Flughafenmalaria in Deutschland - wie groß ist die Gefahr?
Acht Menschen sind seit Juli im Umfeld des Frankfurter Flughafens an Malaria erkrankt, drei der acht sind inzwischen gestorben. Die Infektionen betrafen vor allem Beschäftigte des Flughafenbetreibers Fraport.
Das Frankfurter Gesundheitsamt geht deshalb von der sogenannten "Flughafenmalaria" aus. Gemeint sind damit Infektionen durch den Stich einer mit dem Malariaerreger infizierten Anopheles-Mücke, die mit dem Flugzeug aus Malaria-Gebieten nach Deutschland gelangt ist.
Flughafenmalaria ist selten
"Wir haben es mit einem sehr seltenen Ereignis zu tun, nicht mit einer neuen Alltagserkrankung in Deutschland", sagt Prof. Achim Hörauf, Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Parasitologie am Universitätsklinikum Bonn (UKB) in einer Pressemitteilung des Klinikums.In Deutschland wurde der letzte Fall von Flughafenmalaria vor der aktuellen Häufung 2023 dokumentiert, heißt es im Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts (RKI), in dem regelmäßig über Infektionskrankheiten und öffentliche Gesundheit informiert wird. Normalerweise seien in Deutschland fast ausschließlich Fernreisende von Malaria betroffen, die sich in einem Malariagebiet infiziert hätten.
Wird eine Mücke in einem Koffer oder in Kleidungsstücken eingeschlossen, kann sie als "blinder Passagier" ihren Weg nach Deutschland finden. "In beheizten Bereichen eines Flughafens kann sie zunächst geeignete Bedingungen vorfinden und einige Zeit überleben", sagt Hörauf.
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Warum Malaria tropica so gefährlich werden kann
Laut Pressemitteilung des UKB handelt es sich bei den gemeldeten Infektionen in Frankfurt nach bisherigen Erkenntnissen um Malaria tropica - die Malariaform, die als am gefährlichsten gilt.
Für eine Infektion ist der Stich einer weiblichen Anopheles-Mücke notwendig, die mit dem Parasiten Plasmodium falciparum infiziert ist. Dieser Erreger wird durch den Stich an den Menschen weitergegeben und befällt die roten Blutkörperchen.
"Vereinfacht gesagt kann es zu vielen kleinen Gefäßverschlüssen kommen", erklärt Hörauf. "Je nachdem, welches Organ betroffen ist, können unterschiedliche und schwere Komplikationen entstehen." In der Lunge kann sich Flüssigkeit ansammeln. Sind Gefäße im Gehirn betroffen, kann es zu neurologischen Schäden kommen. Akutes Nierenversagen ist ebenfalls möglich. Unbehandelt sterben bis zu 20 Prozent der Erkrankten.
"Wird die Diagnose rechtzeitig gestellt, kann eine gezielte Behandlung eingeleitet werden. Wird die Erkrankung übersehen, kann sie dagegen sehr schnell einen schweren Verlauf nehmen", sagt Hörauf.

Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit - Malariasymptome ernst nehmen
Die Symptome sind zunächst unspezifisch und ähneln denen einer Grippe: plötzliches, hohes Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen. Übelkeit, Erbrechen und Durchfall können ebenfalls auftreten.
Das Frankfurter Gesundheitsamt rät Menschen, die in der Nähe des Frankfurter Flughafens leben oder arbeiten, deshalb dazu, beim Auftreten solcher Symptome sofort ärztlichen Rat einzuholen.
Schnelltests können erste Hinweise auf eine Malariaerkrankung liefern. Sicher diagnostiziert wird die Infektion über eine Blutuntersuchung. Laut RKI sollte die Behandlung von Malaria unbedingt stationär und in einer Klinik mit tropenmedizinischer Erfahrung und Intensivstation erfolgen.
Sinkende Temperaturen verringern Malaria-Risiko
Mit dem Ende des Sommers verschlechtern sich die Bedingungen in Deutschland für die Mücke und den Parasiten. Vor allem die sinkenden Nachttemperaturen sorgen dafür, dass die Mücken weniger aktiv sind und ihre Überlebensdauer abnimmt. Auch die Entwicklung des Malariaerregers im Körper des Tieres verlangsamt sich oder wird gestoppt.
Allerdings könnten weitere Erkrankungen auch nach dem Ende des Sommerwetters auftreten. Plasmodium falciparum hat eine Inkubationszeit von sieben bis 15 Tagen, was bedeutet, dass mehr als zwei Wochen zwischen dem Stich der Mücke und den ersten Symptomen liegen können. Laut Achim Hörauf ist die größte Herausforderung deshalb, ohne vorherigen Auslandsaufenthalt überhaupt an Malaria zu denken.
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