Letzte öffentliche US-Hinrichtung zog 20'000 Schaulustige an

- 20'000 Menschen verfolgten 1936 die letzte öffentliche Hinrichtung in den USA – die Stimmung wurde als «karnevalsartig» beschrieben.
- Nun plant die Trump-Regierung erstmals seit Jahrzehnten wieder eine öffentliche Exekution: die Erschiessung von Nidal Hasan als Livestream.
- Rechtsprofessorin Deborah Denno warnt vor einem Rückfall in dunkle Zeiten.
Mit der geplanten Live-Übertragung der Hinrichtung eines verurteilten Attentäters beschreitet die US-Regierung einen höchst umstrittenen Weg. US-Verteidigungsminister Pete Hegseth will mit dem Schritt die schwerwiegenden Konsequenzen solcher Taten verdeutlichen, wie er sagt. Die Entscheidung wird jedoch vor allem mit Blick auf Menschenrechte massiv kritisiert und wirft zahlreiche Fragen auf – auch im Hinblick auf die letzte öffentlich zugängliche Exekution, die in den Vereinigten Staaten im Jahr 1936 stattfand.
«Karneval»-Stimmung bei letzter Erhängung
Am 14. August 1936 wurde Rainey Bethea in Owensboro im Bundesstaat Kentucky erhängt. Er hatte zuvor gestanden, die 70-jährige Lishia Edwards vergewaltigt und getötet zu haben. Die Ankündigung, dass die Hinrichtung öffentlich besuchbar sei, lockte total 20'000 Menschen an. Im Anschluss gab es landesweit heftige Kritik an der Art, wie die Hinrichtung durchgeführt wurde: So berichteten Augenzeugen, dass vor Ort eine «karnevalsähnliche» Stimmung geherrscht habe.
Letzte Live-Übertragung nur für ausgewählte Personen
Der Fall weckt auch Erinnerungen an die Hinrichtung von Timothy McVeigh im Juni 2001. Der rechtsextreme Regierungsgegner hatte 1995 in der Innenstadt von Oklahoma City eine Bombe gezündet. 168 Menschen starben, darunter 19 Kinder. Er wurde zum Tode verurteilt.
Ein Unternehmen wollte die Exekution damals gegen Bezahlung live im Internet zeigen, was gerichtlich untersagt wurde. Stattdessen wurde die Hinrichtung per Video an ausgewählte Angehörige und Überlebende des Anschlags übertragen. Minderjährige waren davon ausgeschlossen.
Vieles um geplanten Livestream noch unklar
Die Tötung Hasans durch Soldaten mit Gewehren ist für den 3. Dezember geplant. Allerdings wirft der geplante Livestream zahlreiche Fragen auf. Nach den Vorschriften des US-Militärs dürfen Personen unter 18 Hinrichtungen nicht als Zuschauer verfolgen. Unklar ist jedoch, ob diese Altersgrenze auch für den geplanten Livestream gelten soll. Offen ist zudem, ob eine Übertragung gegen Richtlinien von Onlineplattformen verstossen könnte, sagte Rechtsprofessorin Deborah Denno der BBC. Auf welcher Plattform die Hinrichtung übertragen werden könnte, ist bisher ebenso unklar.
Rechtsprofessor: «erhebliche moralische Fragen»
Normalerweise dürfen nur ausgewählte Personen Hinrichtungen verfolgen, darunter Angehörige der Opfer und Medienvertreter. Die geplante Live-Übertragung werfe daher auch «erhebliche moralische Fragen» auf, sagte Rechtsprofessor Geoffrey Corn von der Texas-Tech-Universität dem US-Sender CBS News. Die Hinrichtung «zu einer Art öffentlichem Spektakel zu machen», erinnere an eine Zeit, die die USA hinter sich gelassen zu haben schienen.
Vance will nicht zuschauen
US-Vizepräsident JD Vance hat Zweifel an der angekündigten Live-Übertragung der Hinrichtung eines verurteilten Attentäters geäussert. Er wisse nicht, ob es tatsächlich dazu kommen werde, sagte er vor Journalisten in Lima im US-Bundesstaat Ohio. Man müsse abwarten, was im Dezember geschehe. Zugleich sagte er: «Wenn es per Livestream übertragen wird, werde ich es mir nicht ansehen.» (dpa)
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Benedikt Hollenstein (bho) ist seit 2021 bei 20 Minuten. Er schreibt für den Newsdesk und übernimmt dort auch Tagesleitungsschichten.
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