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Thursday, October 8, 2026

SPD-Politiker Ralf Stegner zur AfD: "So reden Faschisten"

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Jan Fleischhauer meint: Die AfD muss politisch bekämpft, nicht verboten werden. Ralf Stegner (SPD) entgegnet: Eine wehrhafte Demokratie darf Verfassungsfeinden nicht die Macht überlassen.

08.10.2026 | 28:12 min

Zu viel Konsens im Polit-Talk? Nicht mit Jan Fleischhauer. Aber seine ZDF-Sendung heißt ja auch "Keine Talkshow". Im Gespräch mit SPD-Politiker Ralf Stegner geht es darum, möglichst viele Argumente für und gegen ein AfD-Verbot zusammenzutragen.

Zwischen blanken Betonwänden gehen die Kontrahenten aus gegenüberliegenden Türen aufeinander zu. Der Raum ist thematisch eingesetzt. Man setzt sich, vor rotem Hydranten und "Achtung Brandgefahr"-Schild, an die Andeutung einer Mauer. Es gibt Stühle in Rot, Schwarz, Grün davor und einen besonders großen blauen dahinter. Stegner nimmt direkt auf dem schwarzen Stuhl Platz, Fleischhauer nimmt sich den roten mit auf die andere Seite und will von Stegner wissen, warum dieser sich für ein AfD-Verbotsverfahren ausspricht.

"Keine Talkshow - Eingesperrt mit Jan Fleischhauer" ist eine Ergänzung etablierter Diskussionsformate. Ein schlichter Raum - fest installierte Kameras, kein Entkommen und zwei Diskutanten, die sich auf Augenhöhe begegnen. Das Thema ist vorgegeben. Was sie daraus machen, bestimmen sie selbst. Eine rund 30-minütige Sendung, kontrovers, emotional und doch immer darum bemüht, den anderen zu überzeugen.

Wie schwierig ist es, die AfD zu verbieten?

Stegner sagt, es habe einen Sinn, dass die Verfassung die Möglichkeit eröffnet, Parteien zu verbieten. Nach der Nazi-Diktatur sollten kein zweites Mal Demokratiefeinde mithilfe demokratischer Verfahren an die Macht kommen.

Aber, so Fleischhauer, die gesetzlichen Voraussetzungen für ein AfD-Verbot seien nicht erfüllt. Denn bei allem Schlimmen, was von Mitgliedern dieser Partei zu hören sei, fehle doch der Beweis, dass die AfD in ihrer Gesamtheit daran arbeite, die freiheitlich demokratische Grundordnung zu zerstören. Und das brauche es nun mal, um eine Partei verbieten zu lassen.

Der Verfassungsschutz stuft die AfD in Thüringen als gesichert rechtsextrem ein. Im Thüringer Landtag wird nun öffentlich über ein mögliches Verbot gesprochen.

30.09.2026 | 1:42 min

Natürlich, entgegnet Stegner, laufen dort nicht nur "dumme Glatzköpfe" herum. "Sondern, die sind geschickt", wie Ulrich Siegmund, der als Typ Schlagersänger mit DDR-Moped auftrete - nur um drei Tage nach der Wahl zu sagen, eine Rüstungsfirma daheim in Sachsen-Anhalt wäre doch gut für Remigration. Stegners Fazit, das er mit Vergleichen zwischen AfD- und Goebbels-Zitaten unterstreicht: "So reden Faschisten."

Unter lauten Warnsignalen kommt eine rote Kiste von der Decke, mit dem berüchtigten "Spiegel"-Titelbild darin. Ulrich Siegmund, "Der gefährlichste Mann Deutschlands". "Sehen so die neuen Nazis aus?", hätte Stegner als Titel besser gefunden.

Klar, sagt Fleischhauer, es gebe allerlei Widerwärtiges in der AfD. Strafrechtlich Relevantes solle im Einzelfall verfolgt werden. Für alles, von Volksverhetzung bis Nutzen verfassungsfeindlicher Symbole, gebe es Gesetze und die sollten auch angewandt werden.

Der Spitzenkandidat der AfD in Sachsen-Anhalt, Ulrich Siegmund, hat Empörung ausgelöst. Im Mittelpunkt stehen Äußerungen zu einem möglichen Einsatz von Rüstungsgütern bei Abschiebeoffensiven.

11.09.2026 | 0:35 min

Stegner, das ist der Knackpunkt, sieht viel mehr als nur eine Anzahl problematischer Einzelfälle. Er erlebe die AfD-Abgeordneten tagtäglich und stelle fest, dass die Führungsriege durchzogen sei von Menschen, die die Grundrechte nicht achten und die in mehreren Landesverbänden auch als gesichert rechtsextremistisch eingestuft seien.

Fleischhauer spielt den Verbotsgedanken durch und zeigt sich besorgt. Die gesellschaftliche Polarisierung würde, so Fleischhauer, bei einem AfD-Verbot gewiss nicht abnehmen:

Ein Drittel der Wähler wird das auch als Angriff auf sich selbst verstehen.

Jan Fleischhauer, Gastgeber in "Keine Talkshow"

Er setze Partei und Wähler nicht gleich, so Stegner. Man müsse die Wahlgründe der Menschen ernst nehmen und Angebote schaffen. Von der Idee, die AfD einfach mal machen zu lassen, hält Stegner nichts.

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18.06.2026 | 3:08 min

Stegner: SPD sollte Friedenspartei sein

Man geht rüber zur Wahlkabine. Es wirke, so Fleischhauer, als wolle man mit einem Verbotsverfahren die Handbremse ziehen, weil einem politisch nichts mehr einfalle. Er fordert von den demokratischen Parteien eine harte politische Auseinandersetzung mit den Themen und Punkten der AfD, anstatt die ganze Zeit zu stigmatisieren und dämonisieren.

Stegner stimmt zu: Ein Parteiverbot reiche nicht. Auch ihm gehe es um besseres politisches Handwerk und inhaltliche Angebote. Die SPD solle sich als Friedenspartei positionieren, statt das Feld AfD, Linken oder BSW zu überlassen.

Wie steht es um die Brandmauer?

Die Brandmauer, findet Fleischhauer, habe auf jeden Fall nicht geholfen, sondern sei das "größte Geschenk" für die AfD. Die Brandmauern alleine helfen natürlich nicht", erwidert Stegner, "aber wenn ich die aktiv einreiße und es brennt, dann bin ich Mitbrandstifter".

Die Diskussion um ein mögliches AfD-Verbot gewinnt an Fahrt. Wie realistisch ist ein solcher Schritt – und welche Folgen hätte er für Politik und Gesellschaft?

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Jan Fleischhauer sieht das anders, man solle die AfD stärker unter Druck setzen, sich von ihren Radikalen zu trennen. Er erinnert an die Gründung der Grünen 1980 mit allerlei "Irren und Wirren in ihren Reihen". Damals habe unter anderem die SPD den Druck erhöht, sich von diesen zu trennen, um in politische Verantwortung zu kommen. So könne man es auch mit der AfD machen, meint Fleischhauer. Doch Stegner sieht einen Unterschied:

Die, die bei der AfD Karriere machen, sind keine Jugendlichen, sondern haben sich systematisch radikalisiert.

Ralf Stegner, SPD

Die Wähler wolle er zurückholen. Das findet auch Fleischhauer eine gute Idee, denn es brauche den politischen Kampf um die Stimmen. Am Ende ist man sich einig, sich nicht einig zu sein. Fleischhauers Schlusswort: "Die SPD braucht Leute wie Ralf Stegner." Mit klarer Meinung.

Die neue Folge von "Keine Talkshow" mit Jan Fleischhauer und Ralf Stegner ist online verfügbar am 08.10.2026 ab 07:00 Uhr und im ZDF zu sehen am 09.10.2026 ab 00:45 Uhr.

View the original on ZDF heute →

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