungen nach Eintreten der Sanktionen stammen. Das Unternehmen befolge gewissenhaft und strikt alle geltenden Verordnungen, Embargos und Sanktionen.

TE Connectivity (Schaffner / Axicom): TE Connectivity hält nach eigenen Angaben alle weltweit geltenden Exportkontrollen und Sanktionen ein und hat demnach sämtliche nach der russischen Invasion verhängten Sanktionen vollständig befolgt. Seit deren Inkrafttreten im März 2022 habe das Unternehmen keinerlei Produkte mehr von einem seiner Standorte nach Russland geliefert. TE Connectivity bekenne sich zu einer Geschäftspolitik, die sowohl direkte als auch indirekte Lieferungen nach Russland oder in andere sanktionierte Länder ausschliesse. Diese Vorgaben würden an die Vertriebspartner kommuniziert, von denen ebenfalls strikte Einhaltung erwartet werde.

Wie gelangen Schweizer Bauteile trotzdem nach Russland? Viele Hinweise deuten auf China hin. Recherchen und Untersuchungen von Think-Tanks, NGOs und Medien zeigen, dass Zwischenhändler und Vertriebspartner aus China die Waren nach Russland liefern. Die Schweizer Firmen lassen teilweise ihre Fabrikate in China produzieren.

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