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Sunday, September 13, 2026

Spannende Natur: Älteste Pflanze der Welt verblüfft Forscher mit elektrischen Signalen

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Spannende Natur

Älteste Pflanze der Welt verblüfft Forscher mit elektrischen Signalen

Moos wirkt unscheinbar und simpel. Doch neue Messungen zeigen: In den kleinen Pflänzchen entstehen erstaunlich komplexe elektrische Signale. Manche erinnern sogar an Nervenimpulse.

Publiziert: vor 18 Minuten

Aktualisiert: 11.09.2026 um 13:47 Uhr

Wer an Moos denkt, hat wahrscheinlich feuchte Waldböden, Steine oder alte Baumstämme vor Augen. Viel mehr als ein grüner Teppich scheint es auf den ersten Blick nicht zu sein. Doch genau dieses unscheinbare Gewächs gibt Forschenden derzeit Rätsel auf.

Eine neue Studie zeigt, dass Moospolster von Brachythecium rutabulum eine überraschend vielfältige elektrische Aktivität aufweisen. Die Signale können sich offenbar wellenförmig durch das gesamte Moospolster ausbreiten. Das bedeutet nicht, dass Moos ein Gehirn besitzt oder «denkt». Die Ergebnisse zeigen aber, dass in den Pflanzen elektrische Vorgänge ablaufen, die bisher kaum untersucht wurden.

Elektrische Signale im Moospolster

Für die Untersuchung sammelte der Informatiker Andy Adamatzky Moospolster im britischen Somerset. Im Labor platzierte er Elektroden in den Pflanzen und zeichnete deren elektrische Aktivität über mehrere Tage auf.

Der Grund für die lange Messdauer: Die Vorgänge im Moos laufen teilweise sehr langsam ab. Dabei registrierte der Forscher unterschiedliche elektrische Muster. Einige Signale waren schnell, andere breiteten sich deutlich langsamer aus. Besonders bemerkenswert: Ein Teil der aufgezeichneten Impulse erinnerte in seiner Form an sogenannte Aktionspotenziale, wie sie auch bei Nervenzellen vorkommen. Auch Reihen von Impulsen, die an neuronale Signale erinnern, wurden beobachtet.

Das Moospolster ist eine Art Gemeinschaft

Noch etwas macht die Ergebnisse interessant: Ein Moospolster ist nicht einfach ein einzelnes grosses Lebewesen. Es besteht aus zahlreichen einzelnen Pflanzen beziehungsweise Klonen derselben Pflanze.

Die winzigen Moospflänzchen besitzen keine Wurzeln wie Bäume oder Blumen und auch kein ausgeprägtes Gefässsystem. Ihre blattähnlichen Strukturen sind teilweise nur eine einzige Zellschicht dick. Trotz dieser vergleichsweise einfachen Struktur scheint es also elektrische Aktivität zu geben, die sich über grössere Teile des Moospolsters erstreckt. Das wirft eine spannende Frage auf: Könnten solche Signale dazu beitragen, Informationen innerhalb des Moospolsters weiterzugeben?

Forscher bremsen bei grossen Schlussfolgerungen

Ganz so weit lässt sich aus der Untersuchung allerdings noch nicht gehen. Die Studie hat wichtige Einschränkungen. Unter anderem wurden keine Kontrollmessungen mit einer unbelebten Unterlage durchgeführt. Deshalb lässt sich nicht vollständig ausschliessen, dass zumindest ein Teil der gemessenen Signale durch die Messmethode oder andere äussere Faktoren beeinflusst wurde. Auch die Moosproben stammten aus der Natur. Unterschiede bei Feuchtigkeit, Verunreinigungen oder anderen Umweltbedingungen könnten die Messungen beeinflusst haben.

Weitere Untersuchungen sind deshalb nötig, bevor man sagen kann, welche Funktion die elektrischen Signale tatsächlich haben.

Könnte Moos eines Tages als Sensor dienen?

Genau hier wird die Forschung besonders interessant. Die Wissenschaftler vermuten, dass die ungewöhnliche elektrische Aktivität langfristig für sogenannte Biohybrid-Sensoren oder sogar für neue Formen des «Biocomputing» interessant sein könnte. Gemeint sind technische Systeme, die biologische Strukturen nutzen, um Informationen zu verarbeiten oder auf ihre Umwelt zu reagieren.

Bis dahin ist es allerdings noch ein weiter Weg. Fest steht derzeit vor allem eines: Moos ist elektrisch deutlich aktiver, als sein unscheinbares Äusseres vermuten lässt.

Dieser Artikel erschien zuerst auf blic.rs. Das serbische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier.

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