Stade-de-Suisse-Bauer Bruno Marazzi hinterlässt frustrierte Gläubiger

Bruno Marazzi bewegt noch heute. Der Bauunternehmer, der mit Bauprojekten wie dem Joggeli in Basel, dem Wankdorf in Bern oder dem Quartier Zürich-West nationale Berühmtheit erlangte, gibt auch bald zwei Jahre nach seinem Tod zu reden. Sein ehemaliger Wohnsitz, eine Prachtvilla im Berner Nobelquartier Elfenau, sei ein Ladenhüter, vermeldet der «Blick». Niemand wolle das architektonische Juwel ersteigern. Selbst nach einer markanten Senkung des Preises von 15 auf 7 Millionen Franken sei weit und breit kein Käufer in Sicht, schreibt die Boulevardzeitung.
Marazzi, den man in Bern kurz Bruno nannte, wohnte mit seiner ersten Ehegattin jahrzehntelang in der nun zum Kauf stehenden Villa. Sie passte perfekt zu seinem Auftritt: 350 Quadratmeter Wohnfläche, 8,5 Zimmer, dazu ein Personallift, ein Speiseaufzug, ein Weinkeller, eine Sauna, ein Swimmingpool und ein Einstellplatz, auf dem der Hausherr gerne seine Karossen der Marke Bentley oder Porsche drapierte. Das Anwesen war wohlverdient und das Symbol einer beeindruckenden Aufsteigervita. Als Marazzi die familieneigene Baufirma 1972 in dritter Generation übernahm, waren die Vorzeichen düster. «Ich hatte nichts als Schulden», verriet er einst.
RMS
Artikel aus der «Handelszeitung»
Dieser Artikel wurde in der «Handelszeitung» veröffentlicht. Weitere spannende Artikel finden Sie unter www.handelszeitung.ch.
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Doch der dauerlächelnde Optimist liess sich von den roten Zahlen nicht grämen. Sein Aufstieg war fulminant: vom Grosskind lombardischer Einwanderer zum Maurerlehrling, dann eidgenössisch diplomierter Baumeister, Generalunternehmer, Multimillionär und schliesslich gefeierter Sponsor von YB. Auch im Segelsport brillierte er, in der Rennjachtklasse errang er unzählige Titel, wurde Welt- und Europameister. Sein Netzwerk, das er über all die erfolgreichen Jahre strickte, war legendär; ein Leben lang war er auf Tuchfühlung mit der Berner Politprominenz, darunter alt Bundesrat Adolf Ogi. Besonders stolz war er, als er es in die Reichstenliste der «Bilanz» schaffte. Sein Vermögen veranschlagte das Wirtschaftsmagazin 2024 auf 300 bis 350 Millionen Franken. Nur: Unterlagen zeigen eine andere Realität.
Hinter der Stuckfassade lauerten vielfältige Herausforderungen. 2006 war ein Wendepunkt in Marazzis Leben; damals verkaufte er seine Baufirma an den französischen Grosskonzern Bouygues Construction. Der Verkaufspreis war geheim, doch er dürfte wohl bei rund 80 Millionen Franken gelegen haben. 2018 kam es zum Scheidungsverfahren mit seiner ersten Ehefrau, mit der er das Unternehmen über dreissig Jahre aufgebaut hatte. Er sei der Aussenminister, sie die Innenministerin, erklärte diese einst die Arbeitsteilung. Die Trennung kostete ihn jedenfalls viele Millionen. Die Villa in Bern ging an die Ex-Ehefrau – und steht heute zum Verkauf.
Geld floss in mysteriöse GmbH
Nicht nur ein grosszügiger Lebensstil, auch Schulden nagten an der Substanz: Erlöse aus dem Immobilienportfolio und die Einnahmen aus Immobilienverkäufen gingen zunehmend für das Bedienen finanzieller Verpflichtungen drauf. 2023 lag sein Privatvermögen nicht im dreistelligen Millionenbereich, wie die «Bilanz» schätzte, sondern laut Steuerrechnung mehrere Millionen im Minus. Der Berner Selfmademan liess sich seine Lebensfreude gleichwohl nicht vergrätzen. So leistete er sich – mittlerweile mit neuer Partnerin – von 2019 bis zu seinem Tod im Dezember 2024 eine Stadtvilla in Zürich, die eine monatliche Miete von 27’200 Franken verschlang. Das Luxusdomizil an bester Lage mit über 200 Quadratmetern bewohnte er neben seinem offiziellen Wohnsitz im steuermilden Hergiswil NW am Vierwaldstättersee.
Zudem alimentierte er im deutschen Mannheim die Bruma GmbH. Über diese flossen jahrelang monatliche Überweisungen in fünfstelliger Höhe, Empfängerin war eine Geschäftspartnerin. Nach Marazzis Tod wurden die Zahlungen flugs eingestellt und die Firma stillschweigend liquidiert. Das Geheimnis von Bruma, was wohl für «Bruno Marazzi» stand, nahm der Unternehmer mit ins Grab.
Als er im Dezember 2024 nach kurzer Krankheit 78-jährig verstarb, gab es anscheinend nicht mehr viel zu verteilen. Die Erben – allen voran die beiden Marazzi-Söhne und die zweite Ehefrau – schlugen die Erbschaft aus. Am 29. Mai 2026 eröffnete das Konkursamt Hergiswil pflichtschuldig ein Konkursverfahren wegen überschuldeter Erbschaft, womit allfällige Marazzi-Gläubiger von Amts wegen aufgerufen waren, bis Mitte Juli ihre finanziellen Ansprüche anzumelden. Unter anderem trabten das Konkursamt Nidwalden, Energie Wasser Bern, die Evangelisch-reformierte Kirche Nidwalden und Boesch Motorboote an, die gerne auf die Erbmasse zugreifen würden. Wenn ihnen das nicht gelingt, dürften sie auf Forderungen in zweistelliger Millionenhöhe sitzen bleiben. Ärger inklusive, denn nach Recherchen der Handelszeitung könnten einzelne Vermögenswerte kurz vor Marazzis Tod verschoben oder übertragen worden sein. Zurück bleibt in Bern die Erinnerung an einen lebensfrohen Baumeister, der Fussballfans wie Prominenz faszinierte.
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