Venezolanisches Ehepaar Maduro: USA werfen Ex-Präsident und seiner Frau Folter vor

Die US-Staatsanwaltschaft erhebt schwere Foltervorwürfe gegen Venezuelas früheren Staatschef Nicolás Maduro und seine Frau. Beide sind bereits in Haft.
Foto: Jane Rosenberg/rtr
ap Die US-Staatsanwaltschaft hat neue Foltervorwürfe gegen den früheren venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro und seine Frau Cilia Flores erhoben. In der am Donnerstag (Ortszeit) bekannt gewordenen erweiterten Anklage wird ihnen vorgeworfen, ein staatlich getragenes Repressionssystem geleitet zu haben. Dutzende Menschen, darunter mehrere US-Bürger, sollen geschlagen, mit Elektroschocks gefoltert und auf andere Weise misshandelt worden sein. Die Vorwürfe der Menschenrechtsverstöße reichen bis zu Maduros Amtsantritt als Staatschef Venezuelas im Jahr 2013 zurück.
Maduro soll Foltermethoden vorgeschlagen haben
Maduro soll nach Darstellung der Anklage selbst Foltermethoden vorgeschlagen und Berichte über die Misshandlung einzelner Gefangener angefordert haben. Einem Gefangenen habe er persönlich mit der Tötung seines Kindes gedroht. Gelegentlich habe er gelacht, nachdem ihm von Misshandlungen berichtet worden sei. Flores soll am Aufbau des Repressionssystems beteiligt gewesen sein und die Folter bestimmter Menschen angeordnet haben.
Die Anklage beschreibt unter anderem die Misshandlung dreier US-Bürger. Einer von ihnen soll während einer achtmonatigen Haft mit Elektroschocks gefoltert und gezwungen worden sein, sein eigenes Erbrochenes zu essen. Ein anderer sei so schwer geschlagen worden, dass er längere Zeit im Krankenhaus behandelt werden musste. Ein drittes Opfer habe nach zweitägigen Misshandlungen eine dauerhafte Augenverletzung erlitten. Die mutmaßlichen Opfer werden in der Anklage nicht namentlich genannt.
Verteidigung beruft sich auf Immunität
Maduro bestreitet die neuen Anschuldigungen und freue sich auf die Verhandlung, erklärte sein Anwalt Barry Pollack. Flores' Anwalt sagte, er habe die neuen Vorwürfe noch nicht prüfen können. US-Staatsanwalt Jamie McDonald bezeichnete das in der Anklage geschilderte Verhalten als „Inbegriff der Korruption“.
Maduro und Flores befinden sich seit Januar in US-Haft. US-Truppen hatten das Paar im Januar bei einem Einsatz in seinem Wohnhaus in Caracas festgenommen. Beide müssen sich in New York bereits wegen des Vorwurfs verantworten, an einer Verschwörung zur Lieferung von Kokain in die USA beteiligt gewesen zu sein. Das Paar hat die Vorwürfe bestritten. Ihre Anwälte beantragten die Einstellung des Verfahrens. Zur Begründung verwiesen sie auf die Immunität, die Maduro als ehemaligem Staatsoberhaupt und Flores als ehemaliger First Lady eines anderen Landes zustehe.
Richter lehnt Hausarrest für Flores ab
Ein US-Bundesrichter lehnte am Donnerstag zudem einen Antrag der 69-jährigen Flores auf Entlassung in Hausarrest aus medizinischen Gründen ab. Er folgte der Einschätzung der Staatsanwaltschaft, dass eine extreme Fluchtgefahr bestehe. Nach Angaben ihrer Anwälte hat Flores in Haft elf Kilogramm verloren und möglicherweise im Juli einen leichten Herzinfarkt erlitten. Zudem könnte eine Herzoperation erforderlich sein. Der Richter widersprach der Darstellung ihres Bluthochdrucks als lebensbedrohlich und verwies darauf, dass sie bereits Medikamente dagegen erhalte.
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