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Friday, October 2, 2026

Wenn der grosse Zeh nachts plötzlich höllisch schmerzt

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Nächtliche Gichtanfälle

Wenn der grosse Zeh nachts plötzlich höllisch schmerzt

Ein Gichtanfall kann einen Menschen mitten aus dem Schlaf reissen. Der Schmerz kommt oft plötzlich, das Gelenk schwillt an und selbst die Bettdecke kann unerträglich werden. Doch warum schlägt die Gicht ausgerechnet nachts so häufig zu?

Publiziert: vor 16 Minuten

Es beginnt manchmal völlig überraschend: Mitten in der Nacht wacht man auf, weil der grosse Zeh oder ein anderes Gelenk plötzlich höllisch schmerzt. Es ist heiss, gerötet, geschwollen und so empfindlich, dass selbst eine leichte Berührung kaum auszuhalten ist.

Dahinter kann Gicht stecken. Und tatsächlich kommt der Anfall besonders häufig nachts. Eine Studie mit 724 Menschen, die an Gicht litten, zeigte: Zwischen Mitternacht und 8 Uhr morgens war das Risiko für einen akuten Gichtanfall mehr als doppelt so hoch wie tagsüber.

Was bei Gicht im Gelenk passiert

Gicht entsteht, wenn sich zu viel Harnsäure im Blut befindet. Wird eine bestimmte Konzentration überschritten, können sich winzige Kristalle aus Mononatriumurat bilden und in Gelenken ablagern. Das Immunsystem reagiert darauf mit einer heftigen Entzündung.

Besonders häufig trifft es das Grundgelenk des grossen Zehs. Aber auch Sprunggelenke, Knie, Handgelenke oder andere Gelenke können betroffen sein. Ein akuter Anfall kommt oft sehr plötzlich. Das Gelenk wird innerhalb kurzer Zeit schmerzhaft, warm, gerötet und geschwollen.

Warum erwischt es viele nachts?

Ganz geklärt ist der Grund für die Häufung in der Nacht noch nicht. Fachleute diskutieren mehrere mögliche Faktoren.

Zum einen trinken wir während des Schlafs mehrere Stunden nichts. Dadurch kann der Körper leicht Flüssigkeit verlieren. Auch die Körpertemperatur verändert sich im Verlauf der Nacht. Zudem schwanken verschiedene Hormone und Botenstoffe, die an Entzündungsprozessen beteiligt sind. All diese Faktoren könnten dazu beitragen, dass sich ein Gichtanfall in den Nachtstunden leichter entwickelt. Die Studie zeigte den Zusammenhang auch dann, wenn Alkohol, Ernährung, Alter, Geschlecht, Übergewicht und bestimmte Medikamente berücksichtigt wurden.

Das bedeutet aber nicht, dass ein Glas Wasser vor dem Schlafengehen einen Gichtanfall sicher verhindern kann. Die Ursachen der nächtlichen Häufung sind komplex.

«Krankheit der Könige» hat einen historischen Grund

Gicht wird manchmal noch immer als «Krankheit der Könige» bezeichnet. Der Ausdruck stammt aus früheren Zeiten, als die Erkrankung besonders häufig bei wohlhabenden Menschen beschrieben wurde.

Der Grund dafür lag unter anderem im damaligen Lebensstil: üppiges Essen und regelmässiger Alkoholkonsum waren Privilegien der Oberschicht. Heute weiss man, dass Gicht keineswegs eine reine «Wohlstandskrankheit» ist. Eine dauerhaft erhöhte Harnsäurekonzentration kann viele Ursachen haben.

Das Risiko steigt unter anderem mit höherem Alter. Auch Nierenerkrankungen, Übergewicht, Bluthochdruck und bestimmte Medikamente können eine Rolle spielen.

Alkohol und Ernährung können einen Anfall begünstigen

Auch der Lebensstil kann Einfluss auf Gicht nehmen. Alkohol, insbesondere Bier, kann das Risiko für einen Anfall erhöhen. Ebenso können sehr purinreiche Mahlzeiten bei bereits gefährdeten Menschen eine Rolle spielen.

Purin ist ein natürlicher Bestandteil vieler Lebensmittel. Beim Abbau entsteht Harnsäure. Besonders viel davon steckt beispielsweise in bestimmten Fleisch- und Innereienprodukten sowie einigen Fisch- und Meeresfrüchten.

Wichtig ist aber: Gicht lässt sich nicht einfach auf «zu viel Fleisch» oder «zu wenig Wasser» reduzieren. Die Erkrankung hat mehrere Ursachen und sollte bei wiederholten Anfällen ärztlich behandelt werden.

Ein erster Anfall gehört abgeklärt

Wer erstmals ein plötzlich stark schmerzendes, gerötetes und geschwollenes Gelenk bekommt, sollte dies ärztlich abklären lassen. Denn nicht jede akute Gelenkentzündung ist Gicht.

Auch eine bakterielle Gelenkinfektion kann ähnliche Beschwerden verursachen und muss rasch behandelt werden. Für die Diagnose können unter anderem die Krankengeschichte, eine Untersuchung, Blutwerte oder die Untersuchung von Gelenkflüssigkeit wichtig sein.

Bei bereits diagnostizierter Gicht geht es nicht nur darum, den nächsten Anfall zu überstehen. Eine dauerhaft erhöhte Harnsäure kann dazu führen, dass sich immer wieder Kristalle ablagern. Unbehandelt können dadurch mit der Zeit weitere Gelenkschäden und sogenannte Gichtknoten entstehen.

Was das Risiko für weitere Anfälle senken kann

Entscheidend ist eine langfristige Behandlung, wenn sie medizinisch angezeigt ist. Dazu gehören je nach Situation Medikamente zur Senkung der Harnsäure. Daneben können ausreichend Flüssigkeit, ein moderater Alkoholkonsum, eine ausgewogene Ernährung und ein gesundes Körpergewicht helfen, das Risiko zu beeinflussen.

Bei Medikamenten gilt: Sie sollten nicht auf eigene Faust abgesetzt oder verändert werden. Gerade bestimmte harntreibende Medikamente können den Harnsäurespiegel beeinflussen. Wer wiederholt Gichtanfälle bekommt, sollte deshalb mit der Ärztin oder dem Arzt über die gesamte Medikation sprechen.

Und wer nachts plötzlich von einem extrem schmerzhaften, heissen und geschwollenen Gelenk geweckt wird, sollte die Beschwerden nicht einfach als «altersbedingte Gelenkschmerzen» abtun. Ein Gichtanfall kann sich tatsächlich wie aus dem Nichts melden – und besonders häufig tut er das in der Nacht.

Dieser Artikel stammt vom polnischen Nachrichtenportal Fakt.pl, welches zu Ringier Medien gehört.

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