Warum lebt Christa Pike trotz 10 Gramm Pentobarbital noch?

- Die in Tennessee zum Tode verurteilte Christa Pike (50) hat eine Hinrichtung mit Pentobarbital überlebt und liegt nun im Koma.
- Experten vermuten, dass die Nadeln die Venen verfehlt haben und das Medikament ins Gewebe statt in die Blutbahn gelangte.
- Gouverneur Bill Lee ordnete eine unabhängige Untersuchung an.
Zwei Dosen Pentobarbital wurden ihr verabreicht, allein in ihrem linken Arm setzte das Hinrichtungsteam mindestens sieben Nadeln an – dennoch lebte die in Tennessee zum Tode verurteilte Christa Pike weiter. Nach der abgebrochenen Hinrichtung wurde sie mit einer Ambulanz in ein Spital gebracht. Dort kämpfen Ärzte nun um ihr Leben. Laut Pikes Anwälten liegt die 50-Jährige im Koma und wird künstlich beatmet.
Pike erhielt insgesamt zehn Gramm Pentobarbital. Ohne medizinisches Eingreifen sollte diese Dosis innerhalb von 15 bis 30 Minuten zum Tod führen. Doch selbst zwei Stunden nach Beginn des Exekutionsverfahrens stellten die anwesenden Ärzte noch einen Herzschlag fest. Weshalb überlebte Christa Pike trotz der hohen Dosis des Barbiturats?
Nadel hat Vene verfehlt
Paul Allen, Professor für Anästhesiologie am University of Tennessee Health Science Center, vermutet, dass die Nadeln nicht korrekt in die Vene eingeführt worden seien. Pentobarbital müsse direkt in die Blutbahn gelangen, um Bewusstlosigkeit herbeizuführen. Voraussetzung dafür sei, dass die Nadel tatsächlich in einer Vene liege.
Gegenüber KBTX erklärte der Arzt, eine sogenannte Infiltration trete auf, wenn eine Nadel eine Vene verfehle oder durchstosse. Das Medikament gelange dann ins Unterhautgewebe, statt im Blutkreislauf zu zirkulieren. «Ich vermute, dass es hier zu einer Infiltration der Vene gekommen ist», sagte Allen. «Das bedeutet, dass das Medikament nicht in die Blutbahn gelangte, sondern in das umliegende Gewebe des Arms – oder an die Stelle, an der die Nadel angesetzt wurde.»
Pike schlief und schnarchte
Diese Einschätzung könnte die Beobachtungen von Zeugen und Anwälten erklären. Pike habe nach den Injektionen über ein Pochen an bestimmten Stellen ihres Arms geklagt, zudem soll sich ihr rechter Arm violett verfärbt haben. Bei ihrer Einlieferung ins Spital seien beide Arme geschwollen, verbrannt und mit Blasen übersät gewesen, sagte ihr Anwalt.
Gelange das Medikament ins umliegende Gewebe statt in die Blutbahn, könne es dennoch Schläfrigkeit auslösen, so Allen. Pike habe tatsächlich schläfrig gewirkt und geschnarcht.
Die Behörden in Tennessee haben bisher nicht erklärt, was bei der Hinrichtung schiefgelaufen ist. Der republikanische Gouverneur Bill Lee ordnete eine unabhängige Untersuchung an. Zudem teilte er mit, dass eine weitere, für dieses Jahr geplante Hinrichtung in Tennessee nicht stattfinden werde.
Karin Leuthold (kle), Jahrgang 1968, arbeitet seit 2005 für 20 Minuten und ist derzeit am Newsdesk tätig.
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