Flutwelle in Nepal – Kritik am Krisenmanagement der Regierung

Nach der Flutwelle in Nepal haben Mitglieder der Zivilgesellschaft und Industrie der Regierung Fehler beim Katastrophenmanagement vorgeworfen.
16.09.2026, 05:51
Vor zwei Wochen wollte Nepals Regierung um Balendra Schah die Flutkatastrophe noch im Alleingang stemmen, nur mit Armee und Polizei. Die Soldaten und Polizisten riskierten ihr Leben und arbeiteten Tag und Nacht, das müsse anerkannt werden, sagt Gopal Krishna Siwakoti, Chef der nepalesischen Menschenrechts- und Umweltorganisation International Institute for Human Rights, Environment and Development. Und trotzdem: Der Alleingang sei ein Fehler gewesen.
Alleingang könnte Menschenleben gekostet haben
«Wir wussten, dass diese gigantische Katastrophe uns überfordern würde. Die Regierung hätte sofort das Ausland um Hilfe bitten müssen», sagt Siwakoti. Als sie es nach vier oder fünf Tagen schliesslich tat, seien schon viele Menschenleben verloren gewesen.
Siwakoti gehört zu einer Gruppe von 35 Vertreterinnen und Vertretern der Zivilgesellschaft, die das Katastrophengebiet an der nepalesisch-chinesischen Grenze bereist haben, um sich ein Bild von der Lage zu machen.
Ihre Bestandsaufnahme zeigt auch andere Mängel im Katastrophenmanagement. So habe die Frühwarnung nicht funktioniert, sagt Siwakoti. Insbesondere in den tiefer gelegenen Gebieten an Flussufern, in denen die Flut erst mit Verzögerung ankam. Bei präziserer Warnung hätten sich mehr Menschen in Sicherheit bringen können.
Zudem habe die Regierung lokale Regierungen in den betroffenen Provinzen nicht einbezogen. Die Koordination bei der Rettung und der Verteilung der Hilfsgüter habe zumindest am Anfang nicht funktioniert, sagt Siwakoti.
Internationale Hilfe zu spät erbeten
Das bestätigt auch Jagat Deuja, Chef der nepalesischen Hilfsorganisation Community Self Reliance Center. Die Zentralregierung habe die Verteilung der Hilfsgüter anfangs allein organisieren wollen, das sei wenig effizient gewesen. Und sie habe erst jetzt, viel zu spät, angefangen, sich um Ersatzunterkünfte für Tausende von Menschen zu kümmern.
Deuja kritisiert die Entscheidung der Regierung, kein Geld an die Opfer zu verteilen, obwohl sich das bei früheren Naturkatastrophen sehr bewährt habe. Viele Menschen hätten in der Flut alles verloren.
Den Vorwurf, die Regierung um Balendra Shah habe zu spät nach internationaler Hilfe gerufen, teilt auch der Polit-Analyst Chandra Bhatta. «Es hätten sonst vermutlich viel mehr Leben gerettet werden können.» Vor allem in den Tunneln der Wasserkraftwerke, in denen noch Hunderte Arbeiter vermisst werden. Erst nach Druck der Kraftwerksbetreiber akzeptierte die Regierung schliesslich schweres Gerät und Expertise aus Ländern wie China und Indien.
Auch Geopolitik könnte eine Rolle gespielt haben
Analyst Bhatta vermutet, dass auch Geopolitik eine Rolle gespielt haben könnte. Gleich nach dem grossen Erdbeben 2015 seien grosse Mächte sofort nach Nepal gekommen, um bei der Bergung und dem Wiederaufbau zu helfen. Die Folge sei ein starker geopolitischer Wettbewerb um den grössten Einfluss in Nepal gewesen, zwischen China, Indien und auch westlichen Mächten. Das habe zu viel Spannungen in Kathmandu geführt.
Am Ende habe es damals vor allem China geschafft, seinen Einfluss auszuweiten. Eine erneute Einmischung habe die neue Regierung diesmal vermutlich vermeiden wollen, sagt Bhatta.
Nepals Finanzminister wies die Kritik inzwischen zurück. Ausländische Hilfe sei akzeptiert worden, entsprechend den Erfordernissen vor Ort.
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